Kapitel 3: Der Tod der verschworenen Gemeinschaft

 

 

Nachdem Melissa ihnen ihren Entschluß mitgeteilt und die Wohnung verlassen hatte, waren die vier Verschwörer überglücklich. Sie würden mit ihrer Tat davonkommen und Frank könnte (wenn er wollte) in aller Ruhe auf Anton’s Beerdigung am Freitag sagen:„Ich habe seinen letzten Wunsch erfüllt. Und zwar genauso wie er es von mir auf dem Tonband verlangt hatte. Er kann mit Recht stolz auf mich und meine Tat sein. Und er kann auf meine Helfer Jan, Tony und Franz genauso stolz sein.“

Zwar würde niemand von den anderen Trauergästen verstehen was damit eigentlich gemeint war, aber so etwas ist den Gästen einer Beerdigung mit Sicherheit sowieso egal. Anton’s andere Freunde und seine große Familie würden das bestimmt nicht verstehen, wenn er es sagen würde. Falls Frank tatsächlich so dumm sein würden so etwas merkwürdiges auf einer Beerdigung zu sagen. Aber als Melissa Klein, wenige Minuten nachdem sie ihr Versprechen abgegeben hatte, die Wohnung verlassen hatte, feierten die vier Verschwörer ausgiebig bei lauter Musik. Ihre letzte Sorge hatte sich einfach so in Wohlgefallen aufgelöst und sie dachten, dass man sie niemals erwischen würde. Sie wiegten sich in trügerischer und vielleicht sogar tödlicher Sicherheit und hörten gar nicht, wie der Nachrichtensprecher im Radio nebenbei über die Ermordung eines jungen Mannes namens John Kartei sprach. Dieser Mann wurde in einer kleinen Gasse neben einer Bushaltestelle eines selten fahrenden Nachtbusses gefunden. Nicht einmal der gute Frank von Regensburg bekam diese kurze aber dennoch beachtenswerte Nachricht aus dem Radio mit. Und das obwohl er ja eigentlich derjenige war der in erster Linie die Verantwortung dafür trug, daß besagte Nachricht überhaupt im Radio gesendet werden konnte und die Polizei jetzt über die mysteriöse Ermordung von einem berühmt berüchtigten Straßenräuber rätseln musste. Doch er hatte diese Nachricht einfach überhört, was ja gelegentlich mal vorkommen konnte. Aber die kurz gesendete Nachricht über den toten Räuber würde Frank von Regensburg sowieso nicht interessieren, selbst wenn er zugehört und dadurch gewußt hätte das man sein erstes Opfer nun auch noch gefunden hatte. Ein schlechtes Gewissen hätte er dadurch mit Sicherheit nicht bekommen, auch wenn jeder andere Mensch bestimmt eins wegen diesen beiden Verbrechen bekommen hätte (obwohl man den ersten Mord wahrscheinlich als Notwehr durchgehen lassen würde, wenn er jemals erwischt werden würde). Aber für ihn und seine drei Freunde war von nun an sowieso alles anders (sie waren ja nun auch anders als andere Menschen) und es sollte sich noch vieles mehr verändern. Und sie hatten diesen Veränderungen nichts entgegenzusetzen.

 

 

Die nächsten Tage vergingen ohne irgendwelche nennenswerte Zwischenfälle. Die Berliner Polizei befragte am Montag die Schüler von Professor Thomas Liefers und brachte dabei nichts neues ans Tageslicht. Melissa wiederholte noch einmal ihre Aussage nach der sie nichts gesehen hatte und bis spät in die Nacht spazieren gegangen war. Damit war fürs erste alles erledigt. Die Beamten wunderten sich natürlich darüber, dass in so kurzer Zeit zwei Personen aus demselben Umfeld auf brutalste Weise ermordet wurden. Aber sie hatten keine Indizien, die sie dem Täter möglicherweise näher gebracht hätten, weshalb sie einfach taten was sie in so einem Fall immer taten. Und was das ist, kann sich jeder Leser mit ein bißchen Phantasie ziemlich genau vorstellen. Zwar hielten die ermittelnden Beamten Melissa’s Aussage für unglaubwürdig (sie hatten wohl die Sache mit dem Licht zufällig herausgefunden und sich gewundert warum sie den Täter angeblich nicht erkannt hatte) und hielten sie außerdem noch für höchstverdächtig, aber da sie nichts in der Hand hatten und noch nichtmal wußten womit der Professor ermordet worden war, konnten sie nichts unternehmen. Bald würden sie mit der Untersuchung der Leiche fertig sein und sie beerdigen lassen. Die Kosten für diese Beerdigung würde Thomas Liefers jüngerer Bruder und einziger noch lebender Verwandter Jack Liefers übernehmen. Ihn hatte man übrigens auch befragt, obwohl er zur Tatzeit gar nicht in der Stadt gewesen war. Dann wurde auf den Wunsch des Bruders hin bekannt gegeben, dass die oben erwähnte Beerdigung am nächsten Montag, also in genau einer Woche, stattfinden würde. Zum Glück kannte die Polizei sich inzwischen so gut mit der Untersuchung von Toten aus, dass sie bereits in kürzester Zeit voraussagen konnte wann diese zur Bestattung freigegeben werden konnten. Für die Schüler der 10/C bedeutete das, dass es zwei Bestattungen knapp hintereinander gab. Und an den jeweiligen Tagen hatten die Schüler selbstverständlich schulfrei. Die Beerdigung von Thomas Liefers Opfer Anton Bar fand am Freitag statt. Und nach dem darauffolgenden Wochenende die des teuflischen Professors selbst.

 

 

Die restlichen Tage der Woche verliefen im großen und ganzen ziemlich friedlich, bis Anton Bar‘s Beerdigung stattfand. Tatsächlich kamen fast alle Menschen zu ihr, die auf die Robert Stacy Klein Realschule gingen. Sie vermißten ihn und die Trauer stand ihnen ins Gesicht geschrieben. Selbst der extrem starke Regen (der allerdings nicht allzu lange anhalten würde, da „bewölkt“ während der nächsten Monate das Standardwetter sein würde [die Sonne würde in der Bundesrepublik Deutschland und den anderen Ländern Mitteleuropas so gut wie nie zu sehen sein] und die Tage beinah wie halbdunkele Nächte sein würden) konnte die vielen trauernden Trauergäste nicht davon abhalten dabei zuzusehen, wie der braune Sarg langsam in das tiefe Erdreich eingelassen wurde. Jeder Trauergast warf eine rote Rose in das Grab, direkt auf den Sarg von Anton und manche gaben dem Toten  ein paar letzte Worte mit auf den Weg. Frank von Regensburg sagte leise zu seinem besten, jetzt leider Gottes eingesargten Schulfreund:„Keine Sorge. Dein Tod ist gerächt. Genauso wie du es gewollt hast.“

Niemand hatte gehört, wie er diese Worte gesprochen hatte. Jan, Tony und Franz waren nicht da, obwohl sie geholfen hatten ihn zu rächen. Doch sie waren nun einmal nicht eingeladen und das mussten sie wohl oder übel akzeptieren. Aber Melissa war da. Kein Wunder, denn schließlich war sie als Schülerin dieser Schule, auf die sie zusammen mit ihrem Freund Frank ging, eingeladen worden. Und die beiden würden selbstverständlich auch zur Bestattung des hinterhältigen Professors kommen, denn immerhin waren sie, als Mitglieder seiner Klasse, natürlich auch zu dieser kleinen Feierlichkeit eingeladen. Und sie würden auf jeden Fall zu dieser Bestattung kommen. Aber nicht um diesem gemeingefährlichen Mörder die sogenannte letzte Ehre zu erweisen, sondern nur um hundertprozentig sicher zu gehen das er auch wirklich tot war (das ist natürlich nur so eine leicht veränderte Redensart, die sich in diesem Fall aber ziemlich gut anwenden läßt). Aber auf jeden Fall war das schlicht und einfach der einzige Grund wegen dem die beiden zur Trauerfeier kamen; schließlich war es immerhin Frank gewesen, der ihn erst vor kurzem ermordet hatte und es gab für sie alle keinen einzigen triftigen Grund den toten Professor zu vermissen.     

 

 

Nachdem das Wochenende vorüber war, ging die gesamte Klasse zur Beerdigung des Professors. Sie fand zum Glück früh morgens statt, sodass die Anwesenden danach noch fast einen ganzen freien Tag vor sich hatten. Abgesehen von den sechs Sargträgern und dem Bruder des Toten waren nur seine 20 Schüler anwesend. Jack Liefers beobachtete die Trauergäste. Er sah Melissa Klein und dachte:„Aha. Das ist also dieses jugendliche Mädchen das den Kerl gesehen hat, der meinen großen Bruder umgebracht hat. Sie hat meineswissens bei der Polizei ausgesagt, dass sie den Täter nur als schwarze Gestalt wahrgenommen hat. Ich habe diese Sache genau überprüft und sie hat auf jeden Fall gelogen. Das Licht im Treppenhaus, in dem sie den Täter gesehen hat, ist immer an. Sie muss sein Gesicht einfach gesehen haben. Sie muss ihn einfach erkannt haben. Oder sie hat diesen grauenvollen Mord selbst begangen. Aber das werde ich bald rausfinden, denn ich kenne bessere Methoden potentielle Verdächtige zum Reden zu bringen, als die Deutsche Polizei. Zwar sind diese Methoden hier zu Lande aus irgendeinem Grund illegal, aber das interessiert mich nicht. Das Gesetz zu brechen war für mich noch nie sonderlich schwierig gewesen. Und was die Kleine dort drüben betrifft..., na ja sie wird schon noch reden. Und diese traurige Beerdigung ist die beste Gelegenheit sie in mein eignes kleines, geheimes „Verhörzimmer“ zu bringen, dass zufällig in der Nähe der ehemaligen Wohnung meines großen Bruders liegt. Er und ich haben nur magere vier Blocks von einander entfernt gewohnt, uns aber trotzdem so gut wie nie gesehen. Na ja, vielleicht lag das daran, dass ich immer sooft im Ausland gewesen bin, um das eine oder andere hierher zu schmuggeln. Aber trotzdem war er mein älterer Bruder. Und ich finde, dass es meine Aufgabe ist seinen Tod zu rächen. Und mit der Befragung des Mädchens werde ich anfangen.“  

Jack Liefers spürte einen Anflug von Vorfreude. Er beobachtete Melissa und die anderen genau und sah, wie sie sich von ihrem Freund Frank von Regensburg umarmen ließ. „Vielleicht war er es. Wäre doch gut möglich, denn immerhin scheinen sich die beiden ziemlich gut zu kennen. Das wäre für sie bestimmt ein guter Grund, ihn nicht zu verraten und die Bullen anzulügen. Und soviel ist sicher: Sie hat die Bullen angelogen. Ich habe mich etwas umgehört und weiß das sie etwas weiß was die Polizei und ich nicht wissen. Aber ich will es wissen. Und ich muss es wissen, wenn ich den Mörder meines Bruders kennenlernen und besuchen will. Und sobald ich ihn kenne ist er so was von fällig, denn dann werde ich ihn ausradieren. Ich werde ihn vernichten, ihn abschlachten, ihn beseitigen, seinen Herzschlag stoppen... kurz gesagt: Ich werde ihn umlegen.“, dachte der jüngere Bruder des toten Professors.

„Schade, dass Jan, Tony und Franz nicht zur Beerdigung kommen konnten. Wirklich traurig, denn immerhin haben sie dir dabei geholfen diesen Mistkerl zu töten.“, flüsterte Melissa ihrem Freund zu.

„Sie konnten leider nicht kommen. Erstens waren sie nicht eingeladen und zweitens müssen sie alle heute irgendwelche wichtigen Tests schreiben, von denen ihre Gesamtnoten abhängen. Franz wäre gern gekommen, denn er hat schließlich sowieso keine Ahnung von Mathearbeiten. Er sagt immer:„Finde heraus was du nicht kannst und dann las es einfach bleiben.“ Das ist sein ach so weises Lebensmotto, nachdem er sich richtet seit ich ihn kenne.“, flüsterte Frank zurück.

Nachdem der Sarg ins Erdreich eingelassen worden war, verließen sämtliche Trauergäste die Beerdigung und manche von ihnen gingen irgendwo etwas essen. Jeder schüttelte dem trauernden Bruder die Hand und wünschte ihm herzliches Beileid. Der Bruder achtete genau auf Melissa. Er hatte Glück, denn sie verließ den Friedhof als Letzte. Er folgte ihr unauffällig und ließ sie keine Sekunde aus den Augen. Sie war fast die einzige Blondine die ein schwarzes Kleid trug, was dazu beitrug das sie nicht gerade die Unauffälligkeit in Person war und J. Liefers sie problemlos verfolgen konnte. Und außerdem lief sie ziemlich langsam, sodass der hinterlistige Bruder des ermordeten Mörders sich ganz leicht von hinten an sie heranschleichen konnte. Für den Fall des Falles hatte Jack Liefers immer einen Totschläger bei sich, mit dem man allerdings nur jemanden K.O. schlagen konnte. Melissa holte ihre Autoschlüssel aus ihrer Rocktasche und wollte gerade in den Wagen steigen, als Professor Liefers jüngerer Bruder sie von hinten mit dem Totschläger niederschlug. Nicht ein einziger Passant hatte diese Szene bemerkt. Er setzte sie neben sich in ihren Wagen und sich selbst ans Steuer. Mit ihrem Schlüssel startete er den roten Wagen und fuhr los zu seinem Wohnhaus. Er freute sich schon auf seinen Keller. Während der Fahrt fragte er sich allerdings nebenbei, wie ein höchstens 16 Jahre altes Mädchen schon einen Führerschein und ein so teures Auto haben konnte. Er kramte an einer roten Ampel in den Taschen ihrer Trauerkluft und fand ihre gefälschten Papiere. Laut denen war sie bereits 19 Jahre alt. „Eindeutig Fälschungen. Hierzulande bekommt man seinen Führerschein und die dazugehörigen Fahrzeugpapiere erst mit 18. Und sie ist bestimmt erst 16 Jahre alt, weshalb sie sich dieses Ding wahrscheinlich auch hat fälschen lassen. Aber daß muss man ihr lassen; es sind wirklich ziemlich gute Fälschungen. Mit Sicherheit kennt sie da jemanden, der so etwas gelegentlich für sie erledigt. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Profi. In diesen Papieren heißt sie auch nicht Melissa Klein, sondern Katharina Knecht. Wirklich sehr clever. Aber das wird ihr bei mir überhaupt nichts nützen. Ich kriege die Wahrheit früher oder später schon aus ihr heraus. Dafür gibt es schließlich ganz spezielle Methoden, derer ich mich bedienen kann. Die wollte ich schon immer mal anwenden.“, dachte der hinterhältige Bruder des ermordeten Professors.

 

 

Fast eine halbe Stunde später waren sie schließlich bei seinem Haus angekommen. Er sah sich um, ob ihn niemand beobachtete und trug sie anschließend hinein. Als die beiden im Keller angekommen waren, schloß er die alte verrostete Metalltür auf, die seinen Kellerraum sicherer machen sollte. Er schaltete das Licht an und dann konnte jeder sehen, dass er genauso irre war, wie sein erst vor kurzem ermordeter Bruder. In der Mitte dieses kleinen Raumes stand etwas das aussah wie ein elektrischer Stuhl. Nur ohne Elektrizität. An den Wänden hingen jede Menge mittelalterliche Folterwerkzeuge und etwa zwei Meter hinter dem Stuhl stand ein veralteter Schrank mit vielen kleinen Flaschen in seinem Inneren, von denen manche mit Totenköpfen gekennzeichnet waren. Jack setzte Melissa auf den Stuhl und schnallte sie mit den dort angebrachten Ledergurten fest. Sie konnte jetzt weder ihre Arme, ihre Beine, oder ihren Kopf bewegen. Dann schloß Jack die Metalltür und Melissa wachte langsam auf. „Gefällt dir diese Folterkammer? Ich hab sie selbst eingerichtet. Den Stuhl habe ich schon seit 20 Jahren. Der Rest ist dann im laufe der Zeit irgendwie dazugekommen. Ich gebe dir mein Wort darauf, dass einer von uns heute so richtig viel Spaß haben wird.“

„Was wollen sie von mir?!“, schrie Melissa so laut sie konnte, in der Hoffnung das sie vielleicht irgend jemand hörte.

„Schreien nützt hier gar nichts. Der Raum ist isoliert. Hier hört dich niemand.“

„Wieso tun sie das?!“

„Weil ich weiß, dass du etwas weißt. Ich weiß, dass du weißt wer meinen Bruder ermordet hat. Und freiwillig wirst du es mir mit Sicherheit nicht sagen. Also werde ich dich mit Hilfe des Inhalts dieses Raumes dazu bringen zu singen wie ein Vogel. Und ich weiß, du hast eine wunderschöne Stimme.“, sagte J. L. zu seinem Entführungsopfer.

„Phantastisch. Das wird daß allererste mal sein, dass diese kleine

Folterkammer in Betrieb gesetzt wird. Das wird sozusagen die große Premiere. Ohne Melissa wäre das hier nicht möglich gewesen. Ich sollte ihr vielleicht sogar dankbar sein.“, dachte der verrückte Entführer, während er Melissa Klein hinterhältig und verschlagen anstarrte.

Auch sie starrte ihren teuflischen Gegenspieler eine ziemlich lange Zeit an. Das ganze artete zu einem regelrechter Anstarrwettbewerb aus, den Melissa mit etwas Glück schließlich gewann, weil ihr Entführer aus Versehen mehrmals blinzelte. „Als ob du selten dämlicher Volltrottel mich einfach so zum Reden bringen könntest. Da musst du kleine miese Ratte dir schon etwas besseres einfallen lassen, als ein paar billige Folterinstrumente aus dem finsteren Mittelalter aufzufahren, die bereits seit etlichen Jahrzehnten durchgerostet sind und bestimmt sofort zu Staub zerfallen, sobald sie von irgendwem kurz in die Hand genommen werden. Damit jagst du mir bestimmt keine Angst ein.", dachte sie, um sich etwas Mut zu machen.

In der Ecke stand eine für Melissa gut sichtbare Axt, die Jack in seine Hand nahm und mit der er langsam auf sie zu ging. Und diese nagelneue Axt zerfiel leider nicht wie erwartet zu Staub. „Damit könnte ich dich bestimmt ziemlich gut bearbeiten. Wie wär‘s, wenn ich dich damit bearbeite?“, sagte er und ging mit der Axt langsam auf sie zu (auch eine gewöhnliche Axt kann man als Folterwerkzeug benutzen, sowie fast alle anderen Alltagsgegenstände).

„Ach nein, daß mache ich besser nicht. Mir würde das zwar ziemlichen  Spaß machen, aber hinterher müsste ich die ganze Sauerei dann auch wieder wegwischen. Und darauf habe ich wirklich keine Lust.“, entschied sich der Entführer spontan, weshalb er die Axt auch wieder wegstellte.

Er ging zu dem kleinen Schrank und nahm eine der Flaschen und eine in Plastik eingeschweißte Spritze heraus. „Das ist Wahrheitsserum.“, dachte er laut und nachdem er die Spritze vom Plastik befreit hatte, steckte er ihre Nadel in die sogleich geöffnete Flasche und füllte sie mit dem Serum.

„Es muss 100prozentig richtig dosiert sein, ansonsten wirst du nach der Verabreichung sterben. Und dann kannst du mir leider nicht mehr erzählen, was ich wissen will.“, erklärte J. L. dem wehrlosen Mädchen.

Er hielt die Spritze in der Hand und ging langsam und zielstrebig auf sie zu. Anschließend setzte er ihr dieselbe an die Vene des linken Armes und bohrte die lange Nadel in sie hinein. Das veraltete Serum begann langsam aber sicher zu wirken. Als Melissa nach zwei Minuten noch lebte, sagte Jack Liefers erleichtert:„Du hast ziemliches Glück, denn ich habe anscheinend die richtige Dosis erwischt.“

Melissa sah ihn mit offenen Augen und gebrochenem Willen an. „Also gut. Stellen wir zur Sicherheit mal eine kleine Testfrage: Bist du schon 19 Jahre alt?“, fragte er seine Gefangene, während ihr Führerschein, ihre Fahrzeugpapiere und der dazugehörige Schlüssel vor ihren weitgeöffneten Augen in seine tiefe Manteltasche wanderten.

„Nein, ich bin erst 16 Jahre alt.“, antwortete Melissa Klein widerwillig aber dennoch wahrheitsgemäß.

Sie versuchte verzweifelt zu lügen, doch obwohl sie es mehr als alles andere auf der Welt tun wollte, konnte sie einfach nicht. Das Serum hatte die Kontrolle übernommen und nur wenn sie eine wirklich gut durchtrainierte Agentin irgendeines wichtigen Geheimdienstes gewesen wäre, hätte sie dieser Macht mit Hilfe ihrer eisernen Willenskraft widerstehen können. Doch da sie das nicht war, musste sie abwarten bis das Serum aufhörte zu wirken. Ihr blieb keine andere Wahl. „Wer hat meinen älteren Bruder ermordet?“, fragte Jack das an den Stuhl festgeschnallte Mädchen als nächstes (wäre sie nicht festgeschnallt gewesen, hätte sie sich gegen ihren Entführer übrigens auch nicht zur Wehr setzen können, wie manche Leser es jetzt gerade vielleicht vermuten. Das veraltete Wahrheitsserum machte sie mehr oder weniger kampfunfähig und es würde schon etwas dauern, bis ihre Willens- und Kampfkraft zurückkehren würde).

„Das waren Frank von Regensburg, Jan Romes, Tony Coaster und Franz Fenster.“, antwortete sie wieder wahrheitsgemäß, obwohl sie es ihrem Entführer ja eigentlich nicht sagen wollte (doch das gespritzte Wahrheitsserum sorgte natürlich dafür, daß die Antworten gegen ihren Willen nur so aus ihr heraussprudelten).

„Hast du dabei in irgendeiner Weise geholfen?“, fragte er weiter.

„Nein. Ich habe es nur durch Zufall rausgefunden und geheimgehalten.“, war ihre kurze und bündige Antwort.

„Danke für die Auskunft. Du hast mir wirklich sehr geholfen.“, sagte Jack gelassen zu seiner Gefangenen und steckte seine gebrauchte Spritze und die Flasche mit dem Serum schnell in seine Jackentasche.

Anschließend nahm der teuflische Bruder des vor kurzem ermordeten Physikprofessors zur Sicherheit noch ein langes Messer von der Wand seines Folterkellers mit, verließ den Raum, schloß ab und ließ Melissa einfach festgeschnallt auf dem Stuhl sitzen. In ungefähr 60 Minuten würde das veraltete Wahrheitsserum langsam aufhören zu wirken und sie wäre dann vielleicht auch irgendwann wieder Herrin ihrer Sinne und würde nicht mehr alle Fragen wahrheitsgemäß beantworten müssen. Aber in diesem geheimen Folterkeller gab es zur Zeit sowieso niemanden, der ihr irgendwelche lästigen Fragen stellen konnte. Und der einzige Mensch der wußte wo sich die entführte und an einen Stuhl festgeschnallte Melissa befand war ihr verrückter Entführer. Und der musste sie mit Sicherheit nichts mehr fragen, da er ja bereits wußte was er seiner Meinung nach wissen musste.

 

 

Jack Liefers ging in seine Wohnung im zweiten Stock und begann damit die Liste der Schüler durchzusehen, die in der Klasse waren, die sein Bruder vor seinem Tod unterrichtet hatte. Nach dieser Liste hatte er auch die Einladungen zur Trauerfeier verschickt. Die Lehrer von der Robert S. Klein Realschule waren so nett gewesen ihm diese Liste zu geben, damit er die Schüler zur Feier einladen konnte. Rückblickend betrachtet war das wohl ein schwerwiegender Fehler seitens der Lehrer gewesen, doch er ließ sich nun leider Gottes nicht mehr rückgängig machen. Der Bruder des Professors fand auf der Liste die Adresse und Telefonnummer von Frank von Regensburg. Aber über Jan Romes, Tony Coaster und Franz Fenster stand dort nichts. Damit hatte Jack gerechnet, da er die Liste flüchtig kannte und auch beim letzten Mal diese drei Namen nicht darauf standen. „Macht nichts. Ich werde die Anschriften der anderen drei Mittäter schon aus diesem Frank von Regensburg herauskriegen. Der wird schon reden, wenn es soweit ist; schließlich ist noch genug vom Wahrheitsserum übrig. Es wird bestimmt lustig werden diesen Typen mit Hilfe des Serums zu befragen und so die Adressen der anderen Verschwörer rauszufinden. Und dann werde ich ihn selbstverständlich töten, bevor ich seine drei durchtriebenen Freunde auf dieselbe Weise in die Hölle befördere, wo diese selten dämlichen Schwachköpfe mit Sicherheit keinen Schaden mehr anrichten können. Ich weiß zwar nicht warum diese vier Idioten meinen großen Bruder umgebracht haben und warum Melissa sie nicht verpfiffen hat, aber das ist auch nicht wichtig. Wichtig ist nur das ich mich dafür an ihnen bald furchtbar rächen werde.“, dachte der gemeingefährliche Verbrecher ruhig und gelassen, während er die eigens für die vorhin stattgefundene Trauerfeier/Beerdigung aufgestellte Gästeliste zerknüllte und wegschmiß.

Nachdem der verschlagene Bruder des ermordeten Professors sein Haus verlassen hatte, fuhr er ohne Umschweife zur Wohnung seines ersten Opfers. Und diese besondere Ehre gebührte, wie ihr ja inzwischen alle wißt, dem guten alten Frank von Regensburg.

 

 

Die Fahrt zur Wohnung von Frank und seinen Eltern dauerte nicht sonderlich lange. Schon gar nicht mit Melissas Auto. Die Eingangstür war sperrangelweit offen, sodass Jack einfach reingehen konnte. Er suchte die Stockwerke nacheinander ab, bis er endlich auf einem Schild den Namen „von Regensburg“ las. Er klingelte und stellte sich so neben die Tür, dass man ihn durch den Türspion nicht sehen konnte. Frank öffnete die Tür, ohne überhaupt durch seinen Türspion zu gucken und dachte dabei leicht genervt:„Das ist bestimmt wieder einer von unseren nervigen Nachbarn, der meine Eltern nach ihrer langen und anstrengenden Reise willkommen heißen will. Und ich muss sie natürlich wieder empfangen und mit ihnen reden, obwohl ich gerade von einer Beerdigung zurückkomme. Zwar hat sie mich nicht sonderlich mitgenommen, aber nervig finde ich’s trotzdem. Ob die Nachbarn das respektieren würden, wenn sie zufällig davon wüßten. Na egal. Ich mache einfach die Tür auf und bringe das ganze schnell hinter mich, damit ich anschließend wieder in Ruhe Fernsehen gucken kann.“

Als Frank aufmachte wunderte er sich kurz das niemand da war und wurde anschließend blitzschnell von Jack Liefers gepackt und mit dem Totschläger bewußtlos geschlagen. „Frank! Wer ist an der Tür? Ein Freund von dir? Bitte ihn doch herein! Er ist doch gekommen um dich zu besuchen, oder? Oder ist das gar kein Freund von dir? Ist der Besuch für mich?“, hörte J. L. eine Stimme aus der Wohnung rufen.

Es war eine weibliche Stimme. Die Stimme von Frank’s Mutter. Der Entführer nahm sein Opfer huckepack und rannte mit dem etwa 60 Kilo schweren Jungen die Treppe hinunter, aus dem Haus hinaus und setzte den bewußtlosen Jungen neben sich auf den Beifahrersitz. Er fuhr mit ihm ins Industriegebiet. Es war zufällig dasselbe Industriegebiet, in dem sein Bruder die Beweismittel für den Mord an Anton Bar vernichtet hatte. Aber das war tatsächlich nur ein unbedeutender Zufall. Der Entführer fuhr hinter eine alte verfallene Lagerhalle und wartete bis der gute Frank von Regensburg aufwachte. Als es etwa zehn Minuten später soweit war, konnte Frank nur noch mit geschwächtem Tonfall fragen:„W-... wo bin ich...? Was ist m-... mit mir passiert...?“

Die zur Faust geballte Hand von Jack Liefers brach eine Sekunde später die Nase von Frank von Regensburg, während seine andere Hand dem Entführungsopfer mit dem im Internet gekauften Adelstitel das Serum verabreichte. „Hast du meinen Bruder ermordet?“, fragte er ihn, nachdem sein Wille und sein Kampfgeist nach der dafür üblichen Zeit wie bei Melissa vollständig gebrochen waren.

„Ja.“, war die Antwort, die der Mörder dem Entführer gab.

Jack Liefers war versucht den Entführten zu schlagen, doch er musste vorher noch die Adressen der anderen drei Verschwörer herauskriegen. „Wie lauten die Anschriften von deinen drei dummen Freunden und Mittverschwörern gegen meinen großen Bruder? Wo wohnen Jan Romes, Tony Coaster und Franz Fenster?“, fragte der kleine Bruder des toten Professors wütend.

Frank nannte ihm widerwillig die Adressen und sogar die Stockwerke, in denen seine Freunde wohnten. J. L. schrieb sie sich auf und warf Frank mit voller Wucht aus dem Wagen. Derart heftige Schläge weckten mit Wahrheitsserum abgefüllte Leute nur in äußerst seltenen Fällen auf (meistens versetzen derartige Schläge die betroffenen Personen nur noch tiefer ins Delirium und führten manchmal sogar zu schlimmen geistigen Schädigungen. Zumindest bei der veralteten Version des Serums). Und Frank war rein zufällig einer dieser höchst seltenen Fälle. Er wachte auf, bemerkte wie Jack Liefers mit seinem Messer auf ihn losging und reagierte entsprechend, indem er schnell auswich und keine Sekunde später mit der Faust zuschlug. Er traf den Kopf seines Entführers und dieser wich mit schmerzverzerrtem Gesicht zurück. Frank stieg aus dem Wagen aus und wollte sicherheitshalber so schnell wie möglich wegrennen. Aber sein Entführer erholte sich ziemlich schnell und ging erneut mit dem Messer auf ihn los. Dem Entführten gelang es mehreren fast unvorhersehbaren Stichen auszuweichen und dem Bruder seines Opfers einen gezielten Tritt in den Magen zu verabreichen. Dieser krümmte sich vor lauter Schmerzen, was Frank natürlich nutzte, indem er ihm einen Tritt direkt ins Gesicht verpasste. Der Entführer ging zu Boden und ließ das Messer aus versehen los. Aber Frank kannte keine Gnade. Er ging auf ihn los und schlug weiter (so brutal er konnte) auf seinen gemeingefährlichen Entführer ein. Doch dieser rappelte sich gerade im richtigen Moment wieder auf, packte sein langes und scharfes Messer und stach blitzschnell zu, ohne das sein Gegner ausweichen konnte. Er traf Frank’s Hals, bohrte sein scharfes Messer blitzschnell in denselben hinein und ließ es anschließend einfach darin stecken. Frank versuchte verzweifelt nach dem langen Messer zu greifen, doch er schaffte es einfach nicht. Er ging zu Boden und war bereits tot, als sein Blut beschloß in enormen Mengen aus seiner tiefen Stichwunde zu fließen. Sein brutaler Mörder zog ihm das Messer langsam aus dem durchbohrten Hals, wischte die blutverschmierte Klinge mit einem Tuch ab und steckte dieses anschließend zusammen mit seinem langen Messer in seine tiefe Manteltasche. Er würde diese handliche und gefährliche Waffe an dem heutigen Tag noch mindestens dreimal brauchen, wenn er seinen ziemlich grausamen Rachefeldzug bis zum bitteren Ende durchziehen wollte. Und der hinterlistige und gemeingefährliche Bruder des toten und begrabenen Professors wollte diesen blutigen und grausamen Rachefeldzug auf jeden Fall bis zum bitteren Ende durchziehen, denn das war er seiner Meinung nach seinem ermordeten Bruder einfach schuldig. Seiner Meinung nach war es schließlich die Aufgabe eines jüngeren Bruders den Tod des älteren so schnell wie möglich zu rächen (jedenfalls sofern ein anderer Mensch besagten Tod absichtlich verursacht hatte). Und das würde sich nur bewerkstelligen lassen, indem er die Mörder in die Hölle beförderte. Rache ist bekanntlich ein Gericht, dass am besten kalt serviert wird (das hatte sogar schon Anton Bar erkannt, als er sein Tonband aufgenommen hatte). Und der sadistische Jack Liefers würde seinen eiskalten und grausamen Rachefeldzug bis zum bitteren Ende durchziehen, denn er war fest dazu entschlossen. Und wenn er einmal vorhatte etwas ganz bestimmtes zu tun, dann tat er es auch. Dabei war ihm vollkommen egal, gegen wie viele Gesetze er mit seinem skrupellosen Tun verstieß.

 

 

Nun fuhr er zu Frank von Regensburg’s altem Freund Jan Romes. Als er dort nach einer ziemlich langen Fahrt angekommen war stellte er fest, dass es vielleicht nicht so einfach werden würde, wie bei seinem ersten Opfer, den er Mann gegen Mann erledigt hatte. Die Haustür war natürlich fest verschlossen. Und sie einfach so am mehr oder weniger hellichten Tage aufzubrechen, wäre für einen Amateur wie ihn viel zu schwierig gewesen. Außerdem hätte es jede Menge unnötiges Aufsehen erregt, weshalb er sich schnell einen Plan ausdachte. Nachdem er genug gedacht hatte, klingelte er bei der Familie Romes. Zufällig ging der einzige Sohn persönlich an die Sprechanlage. „Wer ist da?“, fragte er.

„Hier ist der Postbote.“, antwortete Jack nach einer kurzen Überlegung.

Jan Romes öffnete per Knopfdruck die Haustür und wunderte sich gleichzeitig darüber das der Postbote schon zum zweiten Mal an diesem Tag kam. Dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Wer immer das auch war, er war nur seinetwegen hier. Immerhin hatte dieser vermutlich falsche Postbote bei ihm geklingelt. So war er dann auch ins Haus gekommen und hatte gleichzeitig festgestellt, das derjenige zu dem er wollte, zu Hause war. Und seine Eltern waren nicht daheim, um ihn eventuell zu beschützen. Jan rannte in die Küche und nahm sich zu seinem Schutz das längste und schärfste Küchenmesser aus der Schublade, das er auf die Schnelle finden konnte. Er schlich auf die Wohnungstür zu. Anschließend stellte er sich hinter die Tür und wartete, dass der Kerl erneut bei ihm klingelte. Falls das passieren würde, würde Jan blitzschnell die Tür öffnen und ihn mit dem Messer angreifen, falls es nötig wäre. Ein paar Minuten später klingelte es tatsächlich bei ihm. Jan Romes blickte durch den kleinen und unscheinbaren Türspion, um zu sehen wer vor der Tür stand. Er sah niemanden. Jetzt wußte er mit Gewißheit, dass da draußen Gefahr lauerte. Er öffnete blitzschnell die Tür und hielt das Messer in Angriffsposition schützend vor sich, als er eine Sekunde später seinen übermächtigen Gegner erblickte. Dieser Gegner hatte den Arm seines Opfers schneller gepackt, als der gucken konnte und ihn ebenso schnell entwaffnet. Eine halbe Sekunde später war Jan’s Kehle aufgeschlitzt und er lag tot am Boden, während sich um ihn herum eine Blutlache zu bilden begann. Der teuflische Bruder des ermordeten Professors verließ kurze Zeit später das moderne Haus, nachdem er zuvor wie immer die Klinge seines Messers abgewischt hatte und fuhr mit dem Auto seiner Gefangenen zu seinem nächsten Opfer. Und dieses nächste Opfer sollte der gute alte Tony Coaster sein, der noch nichtmal etwas von seinem Glück (oder besser gesagt Unglück) wußte. Aber er würde es selbstverständlich bald erfahren. Und zwar spätestens dann, wenn der gemeingefährliche Killer ihn mit seinem Messer killte. Und das würde der mit Sicherheit sehr bald tun, denn er hatte es bereits getan und würde nicht zögern es wieder und wieder zu tun.

 

 

Das Haus in dem Tony Coaster wohnte war, im Gegensatz zu Jan’s noblen Wohnhaus, eine richtig billige Absteige, die wahrscheinlich seit etlichen Jahren nicht mehr renoviert worden war. Wenn man es irgendwann abreißen würde, würden es vermutlich nur die Ratten und die wenigen menschlichen Bewohner vermissen. Zuerst wollte Jack klingeln um reinzukommen, doch die Haustür war nur angelehnt. Außerdem war die Klingel sowieso kaputt. Liefers hatte Glück, denn die Eltern von Tony wollten in diesem Haus verständlicherweise so wenig Zeit wie möglich verbringen, weshalb sie auch am heutigen Tag weg waren. Nur Tony war in der heruntergekommenen Wohnung. Liefers klingelte und als er feststellte das die Klingel nicht funktionierte, klopfte er. Diesmal musste er sich nicht wegen eines Türspions verstecken, da es in diesem Haus keinen einzigen gab. Als nach fünf Minuten niemand die Wohnungstür geöffnet hatte, versuchte Jack es nochmal, obwohl er inzwischen glaubte, dass sein zukünftiges Opfer nicht da war. Als nachdem zweiten Mal noch immer niemand öffnete, versteckte sich Jack einen halben Stock höher und wartete. Das Warten machte ihn wahnsinnig, obwohl es grade einmal zehn kurze Minuten dauerte, bis der 16jährige Tony Coaster endlich im Treppenhaus auftauchte. Wie vermutet war er in Jan und Frank’s Alter. Tony war einkaufen gewesen, was der Mörder unschwer an den vielen Tüten erkennen konnte, die er mit sich herumtrug. Jack Liefers wartete, bis Tony die Tüten abgestellt und seine billige Wohnungstür aufgeschlossen hatte. Es wäre kein Profieinbrecher nötig gewesen, um eine solche Schrotttür aufzubrechen. Jedenfalls sah der Mörder noch zu, wie sein zukünftiges Opfer die Tüten hochhob und unter größten Anstrengungen in die Wohnung seiner Eltern trug. Ihm wurde sofort klar, dass dieser Augenblick der richtige war, um den Oberschüler zu töten. Jack stürmte blitzschnell die Treppe hinunter und sprang mit voller Wucht gegen die Tür, die Tony gerade versuchte mit seinem rechten Fuß zuzumachen. Coaster war so erschrocken und vorgestoßen worden, dass seine gesamten Einkäufe über den ganzen Flur verteilt waren und er zum Teil auf ihnen lag. Das ergab eine ziemliche Sauerei aus Tomaten, Eiern, Milch und einem Schüler, der so gut wie tot war. Jack hatte inzwischen sein Messer gezogen und war auf ihn gesprungen, sodass sein Gegner sich nicht mehr wehren konnte. Dieser versuchte so laut wie möglich zu schreien, doch die Messerstiche durchbohrten ihn so schnell, dass er nicht einmal mehr das tun konnte. Er hatte nicht die geringste Chance gehabt. Nachdem der verrückte Jack the Ripper etwa 20 mal auf sein wehrloses und verzweifeltes Opfer eingestochen hatte, verließ er ohne Umwege die Wohnung und wischte beim Verlassen des Hauses wie immer die Klinge seines blutbeschmierten Messers ab, sodass sie hinterher blitzblank war. „Und nun auf zu meinem nächsten Opfer. Auf zu diesem Jungen namens Franz Fenster. Wird Zeit das ich diesen hinterhältigen Mistkerl, den ich persönlich überhaupt nicht kenne, auch noch auf brutalste Weise ermorde. Hoffentlich wird das genauso leicht wie es bei diesem Vollidioten hier war. Das allerbeste ist, dass die Polizei nicht einmal in der Lage sein wird eine Verbindung zwischen mir und meinen Opfern herzustellen. Das heißt..., vielleicht können sie mit einem ordentlichen Schuß Glück doch eine Verbindung herstellen. Aber auch nur dann, wenn sie sich bei ihren Ermittlungen wirklich anstrengen und das passiert bekanntlich höchst selten. Also werde ich mit meinen vielen Morden bestimmt davonkommen. Aber wenn ich zufällig nicht davonkomme..., nun dann ist das auch egal. Die Hauptsache ist schließlich das ich am Ende grausame Rache genommen habe. Aber mich erwischt bestimmt keiner.“, dachte der gemeingefährliche Killer siegessicher, nachdem er erneut in das Auto von Melissa gestiegen und losgefahren war.

 

 

Es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis Jack Liefers die Wohnung seines nächsten Opfers gefunden hatte. Vielleicht lag das daran, weil er zwischendurch noch in einem Schnellimbiß zu Mittag gegessen hatte. Aber vielleicht lag es auch daran, dass der Gebäudekomplex in dem Franz wohnte sich ziemlich in die Länge zog. Allein im dritten Stock (das ist das Stockwerk in dem Franz Fenster wohnte) gab es 40 Wohnungen. Doch nach einer langen Suche hatte er die gesuchte Wohnung gefunden und geklingelt. Da es diesmal wieder einen Türspion gab, reagierte der Killer entsprechend und stellte sich so neben die Tür, dass sein Opfer ihn wie immer nicht sehen konnte. Franz Fenster öffnete unvorsichtig die Tür und wurde so schnell herausgezogen, dass er gar keine Zeit hatte zu reagieren und sich nichtmal wehren konnte, als das Messer seinen Magen durchbohrte. Er sackte zusammen und verblutete, während sein gemeingefährlicher Mörder so schnell wie möglich das Haus verließ. Aber es war ihm gar nicht möglich schnell zu sein, denn das Gebäude war so kompliziert gebaut das er sich immer wieder verlief und den Ausgang einfach nicht fand (auch wenn er ihn noch so verzweifelt suchte). Er geriet in Panik und rannte wie der Wind durch die verwirrenden Gänge. Er rannte so schnell das er nicht bemerkte, wie ihm sein zur Abwechslung unabgewischtes und somit blutverschmiertes Messer aus der tiefen Manteltasche fiel. Aber während er so durch die scheinbar endlos langen Gänge rannte, die aus irgendeinem Grund alle gleich aussahen, hatte bereits eine aufmerksame Nachbarin die Polizei gerufen. Dieses geschah selbstverständlich erst nachdem sie die Leiche von Franz Fenster zufällig im Flur gefunden hatte. Die Beamten waren bereits auf dem Weg zum Tatort und der Killer befand sich sogar noch im Haus. Aber schließlich gelang es Jack Liefers doch noch rechtzeitig einen kleinen Hinterausgang zu finden. Über der Tür zur Freiheit hing ein kleines, aber gut lesbares Schild, auf dem stand: Alarmgesicherte Tür nur im Notfall benutzen. Doch dieses Schild beachtete der Killer nicht, als er durch die gesicherte Hintertür hinausstürmte. Der Alarm ging auf der Stelle los, als Jack sich in einem Hinterhof befand und feststellte, dass er zuerst über mehrere ziemlich hohe Zäune klettern musste, wenn er der Polizei entkommen wollte. Er hatte keine andere Wahl und etliche Zäune später stand er vor der Hinterhoftür eines anderen Hauses, dass zum Glück nicht so unübersichtlich gebaut worden war, wie das seines letzten Opfers. Er blickte sich um und sah, dass ihn niemand verfolgte. Anschließend versuchte er die Hintertür zu öffnen, doch es ging nicht. Also schlug er die in die Tür eingesetzte Scheibe ein und drückte die innen angebrachte Klinke nach unten. Er rannte unbeobachtet hinein und nach wenigen Sekunden wieder zum Vordereingang hinaus. „Das Auto von Melissa ist ziemlich weit weg geparkt und außerdem lungern jetzt die Bullen dort rum. Ich hoffe nur, dass der Wagen ihnen nicht aufgefallen ist, denn schließlich muss ich mit dieser Karre noch zu mir nach Hause fahren. Moment mal... was ist eigentlich mit Melissa. Was mache ich jetzt eigentlich mit meiner kleinen Gefangenen?“, dachte der brutale Serienmörder kurz nach.

„Natürlich werde ich die gute auch noch umbringen, sowie ich die anderen umgebracht habe. Das ist ganz einfach, wenn man mal genau darüber nachdenkt. Ich muss allerdings zugeben, ich habe schon mit dem Gedanken gespielt sie zu verschonen, da sie ja erst hinterher von dem Mord erfahren hat und ja nicht aktiv daran beteiligt war. Aber das geht natürlich nicht, da sie zuviel weiß und mich bestimmt verraten würde. Also muss ich sie auch noch umbringen, was genaugenommen vollkommen logisch ist. Aber zuerst einmal muss ich ihr rotes Auto wiederfinden, sonst muss ich die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Und dann hinterlasse ich bestimmt irgendwelche verfolgbare Spuren.“

Also ging der verrückte Psychokiller den langen und beschwerlichen Weg zurück zum Auto seines nächsten Opfers und versuchte so wenig wie möglich aufzufallen. „He sie!“, sprach ihn plötzlich ein Passant an.

Jack Liefers lief der Schauer eiskalt den Rücken runter. Er riß sich zusammen, drehte sich um und fragte:„Ja? Was ist?“

„Wissen sie wie spät es ist?“, fragte der Passant, woraufhin der Killer seinen Arm ausstreckte und mit seinem Zeigefinger auf eine große Kirchturmuhr und die dazugehörige Kirche zeigte.

„Da vorne hängt eine Uhr. Sie können ruhig darauf gucken, denn sie geht bestimmt richtig.“, sagte er zu dem unbekannten Passanten, der sich daraufhin höflich bedankte und wieder seiner Wege ging.

Das war gerade nochmal gutgegangen. Thomas Liefers jüngerer Bruder hatte für einen kurzen Moment wirklich gedacht, er wäre endgültig erledigt gewesen. Doch das Glück war noch immer auf seiner Seite. Aber wie wir alle wissen ist Fortuna eine ziemlich launische Person (sofern einem gerade danach ist das Glück als eine bestimmte Person anzusehen), die gerne mal ohne triftigen Grund mir nichts dir nichts ihre kurz zuvor getroffene Meinung ändert.

 

 

Für den langen Weg zu Melissas Wagen brauchte er eine halbe Ewigkeit. Doch die Zeit verging für ihn wie im Flug und als er schließlich das Auto erreicht hatte, stieg er einfach ein und fuhr los. Keiner der vielen Beamten, die dabei halfen die Leiche wegzuschaffen, beachtete ihn. Während der Fahrt zu seinem geheimen Folterkeller wollte er noch schnell sein Messer abwischen, als er bemerkte daß es fehlte. Und ihm fiel auch auf das er gar keine Handschuhe anhatte. Was war er doch für ein Vollidiot gewesen. Überall an allen Tatorten und auch an der vorhin verlorengegangen Tatwaffe, an der das Blut seines letzten Opfers klebte, waren seine bei der Polizei bereits seit langem wegen verschiedener Verbrechen registrierten Fingerabdrücke. Er war so gut wie erledigt, denn offenbar hatte ihn das Glück verlassen und würde nicht so schnell wiederkommen um seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Alles was er in dieser Situation tun konnte, war sich selbst zu verfluchen und so schnell wie möglich dieses wunderbare Land zu verlassen. Und das musste er tun, bevor es der Kriminalpolizei mit ihren technischen Hilfsmitteln gelang seine Fingerabdrücke auszuwerten, die bei ihr wie gesagt wegen vielen verschiedenen Delikten registriert waren. Aber vorher musste er unbedingt noch seine Gefangene umbringen (Man kann übrigens mit Fug und Recht davon ausgehen, dass extreme Geisteskrankheit bei der Familie Liefers schon seit Urzeiten in der Familie liegt; denn extreme Geisteskrankheit ist die einzig sinnvolle Erklärung für das begehen so vieler schwerwiegender Fehler, bei so vielen verschiedenen Morden, die in so kurzer Zeit begangen worden waren). Jack Liefers jedenfalls war so wütend über seine dummen und folgenreichen Fehler, dass er mit Höchstgeschwindigkeit durch die große Landeshauptstadt fuhr, aber wie durch ein Wunder nicht von den Patrouillen der Berliner Verkehrspolizei erwischt wurde. Er würde sich noch mehr beeilen müssen, da es langsam aber sicher dunkel wurde und er es haßte bei Nacht mit dem Auto zu fahren. Aber da er vor den Behörden flüchten wollte, musste es wohl oder übel sein. Denn schließlich hatte der gemeingefährliche Serienkiller verständlicherweise keine allzu große Lust den Rest seines Lebens in irgendeinem schäbigen Gefängnis zu verbringen. Auch wenn er es nach all den grausamen Morden, die er bisher an einem einzigen Tag ohne zu zögern begangen hatte, wirklich verdiente für immer und ewig eingesperrt zu werden. Doch ob er seine gerechte Strafe erhalten würde war fragwürdig. Denn jemand der so eiskalt war wie dieser Mann, der würde selbstverständlich nicht zögern alles zu tun um nicht erwischt zu werden.

 

 

Währenddessen war es der gefangenen Melissa Klein gelungen sich endlich aus dem uralten Folterstuhl zu befreien. Es war ziemlich leicht gewesen sich aus den Fängen des Stuhls zu befreien, denn schließlich waren die uralten Fesseln schon über 20 Jahre alt und niemals erneuert worden. Das Schloß der alten, halb verrosteten  Kellertür zu knacken war für sie dagegen schwieriger gewesen und ihr nur deshalb gelungen weil sie die veralteten Folterwerkzeuge, die zu hunderten an den Wänden hingen, zur Hilfe genommen hatte. Sie wußte was sie unter dem Einfluß des gespritzten Wahrheitsserums unfreiwillig preisgegeben hatte. Und ihr war auch 100prozentig klar das ihr Freund Frank von Regensburg und seine drei Freunde Jan, Tony und Franz bereits tot waren. Die entführte Mitwisserin wußte genau das Frank und seine Leute gegen so einen Wahnsinnigen Schlächter mit Sicherheit keine Chance hatten. Geplagt von übermäßigen Schuldgefühlen und heftigen im voraus aufgestauten Rachegelüsten (die durch die seltsamen Nebenwirkungen [die übrigens erst auftraten nachdem das Serum seine Hauptwirkung verloren hatte und Melissa keine Fragen mehr beantworten musste] des veralteten Serums [für das es meineswissens auch ein schnell wirkendes Gegenmittel gab, das J. L. allerdings nicht besaß] noch irgendwie verstärkt wurden) hatte Melissa Klein die blitzblanke Axt genommen, mit der ihr hinterhältiger Entführer wenige Stunden zuvor versucht hatte sie einzuschüchtern und sich unauffällig hinter die weit nach innen geöffnete Kellertür des Folterkellers gestellt. Sie lauerte ihrem Entführer auf, denn ihr war klar das er bald wiederkommen würde um sie auch noch zu töten. Und sie würde solange warten, bis ihr teuflischer Entführer wiederkommen würde. Und dann würde sie ihn mit seiner eignen Axt erledigen und sich anschließend so schnell wie möglich aus dem Staub machen (denn schließlich konnte sie nicht einfach so mir nichts dir nichts zulassen das der Mörder ihres Freundes und der besten Freunde ihres Freundes mit seinen teuflischen Taten einfach so ungestraft davonkam). Dabei dachte Melissa Klein natürlich keine Sekunde lang darüber nach was mit ihr nach diesem ziemlich schlecht geplanten Mord, den sie bald begehen würde, möglicherweise passieren könnte. Zum nachdenken fehlten ihr in diesem und den darauffolgenden Momenten einfach die dafür zuständigen Nerven. Außerdem konnte sie dank der unangenehmen Nachwirkungen des veralteten Serums nur wenige klare Gedanken fassen. Derartige Nachwirkungen können immer eventuell auftreten, was sogar hinten auf der kleinen Flasche stand, aus dem besagtes Wahrheitsserum stammte. Doch das sollte selbstverständlich nicht das Problem von Jack Liefers sein. Zumindest dachte er das es nicht sein Problem wäre, denn immerhin war Melissa diejenige der das Serum gespritzt worden war. Doch es sollte bald das Problem des oben genannten Mörders und Entführers werden, aber natürlich wußte dieser Neuling in der Serienkillerliga es noch nicht. Allerdings würde er es auf jeden Fall bald erfahren, ob er es nun wissen wollte oder nicht. Aber wahrscheinlich hätte Melissa sich auch ohne den Einfluß des Serums mit der imposanten Axt auf die Lauer gelegt, denn wenn der Wille ihren Entführer zu töten nicht in ihr stecken würde, hätte die Droge ihn selbstverständlich nicht hervorrufen und verstärken können. Sie hätte natürlich auch flüchten können, aber die Gedankengänge eines unter spezielle Drogen (wie die veraltete Version des Wahrheitsserums, die sie bekanntlich auch hätte töten können, wenn der Entführer es nicht kurz zuvor richtig dosiert hätte) gesetzten Menschen ergeben oft wenig Sinn. Melissa wurden die Drogen gegen ihren Willen verabreicht. Aber es gibt auf der Welt tatsächlich noch etliche Menschen, die so dumm und minderbemittelt sind, dass sie freiwillig Drogen zu sich nehmen und auch noch Geld dafür bezahlen. Aber die Welt hofft darauf, dass diese Idioten zur Besinnung kommen und endlich anfangen mit diesem Unsinn aufzuhören, der ihre Gesundheit nach und nach vollständig zerstört.

 

 

Es dauerte nicht lange, bis der gefährliche Serienmörder Jack Liefers mit dem Wagen seines potentiellen nächsten Opfers vor dem Haus parkte, in dem er wohnte. Er stieg aus und ging in das Gebäude hinein. „Gut dass ich Melissa auf meinen Spezialstuhl gesetzt habe. Ich wußte von vornherein das er mir immer gute Dienste leisten würde. Von dort ist noch niemand ohne fremde Hilfe runter gekommen..., weil seit ungefähr 20 Jahren keine Menschenseele auf ihm gesessen hat. Oh nein. Was ist, wenn sie sich irgendwie befreien konnte? Wenn das passiert ist, wartet sie bestimmt im Keller darauf, dass ich wiederkomme. Und dort sind mehr als genug Waffen, um mich zu töten. Verdammter Mist. Ich muss das alles jetzt richtig durchdenken. Wie ziehe ich ihre Ermordung am besten durch? Ich muss mir etwas wirklich gutes einfallen lassen, sonst bin ich dran. Was mach ich nur? Was mach ich nur? Was mach ich nur? In dem Keller sind viele Tötungswerkzeuge. Und ich will noch nicht sterben. Was soll ich nur tun? Ich muss mir etwas einfallen lassen, sonst wird sie mich bestimmt umbringen. Aber was? Ich könnte einfach ein paar Tage warten, bis sie verhungert ist. Aber ich will sie jetzt töten. Heute noch. Doch das geht nur wenn ich einen unfairen Vorteil ihr gegenüber habe. Mein Messer habe ich verloren und alle anderen Waffen und Werkzeuge sind im Folterkeller, bei der vermutlich inzwischen vollständig entfesselten Melissa. Also..., was soll ich jetzt tun?“, fragte der selten dämliche und gemeingefährliche Killer sich selbst, während er noch immer wütend über seine eigene Dummheit war.

Zu seinem eigenen vermeintlichen Glück fiel ihm sofort ein halbwegs brauchbarer Plan ein, wie er seiner Meinung nach dieses schwerwiegende Problem lösen konnte. Er hatte noch eine uralte Pistole oben in seiner kleinen Wohnung und die würde er einfach holen. Und mit ihrer Hilfe könnte er Melissa ohne Probleme töten. Das war objektiv betrachtet genau der unfaire Vorteil nach dem der hinterhältige und verschlagene Jack Liefers gesucht hatte.

 

 

Als er ein paar Minuten später die veraltete Walther TP (Taschenpistole) aus den frühen 60ern gefunden und geladen hatte, betrat er den schwach beleuchteten Keller. Um aber ganz sicherzugehen schlich er mit der Knarre in der Hand so leise wie möglich durch die breiten Gänge. Vor seinem geliebten Folterkeller angekommen sprang ihm natürlich auf der Stelle die mit seinen eignen Folterwerkzeugen aufgebrochene Tür ins Auge und er wurde wiedermal so richtig wütend. „Verdammte Billigtür! Wieso hab ich mir keine bessere besorgt, als ich die Chance dazu hatte?! So eine verfluchte Scheiße! Das hätte niemals passieren dürfen! Dafür muss sie auf jeden Fall sterben! Ich werde sie schlachten wie ein Stück Vieh, wenn ich sie je wieder erwische! Und ich werde sie auf jeden Fall wieder erwischen, denn sie darf mir einfach nicht entkommen! Sie muss sterben!“, fluchte der gemeingefährliche Psychokiller, während er die aufgebrochene Tür mit seinem eiskalten Blick anstarrte und sich zum allerersten Mal in seinem Leben darüber wunderte, dass er tatsächlich so durchgeknallte Selbstgespräche führen konnte.

„Ich werde offenbar langsam aber sicher verrückt. Kein normaler Mensch führt Selbstgespräche. Vielleicht sollte ich irgendwann mal zum Psychiater gehen. Und hinterher werde ich den Psychiater umbringen. Und dann bringe ich die Frau und die Kinder des Psychiaters um, damit sie keine Rache an mir nehmen können. Und dann bringe ich seine Freunde und deren Familien um, damit die keine Rache an mir nehmen können. Anschließend bringe ich die Freunde seiner Freunde um, damit die keine Rache an mir nehmen können. Und zu guter letzt bringe ich die Familien der Freunde seiner Freunde um, damit ich deren Rache nicht fürchten muss. Man da habe ich mir ja ziemlich viel vorgenommen. So viele Leute umzubringen dauert bestimmt eine halbe Ewigkeit. Ich weiß überhaupt nicht, ob ich soviel Freizeit entbehren kann. Wie löse ich dieses kleine aber feine Problem? Ganz einfach. Ich gehe einfach gar nicht erst zu irgendeinem nervtötenden Psychiater, was mir dann auch diese Menge Arbeit ersparen wird.“, dachte der inzwischen vollkommen verrückt gewordene Psychokiller, bevor ihn die blinde Wut packte und ohne Vorwarnung vollständig übermannte. 

Er war so sauer über dieses Desaster, dass er ohne zu zögern unvorsichtig in seinen privaten Folterkeller stürmte. So bot sich Melissa Klein eine wirklich gute Gelegenheit ihren brutalen Entführer problemlos zu töten, der natürlich nichts von der drohenden Gefahr wußte. „Verdammter Mist! Diese dumme Ziege ist einfach so aus meinem perfekt eingerichteten Folterkeller entkommen! So ein verdammter Mi-...“

Weiter kam der gemeingefährliche Killer nicht, da Melissa ihm in diesem Moment bereits seine eigne, kurz zuvor noch blitzblanke Axt tief in den Rücken gerammt hatte. Er drehte sich unter Aufbietung all seiner Kraft, mit der in seinem Rücken steckenden Axt um und versuchte seine geladene Pistole auf seine Mörderin zu richten. Doch bevor er die Waffe richtig auf sie richten konnte kippte er nach hinten um und der Schuß, der sich aus seiner geladenen Pistole löste, traf lediglich die Decke. Nun lag der vierfache Mörder tot auf dem Boden seines eignen Folterkellers, womit seine eintägige Kariere als blutrünstiger Serienkiller endgültig beendet war. Er war in der Liga des Verbrechens nur eine Eintagsfliege gewesen (zwar hatte er vorher schon ein paar Verbrechen begangen, aber die würden bestimmt nie soviel Aufsehen erregen wie diese furchtbare Mordserie [bitte nicht nachmachen, denn es gibt meineswissens bessere Möglichkeiten, um berühmt zu werden] es trotz des minimalen Widerstandes der Opfer getan hatte. Oder bestimmt noch tun würde, wenn alles in den Zeitungen groß rausgebracht werden würde) und würde nun niemanden mehr umbringen, da die Freundin seines allerersten Opfers seinem Leben ohne zu zögern ein furchtbares und genau genommen sogar ziemlich schmerzhaftes Ende bereitet hatte.

 

 

Wenige Minuten später hatte der Einfluß des veralteten Serums (bei den neuen Versionen des Wahrheitsserums würde so etwas dummes und lächerlich klingendes bestimmt niemals passieren) etwas nachgelassen und Melissa konnte wieder einigermaßen klar denken. Sie begann sofort damit den toten Killer zu durchsuchen, da sie genau wußte dass er ihre gefälschten Papiere und die Schlüssel für ihr heißgeliebtes Auto noch irgendwo bei sich trug. Als sie endlich fand was ihr mehr oder weniger rechtmäßig gehörte, steckte sie das ganze Zeug in ihre Rocktaschen und rannte so schnell sie konnte aus dem Keller hinaus in die Freiheit. Vor dem Haus fand sie, trotz der streng betrachtet recht früh angebrochenen Nacht, ihr rotes Auto. Sie stieg ein und fuhr nach Hause. Zum Glück befanden sich ihre Eltern zur Zeit bei irgendwelchen ihr unbekannten Freunden in Brandenburg, sodass ihre Tochter ihnen nach diesem furchtbaren Mord wenigstens nicht unter die Augen treten musste. Sie würden allerdings schon in der heutigen Nacht wiederkommen und Melissa war selbstverständlich klar, dass sie so schnell wie möglich verschwinden musste. Manche Polizisten waren zwar nicht gerade die hellsten, aber spätestens jetzt würden sie den ganzen Fall fast vollständig aufklären können. Allein schon weil ihre Fingerabdrücke an Tatort und Tatwaffe waren und sie sich ganz nebenbei wegen kleinerer Vergehen im Polizeicomputer befanden. Außerdem gab es inzwischen mehr als genügend Spuren und Beweise, die von den Beamten ohne Probleme ausgewertet werden konnten. Und wenn sie diese Beweise ausgewertet hätten, würden sie Melissa ganz schnell ins Gefängnis stecken können, was natürlich ziemlich leicht war, da sie ja nichts weiter tun mussten als zwei und zwei zusammenzuzählen. Und wenn dabei nicht wie durch ein Wunder drei herauskäme, wäre sie wegen ziemlich vielen verschiedenen Verbrechen dran; hauptsächlich natürlich wegen des mehr oder weniger eiskalten Mordes an ihrem verrückten Entführer (auch wenn ein gnädiger Gerichtshof diesen Axtmord vielleicht gar nicht als solchen werten würde, denn immerhin wurde sie von diesem hinterhältigen und gemeingefährlichen Typen entführt, gefangengehalten und unter Drogen gesetzt). Ihr waren all diese Tatsachen bekannt, weshalb sie jetzt auch tun musste was sie nun tun würde. Und das würde ihr sicher nicht leicht fallen, denn es handelte sich um eine der wahrscheinlich schwerwiegendsten Entscheidungen ihres gesamten Lebens. Einen sinnvolleren Ausweg gab es für sie leider nicht.