Kapitel 1: Der Tod des Schülers Anton Bar

 

 

„Ich muss diesen bescheuerten Jungen umbringen...“, dachte der in die Jahre gekommener Professor namens Thomas Liefers, während er ganz allein in dem ihm extra zur Verfügung gestellten Physikraum saß.

„Ich muss es einfach tun, sonst wird dieser hinterhältige Mistkerl mich mit Sicherheit bis an mein noch weit vor mir liegendes Lebensende weiter erpressen. Und das würde auf Dauer bestimmt ziemlich teuer werden. Das werde ich natürlich um jeden Preis verhindern müssen, denn schließlich brauche ich dieses viele Bargeld, das ich ihm für sein Schweigen voraussichtlich noch in den Rachen werfen muss. Heutzutage müssen die Menschen schließlich jeden Cent zweimal umdrehen.“

Um diesen teuflischen Gedankengängen überhaupt auf Dauer folgen zu können, bedarf es einiger kleiner Informationen: Der werte Professor Liefers war einer von den wenigen Physiklehrern an der berühmt berüchtigten Robert S. Klein Realschule. Diese Schule war deshalb so berühmt berüchtigt, weil dort eine erhebliche Menge Kleinkrimineller ihren illegalen Geschäften nachgingen. Manchmal hielten sie zum Spaß sogar kleinere Wettstreits ab, in denen es unter anderem darum ging wer von ihnen die meisten Sachen aus einem mit Kameras ausgestatteten Kaufhaus klauen konnte. Natürlich wurde auch hier und da ein kleiner aber feiner Auto- Knack- Wettbewerb abgehalten. Kaum jemand von diesen vielen frei herumlaufenden Kleinkriminellen wurde jemals von den unaufmerksamen Lehrern oder von der Polizei erwischt. Und wenn es zufällig doch einmal geschah, dann bekamen diese Gangster im Höchstfall nur ein paar Sozialstunden aufgebrummt. Sie kamen fast immer mit ihren illegalen Machenschaften davon, außer natürlich bei schwerer Körperverletzung oder Mord. Aber bisher gab es Gott sei Dank noch keinen einzigen Mord an dieser seltsamen Schule. „Bisher.“ Doch der hinterhältige und verschlagende Professor wußte durch eine ziemlich sichere Quelle (diese Quelle war er übrigens selbst) ganz genau das diese an der altehrwürdigen Robert S. Klein Oberschule bisher immer gehaltene Grenze sehr bald von einem sehr gefährlichen Mann, der vor rein gar nichts zurückschreckte, überschritten werden würde.

 

 

Auch der 51jährige Mann mit der Hakennase hatte ziemlich viele Schwächen. Seine zwei Hauptschwächen waren Alkohol und Drogen. Alle anderen auch noch aufzuzählen würde viel zu lange dauern. Aber seine größte Schwäche war, dass er von Schülern Bestechungsgelder annahm. Natürlich handelte es sich dabei hauptsächlich um sehr schlechte Schüler, die einfach nie etwas vernünftiges auf die Reihe kriegten und bessere Noten haben wollten. Erstaunlich war nur dass gerade diese Schüler soviel Geld hatten, dass sie darin ein Bad hätten nehmen können wenn sie wollten. Wie sie das geschafft hatten, brauche ich wohl nicht zu erklären. Dummerweise war es dem neugierigen Schulzeitungsreporter Anton Bar aus der Klasse des oben genannten Professors (bei der es sich übrigens um die Klasse 10/C handelte, die aus irgendeinem unbekannten Grund in den Augen aller Eltern und Lehrer als absolute Eliteklasse der Robert S. Klein Realschule galt) gelungen all diese unangenehmen Dinge herauszufinden und dementsprechende Beweise über die geheimnisvolle Bestechungsgeldaffäre zu sammeln. Doch statt besagte belastende Beweise (von denen der alte Professor allerdings nicht genau wußte wie sie aussahen, denn sein Erpresser hatte sie ihm selbstverständlich nie gezeigt) der Polizei, dem Rektor, oder seiner zur Zeit ziemlich erfolgreichen Schülerzeitung zu übergeben, erpreßte er seinen drogensüchtigen und korrupten Lehrer mit ihnen. Schließlich wollte Anton auch ein kleines Stück vom großen Geldkuchen abhaben. Und genau deshalb musste Professor Liefers an jedem Mittwoch in der Woche eine Zahlung von 1.000 Euro in Bar an den 16jährigen Schüler Anton Bar leisten, der mit seinen 16 Jahren nebenbei bemerkt genauso alt war wie seine anderen Klassenkameraden, mit denen er stets auf gutem Fuße stand. Diese Zahlungen jedenfalls kassierte er nun schon seit mehreren Wochen und das ging dem erpreßten Professor langsam aber sicher auf die Nerven, weshalb er auch etwas dagegen tun wollte. 5.000 Euro hatte ihn der ganze Spaß insgesamt schon gekostet. Und nun gingen ihm langsam aber sicher die Bestechungsgelder von den vielen Schülern und Schülerinnen aus. Und da er von seinen stets pünktlich zahlenden Kunden nicht einfach so mir nichts dir nichts mehr Geld verlangen konnte, dachte er sich einfach einen teuflisch genialen Mordplan aus. Selbstverständlich war der gute Anton das ausgewählte Mordopfer bei diesem hinterhältigen Verbrechen. Für den durchtriebenen Thomas Liefers war das Schicksal seines zukünftigen Opfers bereits besiegelt und er stellte sich schon die Beerdigung von Anton Bar vor. Und daß obwohl dieser selbst ernannte Sensenmann darüber eigentlich nicht zu entscheiden hatte, denn bekanntlich hat niemand das Recht sich auf diese mörderische Weise zum Herrn über Leben und Tod aufzuspielen. Aber er würde es wahrscheinlich trotzdem tun, weil er seinem Schüler kein Geld mehr in den Rachen werfen wollte. Regeln und Gesetze hatten für ihn keinerlei oder wenn überhaupt nur geringfügige Geltung. Besonders wenn es darum ging das dieser hinterhältige Mann sich ein unerreichbar weit entferntes Ziel gesetzt hatte und es natürlich um jeden Preis erreichen musste. Selbstverständlich hielt der verschlagende Professor es für unnötig in dieser Situation an die möglichen Konsequenzen zu denken, die diese teuflische Tat für ihn vielleicht irgendwann haben könnte. Aber da er einen scheinbar perfekten Mordplan hatte, war ihm das vollkommen egal. Schließlich und endlich ging dieser im Internet mehrmals zum Deppen des Monats gewählte Mann davon aus, mit diesem in der Zukunft stattfindenen Verbrechen ohne jegliche Probleme davonzukommen.

 

 

Während besagter Anton Bar zusammen mit seinen anderen Mitschülern später im Physikraum eine ziemlich schwere Physikarbeit schrieb, bei der kaum einer die Antworten auf die komplizierten Fragen kannte, saß der Professor vorne an seinem, für einen einzelnen Menschen, viel zu großen Lehrerpult. Aber statt den Schülern während des Tests auf die Finger zu schauen und dadurch möglicherweise Abspicker zu orten, um ihnen eine Sechs zu geben, ging er nochmal seinen teuflischen Plan durch; schließlich wollte er keine Fehler machen und wegen dieser besagten Fehler irgendwann im Gefängnis landen. Außerdem hatten ihn sowieso mehrere Schüler zuvor bestochen, damit er bei ihnen nicht so genau hinsah. Und es war für ihn schon immer eine reine Selbstverständlichkeit gewesen, die guten Geschäftsbeziehungen nicht durch Vertragsbruch zu gefährden und sich haargenau an die jeweilig getroffenen Abmachungen zu halten. Also dachte er über die Durchführung seines grausamen Planes nach:„O.K. Zeit für eine kleine Zusammenfassung. Ich habe alles im Kofferraum meines Autos. Ein Seil, eine Rolle Klebeband, eine Schere, eine Flasche Chloroform, Taschentuch, falscher Bart, Handschuhe  und einen großen Eisblock in einer schweren Kühlbox. Das wird wahrscheinlich etwas schwierig werden, aber ich schaffe das schon. Kein Problem. Jetzt nach der siebenten Stunde hat die ganze Schule wie jeden Mittwoch Schulschluss. Diese Faulenzer können wie immer richtig früh gehen. Wie immer um 13:45 Uhr. Einige werden mit Sicherheit wieder nachsitzen müssen, weshalb die Schule wahrscheinlich erst um 14:00 Uhr Schülerfrei sein wird. Der einzige, der dann noch da sein wird, ist unser hochgeschätzter Rektor. Er wird noch etliche Rektorensachen erledigen, ob er will oder nicht. Na ja, auf jeden Fall hat er eine Menge zu tun. Und das ganze dauert so in etwa bis 17:00 Uhr, da er sich für gewöhnlich immer etwas Zeit läßt. Aber soviel ist sicher: Die Sporthalle und die dazugehörigen Kabinen wird er nicht kontrollieren. Das hat er noch nie gemacht. Zum Glück fand heute auch kein Sport statt, weshalb auch niemand anders aus irgendwelchen dummen Gründen etwas kontrollieren wird. Um 15:00 Uhr treffe ich mich wie beim letzten Mal mit meinem Erpresser Anton Bar in der Jungenumkleidekabine und dort werde ich mich seiner für immer entledigen. Der Hausmeister ist heute nicht da und die Putzfrauen kommen erst am Freitag, um den Müll einer ganzen Woche zu entfernen. Dummerweise vergessen sie immer die 400 Schüler dieser Schule zu entfernen. Aber wenn sie die entsorgen würden, wie sie es verdienen, von wem soll ich dann Bestechungsgelder entgegennehmen? Egal. Jedenfalls werde ich um Punkt 14:00 Uhr all meine Mordutensilien aus meinem Kofferraum in die Umkleidekabine schaffen. Zum Glück habe ich einen Kabinenschlüssel, den ich dem Hausmeister selbst geklaut habe. Danach fahre ich mit meinem Wagen weg, setze den falschen Bart auf und parke etwa 500 Meter von der Schule entfernt. Dann steige ich aus und laufe schnell zurück zu der Schule, die bald Schauplatz eines spektakulären Mordes sein wird, der vielleicht sogar in die Geschichte der Kriminalistik eingeht. Dadurch das ich von der Schule wegfahre vermeide ich es auch, dass jemand wegen meiner längeren Anwesenheit Verdacht schöpft. Und so gibt es offiziell auch keine längere Anwesenheit. Während ich dann in der Umkleidekabine warte, tränke ich schon mal das Taschentuch mit Chloroform. Wie ich den guten alten Anton kenne, wird er wie immer pünktlich kommen. Das tat er auch während unserer letzten Treffen und er tut es auch in der Schule. Deswegen hat er vermutlich so verflixt gute Noten. Und wie ich ihn kenne, hat er niemandem etwas von unserem streng geheimen Treffen an diesem ungewöhnlichen Ort erzählt. Morgen findet erst in der sechsten und siebenten Stunde Sportunterricht statt, also werden sie seine Leiche erst dann finden..., sofern diese Stinktiere die Duschräume überhaupt jemals benutzen. Aber irgendwann werden sie das schon tun, zumindest hoffe ich das. Sollten sie es nicht tun, könnte die Leiche dort möglicherweise ewig hängen... ach was für ein Unsinn. Sie werden die Duschen morgen bestimmt benutzen. Ich muss mir überhaupt keine Sorgen deswegen machen. Es wird schon alles gut gehen, denn immerhin habe ich alles ganz genau geplant. Und wenn wieder all meinen Erwartungen doch ein paar kleinere Komplikationen auftreten, dann kann ich zur Not immer noch improvisieren. Im Notfall kriege ich das bestimmt irgendwie hin. Im Improvisieren bin ich ja schon immer ziemlich gut gewesen. Und das werde ich bestimmt auch weiterhin sein.“

Nachdem der alte Professor seinen Plan in Gedanken zur Sicherheit noch einmal bis ins allerletzte Detail durchgegangen war und sich gleichzeitig im Geiste noch etwas Mut gemacht hatte, lächelte er unauffällig. Es war ein ziemlich verschlagenes Lächeln und da er offiziell ein sehr strenger Lehrer war, paßte er um seinen Ruf zu erhalten auf, dass ihn dabei keiner von seinen Schülern beobachtete. Aber wenn niemand in seinem kleinen Physikraum gewesen wäre, hätte der Mann mit ziemlicher Sicherheit sein übertrieben lautes Höllengelächter losgelassen, um damit seinen ach so großen Ideenreichtum lauthals zu feiern. Hochmütig wie er nun einmal war, ging er davon aus dass sein teuflischer Plan ohne die geringsten Komplikationen perfekt funktionieren würde. Aber ob dies auch stimmte, würde die nicht mehr allzu ferne Zukunft zeigen. Und dann würde sich zeigen, ob der Professor richtig lag, oder ob das ganze irgendwie zu seinem persönlichen Waterloo werden würde. Der Unterschied wäre dann lediglich, dass auf dem Schlachtfeld für gewöhnlich nur aus Notwehr getötet wird. Doch das was der mörderische Physikprofessor bald vorhatte zu tun, war ein hinterhältiger und eiskalter Mord aus purer Geldgier. Also ein brutales Verbrechen aus sogenannten niederen Beweggründen, dass in manchen anderen mehr oder weniger zivilisierten Ländern mit dem Tode bestraft wird. Natürlich nur wenn es den dafür zuständigen Behörden auch gelingt, den Täter zu überführen (was meistens gar nicht so einfach ist). 

 

 

Nachdem pünktlich um 13:45 Uhr die Klingel, die sonst nur zur Pause klingelte, so ziemlich jeden Schüler erlöst hatte, wartete der Professor bis die Uhr an der Wand des Physikraumes 13:55 Uhr anzeigte. Dann strich er sich durch seine grauen Haare und verließ den altertümlich eingerichteten Lehrraum und das fünfstöckige Backsteingebäude, dass man seltsamerweise als Schule bezeichnete. Als er an seinem Auto auf dem Lehrerparkplatz ankam, waren die meisten seiner Kollegen schon über alle Berge. Manche ließen ihre Schüler sogar früher gehen. Der Professor hielt nichts davon. Er öffnete den Kofferraum seines blauen Ford, als das drittletzte Auto den Lehrerparkplatz verließ. Nun waren sein Auto und der rote Käfer des Rektors die letzten beiden Karren auf dem verlassenen Parkplatz. „Wahrscheinlich hängt mein zukünftiges Opfer gerade mit seinen komischen Freunden aus seiner und meiner Klasse im nahegelegenen Park herum. Wer weiß was diese Idioten gerade wieder für einen Unsinn verzapfen. Aber soll er ruhig den Aufenthalt in diesem großen und wunderschönen Park genießen, denn bald wird er wie geplant zu mir kommen. Und dann wird er ziemlich schnell ganz woanders herumhängen und ich werde selbstverständlich derjenige sein, der dafür sorgt das er hängt. Keine leichte Aufgabe für einen unerfahrenen Mörder, aber ich werde sie mit Bravour meistern. Der gute Anton wird bald seinen letzten Atemzug tätigen.“, dachte der hinterhältige Professor, während er unter minimaler Anstrengung seine vielen wichtigen Utensilien in die Jungenumkleidekabine der Sporthalle schaffte.

Anschließend stieg er in seinen Wagen und fuhr mit ihm auffällig weg. Ihm war klar, dass ihn irgend jemand wegfahren sehen musste. Nachdem der zukünftige Mörder durch ein paar Gassen gefahren war, parkte er sein Auto und klebte sich seinen falschen Bart an. Dieser graue Vollbart war zufällig genauso grau wie seine Haare. Aber um ganz sicher zu gehen, dass ihn auch ja niemand wiedererkannte, zog er seinen schwarzen Mantel aus. Diesen Mantel trug er immer während seines langweiligen Unterrichts und jetzt ließ er ihn aus Sicherheitsgründen im Auto, um nicht zufällig von irgendwem erkannt zu werden. Anschließend stieg er aus seinem Wagen und ging den halben Kilometer (diese Strecke war er am Vortag zur Probe abgegangen) zurück zur Schule. Es dauerte etwa fünf Minuten mit dem Auto, da er langsam gefahren war und 25 Minuten zu Fuß, wenn er trödelte und unterwegs so ganz nebenbei noch ein paar Zigaretten kaufte. „Sollen die Passanten mich ruhig ein paar ungesunde und stinkende Zigaretten rauchen sehen. Keiner weiß, dass ich unter diesem falschen aber dennoch echt wirkenden Bart stecke. Und außerdem weiß außer meinem zukünftigen Opfer Anton Bar sowieso keiner von meinen anderen Bekannten das ich nicht Nichtraucher bin. Und er weiß das auch nur aus dem Grund, weil ich von ihm für sehr lange Zeit beschattet wurde. Und sonst hat mich ja niemand beschattet. Außerdem wird mich, wenn ich Zigaretten rauche, sowieso keiner für denjenigen halten, der ich in Wirklichkeit bin. Aber ich darf nicht vergessen die Stummel dieser Zigaretten einzustecken und später wegzuwerfen, denn sonst hinterlasse ich verfolgbare Spuren. Und ich will auf gar keinen Fall erwischt werden, denn der Knast ist nichts für einen wie mich.“

Schließlich betrat er ein weiteres Mal die Umkleidekabine, die eines der wichtigsten Teile seines teuflischen Planes werden sollte. Er checkte zur Sicherheit noch einmal seine Sachen ab und stellte fest, dass alles was er für den Mord brauchte in seiner Nähe war. Wie heißt es so schön? Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Nun musste der zukünftige Mörder nichts weiter tun, als ein wenig zu warten. Er setzte sich auf eine von den Bänken, auf die die Schüler immer ihre Taschen stellten. Anschließend zog er schon einmal seine schwarzen Handschuhe an, um ganz sicher zu gehen, dass er auch ja keine belastenden Spuren hinterließ. „Sicher ist sicher. Und ich will unter keinen auch nur ansatzweise erdenklichen Umständen von irgendwem erwischt werden. Im Knast würde ich mit Sicherheit keine zwei Stunden überleben. Die würden einen alten Mann wie mich dort bestimmt ganz schnell fertig machen. Und für Mord bekommt man hier zu Lande immerhin lebenslänglich und das will ich auf keinen Fall mitmachen. Zwar wird man woanders für einen Mord hingerichtet, aber lebenslang ist auch ziemlich übel. Allerdings würde ich vorher wahrscheinlich Selbstmord begehen. Das ist immer noch besser als im Knast zu landen. Obwohl... wenn ich doch im Knast lande, kann ich ja notfalls ausbrechen. Die Gefängnisse sind ja nicht besonders sicher und wenn ich mir dort ein paar Komplizen suche, ist das kein Problem. Aber soweit wird es nicht kommen. Mein Plan ist perfekt. Ich werde niemals erwischt.“, dachte der Professor, während er seine Handschuhe betrachtete, die er anhatte um eventuelle Fingerabdrücke zu vermeiden, die seinen vermeintlich perfekten Mord sofort zunichte gemacht hätten.   

 

 

Nachdem der zukünftige Mörder etwa eine halbe Stunde gewartet hatte, tränkte er sein vorbereitetes Taschentuch mit dem Chloroform aus der Chloroformflasche. Kurz darauf stellte er durch einen kurzen Blick auf seine Armbanduhr fest, dass es genau 15:00 Uhr war. Er stellte sich hinter die Eingangstür der Umkleidekabine und wartete darauf, dass sie sich endlich öffnete. Ein paar Sekunden später tat sie das dann auch. Sein Opfer war wie immer pünktlich gekommen. „Mein Opfer ist präzise wie eine Schweizer Uhr. Zeit diese Uhr für immer zum Stillstand zu bringen.“, dachte Thomas Liefers, während er hinterhältig und verschlagen lächelte.

„Hallo, ist hier jemand? Professor Liefers! Wo sind sie? Sind sie hier? Haben sie mein Geld dabei? Sie haben es doch nicht etwa vergessen?“, fragte Anton verwirrt, da er den teuflischen Professor selbstverständlich nicht sehen konnte.

Dieser kam jedoch leise hinter der Tür hervor und stand einen Moment lang wie ein Geist hinter seinem künftigen Opfer. Anton bemerkte ihn erst, als er ihm das Chloroformtuch auf den Mund und die Nase drückte. Sekunden später war er bewußtlos. Der Professor schloß die Tür zur Umkleidekabine und öffnete die andere Tür zu dem Raum mit den vielen Duschen. Dann zog er Anton über die Kacheln in ihn hinein. Als nächstes durchsuchte er ihn und fand wie erwartet sein teures Handy. Dieses legte er behutsam auf eine der Kacheln neben sein bewußtloses Opfer und verließ anschließend den Duschraum, um die riesige Kühlbox und die anderen Sachen aus dem Nebenraum zu holen. Nachdem er sie geholt hatte, stellte er sie absichtlich auf Anton’s Handy. Auf der schweren Kühlbox lagen das Seil, das Klebeband und die Schere. Das ganze Zeug hätte der Professor auch vorher schon in den Duschraum tragen können. Aber er hatte keine Lust dazu gehabt. Er schnitt das Band in mehrere lange Streifen und fesselte Anton an Armen und Beinen. Als er ihn anschließend noch geknebelt hatte, knotete er das Seil zu einem Galgen, den er an einem hochgelegenen Duschkopf befestigte. Nun öffnete er seine Kühlbox und holte einen großen Eisblock hervor. Dabei war er entsprechend vorsichtig, denn dieser große Eisblock war das Herzstück der Operation. Er stellte ihn vorsichtig unter den Duschkopf. Das ganze war eine Heidenarbeit für einen in die Jahre gekommenen Mann wie ihn. Nachdem er es geschafft hatte stellte er fest, dass Anton aufgewacht war. Er packte den wachen, wehrlosen Jungen, hievte ihn auf den Eisblock und legte ihm die Schlinge um den Hals. Anton wußte im ersten Moment nicht wie ihm geschah, bis er merkte das T. L. die Schlinge etwas enger um seinen Hals zusammenzog und fester um den Duschkopf vertäute. Nun wußte Anton, dass er in Lebensgefahr schwebte. Er versuchte vor Angst laut zu schreien, doch das Klebeband hinderte ihn daran. Dann sah er sein teures Handy zerstört am Boden liegen und versuchte wieder zu schreien, diesmal vor Wut. Er blickte dem Professor ins Gesicht. Dieser sah ihn an und sagte:„Wenn der Eisblock geschmolzen ist, baumelst du am Duschkopf. Das dürfte, wenn du das Gleichgewicht so lange wie es nur irgend möglich ist halten kannst, in etwa zwei Stunden sein. Also so gegen 17:00 Uhr. Nutze diese beiden die verbliebenen Stunden, um über den großen Fehler nachzudenken, den du gemacht hast. Du hast mich erpreßt! Jetzt musst du krepieren!“, schrie ihn der Professor wütend an.

Anschließend verließ er den Duschraum und schloß die Tür. Draußen war es noch hell, weshalb Anton wenigstens nicht im Dunkeln sterben musste. Da er aus irgendeinem Grund Angst vor der Dunkelheit hatte, würde ihm das Licht diese ganze Sache etwas erleichtern. Aber durch die speziellen Fenster in den Duschräumen würde ihn nie und nimmer jemand sehen und er würde niemanden sehen. Währenddessen räumte der teuflische Professor seine Sachen zusammen und trug alles nach draußen. Er hatte all das andere Zeug, abgesehen von seinem falschen Bart (den hatte er nämlich wieder aufgesetzt) und den Handschuhen, in die große und schwere Kühlbox getan. Nachdem er die Tür zur Umkleidekabine abgeschlossen hatte, trug er besagte Kühlbox nun zu seinem entfernt parkenden Auto. Das war das anstrengendste an seinem ganzen Plan, aber es musste nun einmal sein. Niemand von den wenigen Passanten auf der Straße schenkte ihm auch nur die geringste Beachtung, denn außer ihm liefen noch jede Menge andere merkwürdige Gestalten durch die Gegend. „Hahaha. Dieser Plan ist einfach genial. Teuflisch genial. So was von genial. Genialer als genial. Der genialste Plan aller Zeiten. Der Eisblock wird in ungefähr zwei Stunden vollständig geschmolzen sein  und niemand wird jemals den geringsten Verdacht schöpfen, weil das geschmolzene Wasser einfach spurlos im Abfluß verschwinden wird. Und selbst wenn es in der Dusche ein bißchen naß ist..., es ist ja schließlich eine Dusche. Da fällt das nicht weiter auf. Man wird mich niemals erwischen. So schlau ist keiner. Keiner außer mir. Und ich kann mich ja schlecht selbst verhaften.“, dachte der mörderische Professor überheblich, während er die Kühlbox zu seinem Auto trug, was ziemlich anstrengend war. (wer sich für so genial hält, der muss vollkommen irre sein).

Als er an seinem unauffälligen blauen Auto angekommen war, stellte er die große Kühlbox rasch in seinen Kofferraum. Er würde sie beizeiten auf mysteriöse Weise verschwinden lassen. Anschließend stieg er in sein Auto, nahm den grauen Bart ab und quetschte ihn zusammen mit den schwarzen Handschuhen in sein kleines Handschuhfach. Jetzt musste er nur noch so schnell wie möglich zu einer ganz bestimmten Kneipe nahe seiner Wohnung am anderen Ende von Berlin fahren, wo man ihn kannte und wo er mit ein paar ziemlich guten Freunden um 16:00 Uhr verabredet war. Selbstverständlich wußte keiner von den besagten Freunden etwas von der Sache mit Anton, oder davon dass sie ihm als Alibi für einen vermeintlich perfekten Mord dienten. Und sie würden es möglicherweise auch niemals erfahren. „Alles läuft genau nach Plan. Und bisher gab es kein einziges Problem, was selbstverständlich so bleiben wird, weil ich alles genau durchdacht habe. Man wird mich nie erwischen.“, dachte er, während er auf seine teure Uhr sah.

Es war zu diesem Zeitpunkt genau 15:20 Uhr. Zu seinem Glück hatte er beim Rückweg zum Auto nicht getrödelt und deshalb trotz der schweren Kiste gerade mal zehn Minuten gebraucht. Seine Vorfreude mit diesem hinterhältigen und gemeinen Mord durchzukommen, hatte ihm Kraft gegeben und ihn ziemlich schnell vorangetrieben. Er hoffte (wie vermutlich schon öfters erwähnt) darauf einen perfekten, sprich unlösbaren Mord begangen zu haben, den seiner Meinung nach niemand jemals aufklären könnte. Das würde dann nämlich bedeuten, dass er schlauer als die Polizei und als jeder andere Mensch wäre, der sich jemals mit diesem Fall beschäftigen sollte. Für einen größenwahnsinnigen Kerl wie ihn wäre das verständlicherweise ein ziemlich angenehmer Nebeneffekt, den er auch in vollen Zügen genießen würde. Er fuhr so schnell wie möglich über die Autobahn und parkte um 15:59 Uhr vor der Kneipe. Um Punkt 16:00 Uhr trat er wie ein mächtiger König durch den Eingang des Lokals und setzte sich zu seinen zu früh gekommenen Freunden. Sie bestellten etwas zu essen und zu trinken. Zur Abwechslung lud Thomas Liefers alle ein. Das konnte er, denn er hatte heute immerhin ganze 1.000 Euro gespart und das Essen in dieser Kneipe war ziemlich gut. Seine Freunde Fritz und Erni freuten sich über die Einladung (auch wenn sie überrascht waren, da er für gewöhnlich die anderen bezahlen ließ). Während dieses Festes schaute Liefers aus irgendeinem Grund ziemlich oft auf seine Armbanduhr. Seinen Freunden fiel diese Nebensächlichkeit allerdings nicht weiter auf. Sie genossen einfach nur nichtsahnend die Einladung ihres alten Freundes Thomas Liefers. 

 

 

In den ersten fünf Minuten war der Eisblock so gut wie gar nicht geschmolzen. Doch nach den ersten zehn Minuten fing er schon an leicht feucht zu werden. „Verfluchte Scheiße!“, dachte Anton Bar.

„Ich will verdammt nochmal nicht sterben. Wieso tut dieser sadistische Mistsack das nur? Verdient er als Lehrer für das foltern von Kindern denn nicht genug? Bekommt er nicht genügend Bestechungsgelder?“

Anton stand, so aufrecht wie es ihm nur möglich war, auf dem etwa 15 cm großen Eisblock. Er wußte, dass er nur noch sehr wenig Zeit hatte, konnte aber trotzdem seinen Ärger nicht vergessen. Er haßte den Professor für das was er ihm angetan hatte. „Natürlich bekommt dieser Penner mehr als genug Geld. Schließlich läßt er sich ständig von irgendwelchen Schülern bestechen, die nicht wissen was er für ein Mistkerl ist und es bestimmt niemals erfahren werden. Aber er bringt mich wahrscheinlich lieber um, als auf seinen Alkohol und seine Drogen zu verzichten. Sie sind ihm schließlich wichtiger als ein Menschenleben. Wichtiger als mein Menschenleben. Dieser miese Bastard. Ich hasse ihn. Dieser Kerl ist die hinterhältigste Ratte der ich jemals begegnet bin. Wenn ich den jemals in die Finger kriege..., ach ja richtig. Ich bin ja so gut wie tot. Ob es schmerzhaft wird, wenn der Strick sich zuzieht? Na ja, bald werde ich es wohl wissen. Und bald werde ich wissen, wie das Jenseits aussieht. Aber der werte Professor Liefers wird es auch in wenigen Tagen wissen. Ich hätte zwar nicht gedacht, dass er so weit geht und wirklich bereit ist mich umzubringen, aber zum Glück habe ich auch für diesen Ernstfall vorgesorgt. Dieser Drecksack ist so gut wie Geschichte... aber halt. Wieso sollte ich eigentlich sterben? Statt mich mit meinem von diesem behämmerten Professor zugeteilten Schicksal abzufinden, sollte ich wenigstens versuchen das Klebeband mit meinen Fingernägeln durchzuschneiden. Es ist meine Pflicht, um mein Leben zu kämpfen. Ich muss es einfach versuchen.“

Anton startete einen Versuch, doch es nützte nichts. Seine Hände waren viel zu fest verbunden. Er versuchte es noch etliche Male, bevor er schließlich und endlich aufgab. Er würde also sterben und konnte rein gar nichts dagegen tun. „Was soll’s. Ich gehe zwar unter ziemlich heftigen Bedingungen drauf, aber dieser hinterhältige und sadistische Professor wird mir sehr bald folgen. Es wird wie eine Rache aus dem Jenseits werden. Zum Glück habe ich für den Fall des Falles vorgesorgt, weshalb mir bereits ein zuverlässigen Rächer zur Verfügung steht. Und der wird meinen furchtbaren Tod auf jeden Fall rächen.“, dachte Anton Bar siegessicher.

Wenige Sekunden danach (genau um 17:00 Uhr) zerbrach der Eisblock in viele kleine Stücke und Antons Schicksal war besiegelt. Für ihn war es endgültig aus. Aber nur für ihn. Für alle anderen würde es weitergehen, auch wenn sie nicht wußten das sein Tod der Auftakt zu etwas gewaltigem war. Zu etwas unvorstellbar gewaltigem, dass ein unparteiischer Beobachter wohl als eine ziemlich einflußreiche Kettenreaktion bezeichnen könnte. Aber ich bin der Meinung, dass sich jeder sein eignes Bild darüber bilden sollte.

 

 

Ungefähr um 17:30 Uhr hatten Thomas Liefers und seine beiden Freunde ihr kleines privates Fest beendet. Nach etlichen Krügen Bier und mehreren Hauptgerichten hatten sie die Kneipe widerwillig verlassen. Und so schlurften sie schließlich völlig erschöpft zu ihren jeweiligen Wohnungen nach Hause. Es war bereits dunkel draußen, als die betrunkenen Kameraden in ihren eignen Wohnungen ankamen, um sich hinzulegen. In seiner kleinen Erdgeschoßwohnung schlief der Professor erstmal in Ruhe seinen Rausch aus. Und er würde sehr lange schlafen, denn schließlich hatten er und seine beiden Freunde fast ohne Ende Alkohol konsumiert. Es klingt eigentlich unglaublich, aber sogar dieses Trink- und Freßgelage hatte er mit eingeplant. Und ein langes und zeitraubendes Ausschlafen seines übertrieben schweren Rausches war auch ein einkalkulierter Teil seines ach so genialen Planes. Nichts davon passierte zufällig, denn dieser Verbrecher wollte nichts dem Zufall überlassen. Sein Alibi war also perfekt.

 

 

Um 00:00 Uhr weckte ihn sein auf diese Uhrzeit gestellter Wecker auf und er verließ seine Erdgeschoßwohnung in diesem vergammelten Altbau, um zu dem inzwischen geschlossenen Lokal zurückzugehen. Es war ein schönes altmodisches Lokal und dem Professor tat es fast leid, dass er und seine Freunde sich dort so daneben benommen hatten. Aber das spielte jetzt keine Rolle mehr. Er stieg in sein dort geparktes Auto und fuhr zur nächsten Tankstelle. Dort kaufte er einen 1. Liter Kanister Benzin. Nachdem er bar bezahlt hatte, stellte er ihn in seinen Kofferraum gleich neben seine vielen Mordwerkzeuge und fuhr in die dunkle Nacht hinein. Schließlich erreichte er sein Ziel, bei dem es sich um ein verlassenes Industriegebiet handelte. Er holte den falschen Bart und seine beiden Handschuhe aus seinem Handschuhfach und ging anschließend zum Kofferraum seines Autos. Dort hievte er die mit der Schere, dem Klebeband, dem Chloroform und dem Taschentuch gefüllte Kühlbox heraus und stellte sie vorsichtig auf dem gepflasterten Boden. Er öffnete die Box und tat den falschen grauen Bart und die beiden Handschuhe in sie hinein. Dann sah er nach seiner kleinen Chloroformflasche. Man würde sie möglicherweise im Chemieunterricht vermissen, weshalb er sie abwischte und anschließend in seine rechte Jackentasche steckte. Er würde sie beizeiten in den Chemieraum zurückstellen. Ihm war klar, dass niemand das fehlen der Flasche bemerkt hatte, weshalb auch bestimmt keiner ihre plötzliche Rückkehr bemerken würde. Nun holte er den schwarzen Benzinkanister aus seinem Auto und schüttete das ganze Zeug in seine Kühlbox. Er wollte seine Spuren so gut wie möglich verwischen, aber den Kanister würde er sicherheitshalber wieder mitnehmen. Man könnte ihn dadurch möglicherweise zurückverfolgen und das wollte er auf jeden Fall vermeiden. Als nächstes ging er zwei Schritte zurück und zündete ein Streichholz an, das er in seine schwere Kühlbox warf. Der ganze Segen ging blitzschnell in Flammen auf. „Ja! Ja! Brenne! Brenne! Geh für immer in Flammen auf! Fahr zusammen mit Anton Bar zur Hölle! Zur Hölle!!!!“, schrie der verrückte Professor das lodernde Feuer an.

Das er vollkommen irre war, dürfte mittlerweile jeder Leser begriffen haben. Und durch diesen Mord und dieses merkwürdige Vernichten der Beweise begann sein Wahn ungeahnte Dimensionen anzunehmen. Niemand sah oder hörte ihn auf diesem verlassenen Industriegebiet, aber wenn ihn doch jemand gesehen hätte..., na ja wer weiß was diese Person dann gedacht hätte. Nachdem er alles getan hatte, was er tun wollte, stieg er mit einem Grinsen im Gesicht schnell in sein Auto und fuhr weg. Ab und an sah er in seinen Rückspiegel und bewunderte die zwei Meter hohe Feuersäule von der er sich langsam aber sicher entfernte. „Ich habe es geschafft!“, schrie er laut.

„Ich habe es wirklich geschafft! Ich komme mit diesem Verbrechen tatsächlich davon! Und ich werde auch mit jedem anderen Verbrechen davonkommen, das ich jemals begehen werde! Die Bullen werden mich niemals erwischen! Nie und nimmer! Nicht in 1.000 Jahren! Diese Pflaumen erwischen mich nie! Ich bin cool und die sind schwul! Ich bin Gott und die sind Schrott!!!!“

Der Asbach Uralte und völlig durchgeknallte Professor war sich seinem lauten Gebrüll nach zu urteilen 100prozentig sicher, das ihn kein Mensch bei seinem seltsamen Treiben beobachtet hatte. Damit lag er übrigens auch vollkommen richtig, denn keine einzige Menschenseele hatte ihn bei seinem extrem gestörten Treiben beobachtet. Doch die Person, für die er sich laut seiner letzten Aussage offenbar hielt, hatte bestimmt nichts von alledem verpaßt. Doch Gott ist nur ein stiller Beobachter, der wahrscheinlich will das die Menschen ihre Probleme selbst lösen. Und Professor Thomas Liefers ist inzwischen zu einem Problem geworden.

 

 

Am darauffolgenden Tag (oder besser gesagt ein paar Stunden später am selben Tag) genoß der Professor seinen Unterricht in der Klasse 10/C, denn schließlich war er nebenbei noch der Klassenlehrer besagter Klasse. Niemand bemerkte etwas von seiner guten Laune. Aber alle wunderten sich über die Abwesenheit ihres Mitschülers und ständigen Pünktlichkommers Anton, aber kaum jemanden schien das wirklich irgendwie zu interessieren. Aber zur Sicherheit fragte Liefers seine Schüler:„Weiß einer von euch vielleicht, wo Anton ist?“

„Nein. Ich habe ihn gestern das letzte Mal im Park gesehen. Da wollte er noch irgendwo hin, glaube ich. Aber ich hab keine Ahnung wohin.“, antwortete Anton‘s bester Freund, ein gleichaltriger Schüler namens Frank von Regensburg.

Dasselbe erzählte er auch der Polizei, als diese später in der Schule auftauchte, weil Anton nicht nach Hause gekommen war. Zu diesem Zeitpunkt wußte niemand dass er längst nicht mehr auf dieser Welt weilte.

 

 

Als sich später ein paar völlig fertige Schüler nach dem anstrengenden Sportunterricht unter den Duschen erfrischen wollten, fanden sie seine erstarrte, erhängte Leiche. Alle waren schockiert und es gab Panik. Selbst die Beamten von der Mordkommission, die ähnliche Tatorte schon des öfteren gesehen hatten, waren entsetzt über einen so brutalen Mord. Einen Schüler zu fesseln und ihn anschließend aufzuhängen. Das war ziemlich krank. Natürlich nicht so krank, wie wenn ein Mörder jemanden zerstückelt und seine Einzelteile in allen Mülltonnen der Stadt verteilt, aber trotzdem. Die Schüler, die Anton gefunden hatten, hatten ihn natürlich erst im Duschraum bemerkt als der Sportunterricht vorbei war (da sie, wie der Professor es erwartet hatte, vorher die Duschen nicht betreten hatten). Sie würden wahrscheinlich in Therapien geschickt. Natürlich wurde die Sporthalle sofort geschlossen. Von Anfang an war vollkommen klar, dass es sich um einen ziemlich brutalen Mord handelte. Als Todeszeit wurde von einem gut ausgebildeten Gerichtsmediziner Mittwoch 17:00 Uhr festgelegt (und wie wir ja wissen stimmt diese Zeit auch) und Selbstmord konnte selbstverständlich ausgeschlossen werden. Professor Thomas Liefers wurde in diesem Mordfall nicht einmal verdächtigt, da er schließlich ein hieb- und stichfestes Alibi vorweisen konnte. Man hatte ihn zwar genauso wie alle anderen befragt, aber da er wie gesagt ein wasserdichtes Alibi vorweisen konnte, war diese kleine Formalität ziemlich schnell erledigt und er wurde schon nach kürzester Zeit von der Liste der potentiellen Täter gestrichen. Möglicherweise würde er mit seiner hinterhältigen und sadistischen Tat tatsächlich durchkommen und niemals seine gerechte Strafe erhalten.