Kapitel 5: Die Flucht von Melissa Klein Teil 2

 

 

Susanne rannte so schnell sie konnte durch das dreistöckige Kaufhaus, doch es gelang ihr, trotz ihrer hohen Geschwindigkeit, einfach nicht ihren zähen Verfolger abzuhängen. Der flinke Kaufhausdetektiv war ziemlich schnell. Doch es gab da eine klitzekleine Sache, die er leider nicht bemerkt hatte. Und diese Kleinigkeit würde ihm und allen anderen noch eine Menge Ärger bereiten. Susanne jedenfalls versuchte eine Rolltreppe herunter zu rennen, doch auf der untersten Stufe stolperte sie und fiel hin. Der Kaufhausdetektiv stürmte die Rolltreppe hinunter und bekam die Flüchtige zu fassen. Sie versuchte sich zu befreien, doch es gelang ihr nicht. Er hatte sie bereits, als plötzlich jemand mehrere Schüsse abfeuerte. Es brach ein heilloses Chaos aus, als eine tiefe Stimme plötzlich schrie:„Alle auf den Boden!!!! Das hier ist eine Geiselnahme!!!!“

„Wer in drei Sekunden noch steht, wird von uns auf der Stelle erschossen!“, schrie eine zweite Stimme.

Alle warfen sich ohne zu zögern auf den Parkettboden, auch Susanne Beck und ihr Verfolger Edward Kopier. Auf allen drei Stockwerken lagen die verängstigten Kunden auf dem Boden. Nur die sechs maskierten, schwarzgekleideten Geiselnehmer (die dem Kaufhausdetektiv dummerweise nicht aufgefallen waren, weshalb sie nun auch tun konnten was immer sie tun wollten. Aber selbst wenn der Detektiv sie kurz zuvor zufällig bemerkt hätte; er hätte diese Geiselnahme wohl kaum verhindern können. Einem anderen Kaufhausdetektiv wären möglicherweise diese vielen verdächtigen Männer in Schwarz aufgefallen, aber Edward Kopier war leider beschäftigt gewesen) standen aufrecht, während sie den Gefangenen überheblich ihre Maschinengewehre präsentierten. Dabei handelte es sich übrigens um amerikanische Fabrikate vom Typ M60. Sie standen zu zweit in jedem der drei Stockwerke herum, sodass sie alles im Blick hatten. Sogar die Rolltreppen. Ein siebenter Geiselnehmer stand im Überwachungsraum bei dem alten Wachmann, den er mit seiner geladenen Waffe in Schach hielt. Der alte Wachmann besaß nicht einmal eine Pistole, um sich im Notfall verteidigen zu können. Deshalb leistete er auch keinen Widerstand und verspürte genau dieselbe Angst, wie die meisten anderen Geiseln. Und deshalb wehrte er sich auch nicht, als der Mann ihn dazu zwang die entsprechenden Knöpfe zu drücken, wodurch sämtliche Ausgänge hermetisch verschlossen wurden. „O.K.! Jetzt hört mal alle gut zu! Wenn ihr tut was wir verlangen, wird keiner von euch sterben! Regel Nummer 1: Niemand von euch sagt auch nur ein Wort! Regel Nummer 2: Ihr tut bedingungslos das, was wir von euch verlangen! Regel Nummer 3: Wer gegen die ersten beiden Regeln verstößt, ist tot! Ich hoffe ihr habt unsere Regeln verstanden, denn ich wiederhole mich nicht!“, schrie einer der schwarzgekleideten Geiselnehmer.

„Diese Geiselnahme ist nur ein Aufschub. Ich kriege dich schon noch. Also glaub ja nicht das du einfach so davonkommst.“, flüsterte der Kaufhausdetektiv Susanne zu, die direkt neben ihm lag, da er sie ja erst kurz zuvor losgelassen hatte.

Plötzlich stand einer der vollkommen gleich aussehenden Geiselnehmer (nur jemand der diese Verbrecher genau kannte, konnte die gleich gekleideten und fast gleich klingenden Geiselnehmer auseinanderhalten) vor dem liegenden Detektiv und fragte eben diesen:„Hast du gerade was gesagt?“

„N- nein, i- ich hab nichts gesagt. I- ich werde mich genaustens an eure Anweisungen halten.“, antwortete der Detektiv nervös, woraufhin der maskierte Mann seine Waffe auf ihn richtete und mehrere Schüsse abfeuerte.

Der Kaufhausdetektiv war sofort tot. Susanne hatte wie durch ein Wunder nicht einen einzigen Blutspritzer abbekommen (sowie in diesem Roman fast nie ein Krimineller mit dem Blut eines anderen besudelt wurde) und bevor sich neben ihr eine eklige Blutlache bilden konnte, packte der gemeingefährliche Killer den toten Detektiv, hob ihn hoch und schrie lautstark:„So ergeht es euch auch, wenn ihr uns nicht gehorcht! Was ist mit dir Kleines?! Willst du uns Ärger machen?!“

Diese Worte galten Susanne. Sie sagte nichts sondern schüttelte nur den Kopf. Der bewaffnete Geiselnehmer gab sich mit ihrer Antwort zufrieden. Anschließend warf er die Leiche von E. Kopier die Rolltreppe hinunter und verschwand aus ihrer Nähe. Nun hatte sich wenigstens ihre eigne Lage etwas verbessert, denn sie wurde immerhin nicht mehr von einem Kaufhausdetektiv verfolgt. Sie legte sich auf den Rücken, starrte die Decke an und versuchte verzweifelt sich etwas zu entspannen, während draußen bereits die ersten Polizeisirenen ertönten. „Verdammter Mist! Wieso sind diese selten dämlichen Nervensägen denn jetzt schon hier? Die Geiselnahme dauert doch erst schlappe zwei Minuten. Wie kann es bloß sein, dass diese Nervensägen so schnell hier sind? Woher wissen die denn jetzt schon von unserer Geiselnahme?“, fragte ein Maskierter den anderen wütend.

„Die wurden bestimmt von diesem seltsamen Typen hergerufen, der eben versucht hat mich zu fangen. Eigentlich hätte ich damit rechnen müssen, aber ich kann ja nicht an alles denken. Ich kann es nur versuchen. Wäre ich in der Lage gewesen den Mord an meinem Entführer richtig zu planen und zu durchdenken, hätte ich nicht flüchten müssen und säße..., beziehungsweise läge nicht in diesem besetzten Kaufhaus. Aber egal. Die Polizisten sind wohl in erster Linie wegen mir hier, aber ich denke mal das sie sich nebenbei auch noch um die Geiselnehmer kümmern werden. Das heißt ich muss mir nur etwas einfallen lassen, wie ich hier heil rauskomme ohne dass sie mich erwischen. Dummerweise haben diese maskierten Idioten alle Fäden in der Hand. Und wenn sie jetzt Mist bauen... Aber was soll’s. Die gefälschten Papiere meiner Freundin werden mir die Beamten schon vom Leib halten. Ich hoffe nur das diese bewaffneten Spinner kein gigantisches Blutbad anrichten. Und hoffentlich kommen diese irren Typen nicht auf die dumme Idee mich wegen so einer Nichtigkeit zu töten. Es wird wohl erstmal besser sein, wenn ich mich so unauffällig wie möglich benehme und hier keinen Ärger mache. So bleibe ich vorerst wenigstens am Leben und ende nicht so wie mein seltsamer Verfolger, der von diesen geistig zurückgebliebenen Vollidioten völlig grundlos umgelegt wurde. Wenn ich eine Geiselnahme durchziehen würde, würde ich bestimmt nicht einfach so anfangen die Geiseln umzulegen. Selbst wenn es nur dazu dienen würde den Leuten meinen Standpunkt klarzumachen. Das ist einfach nicht richtig.“, dachte Susanne Beck leicht gereizt, während sie weiterhin versuchte sich zu entspannen.

Die Verbrecher überlegten und berieten wegen der plötzlichen Ankunft der Polizei kurz (das dauerte nur ein paar Sekunden) und dann brüllte einer von ihnen:„Los! Alle Geiseln an die Fenster! Wir brauchen Schutzschilde, auf die diese dummen Bullen nicht bereit sind zu schießen! Bewegt euch!“

Alle Geiseln, einschließlich der gesuchten Susanne Beck, stellten sich an die durchsichtigen Fenster und starren nach draußen. Dieses Kaufhaus hatte übrigens viel weniger Fenster als normale Kaufhäuser (der Grund dafür ist aber nur dem Kaufhausbesitzer bekannt). Mehrere Streifenwagen hielten vor dem Haupteingang und nachdem die bewaffneten und uniformierten Beamten aufgehört hatten sich darüber zu wundern, daß alle Kunden an den Fenstern standen und die Eingänge verschlossen waren, nahm einer von ihnen ein Mikrofon aus seinem Streifenwagen und rief:„Hier spricht die Wolfsburger Polizei...“

Weiter kam der uniformierte Streifenpolizist nicht, denn da unterbrach ihn schon einer der Geiselnehmer, der einfach so eine Geisel beiseite geschubst hatte um ein Fenster einzuschlagen und mit der Polizei reden zu können. Er schrie so laut er konnte durch ein kleines Mikrofon, das er sich mal eben aus der Mikrofonabteilung geholt hatte:„Hier sprechen die unbesiegbaren Geiselnehmer! Wir werden die Geiseln freilassen, wenn ihr uns einen alten Freund und Kollegen von uns herbringt. Er heißt Ron Baumeier und er sitzt hier in Wolfsburg seit einiger Zeit in irgendeinem schäbigen Gefängnis, also holt ihn gefälligst sofort da raus! Ihr habt genau eine Stunde, um den Gefangenen herzubringen! Die Zeit läuft ab jetzt! Und versucht bloß nicht uns auszutricksen, denn daß könnte die ein oder andere Geiseln ganz leicht das Leben kosten. Für jede Viertelstunde die ihr euch verspätet werden ich und meine Kollegen eine Geisel erschießen und ihre Leiche aus dem Fenster auf die Straße werfen, damit ihr auch mitkriegt wie sehr ihr es dann versaut habt. Wenn ihr ihn aber pünktlich herbringt, dann habt ihr Glück und wir tauschen ihn gegen..., na sagen wir 15 Geiseln aus. Danach erhaltet ihr weitere Forderungen. Und wenn ihr die richtig erfüllt, sind am Ende vielleicht sogar alle Geiseln frei! Habt ihr Bullen auch alle Anweisungen genau verstanden?“

„Ja! Wir haben alles verstanden! Wir werden uns darum kümmern!“, antwortete der uniformierte Beamte mit dem Mikrofon.

Besagtes Mikrofon wurde ihm wenige Minuten später von einem ranghohen Beamten der Wolfsburger Polizei aus der behandschuhten

Hand gerissen. Der Name dieses ranghohen Polizisten war Greg Waldau. Er stand seit mehreren Jahren im Rang eines Hauptkommissars und war offiziell der beste Unterhändler von ganz Wolfsburg. „Ich übernehme jetzt die Verhandlungen und kümmere mich um die vollständige hermetische Abriegelung des Gebietes rund um dieses Kaufhaus. Sie empfangen unsere hochgeschätzten Kollegen aus Berlin, die bereits auf dem Weg hierher sind. Sie kommen wegen einer ganz bestimmten Person her. Besagte Person befindet sich zur Zeit meineswissens auch in diesem besetzten Kaufhaus, das unsere Leute inzwischen fast vollständig umstellt haben müssten.“, erklärte der Wolfsburger Hauptkommissar dem Mann, dem kurz zuvor noch ein Mikrofon gehört hatte.

„Wer ist diese Person, die unsere Berliner Kollegen suchen?“, fragte der Beamte seinen Vorgesetzten.

„Sie heißt Melissa Klein und soweit wir wissen ist sie eine flüchtige Mörderin, die sich zur Tarnung die blonden Haare schwarz gefärbt hat. Also werden wir nebenbei alles tun, um unseren Berliner Kollegen dabei zu helfen sie zu erwischen. Doch bis die werten Kollegen hier eintreffen, sollten wir das Gebiet vollständig abgesichert haben.“, erklärte der Hauptkommissar, während er sein handliches Funktelefon zückte.

Dann gab er den Befehl mehrere Scharfschützen auf den umliegenden Gebäuden zu postieren und diesen Kriminellen namens Ron Baumeier unter strengster Bewachung herzuholen. Es ging bei dieser Geiselnahme immerhin um hunderte von Menschenleben (für Waldau standen die Leben der Geiseln immer an allererster Stelle). Und dann gab er noch den Befehl, dass man ihm alles über diesen Ron Baumeier berichtete, was berichtenswert war. Es stellte sich heraus, dass der werte Herr Baumeier zusammen mit sieben selten dämlichen Komplizen etliche Geschäfte und Juweliere überfallen hatte. Bei diesen Überfällen in der BRD wurden ziemlich viele Zivilisten schwer verletzt und fünf sogar getötet. Damit war jedem völlig klar, wie gefährlich Ron B. und seine kriminelle Bande waren. Zufällig waren die sieben Geiselnehmer auch gleichzeitig seine ehemaligen Komplizen, denen Ron Baumeier völlig vertrauen konnte. Loyalität bedeutete in dieser Bande einfach alles (natürlich abgesehen von Bargeld und Juwelen) und niemand von ihnen hätte jemals auch nur ansatzweise daran gedacht, den für fast alles zuständigen Chef an irgendwen zu verraten. Und nun wollten sie ihn sogar aus dem Gefängnis holen, denn sie wußten eines ganz genau: Ohne Ron Baumeier’s ach so geniale Pläne würden sie bestimmt nie wieder auch nur einen einzigen vernünftigen Überfall durchziehen können. Denn obwohl es nur eine einfache Geiselnahme war, hatten die sieben Komplizen allein für die dazugehörigen Vorbereitungen etliche Wochen gebraucht. Also würden sie alles tun, um ihren cleveren Chef zurückzuholen. Aber Ron Baumeier war ein gemeingefährlicher Krimineller, was vielleicht bedeutete das die für ihn zuständigen Beamten ihn dem Hauptkommissar möglicherweise aus Sicherheitsgründen gar nicht zur Verfügung stellten. Und das war besagtem Hauptkommissar natürlich klar, weshalb er auf diese Vermutung hin sofort den Polizeichef von Wolfsburg darum ersuchte Ron Baumeier herzubringen. Der Polizeichef war zufällig ein alter Freund und Clubkamerad von Greg Waldau und er erklärte sich sofort damit einverstanden, den Schwerverbrecher zur Verfügung zu stellen. Die beiden würden sich dann am Sonntag zum Golfen im Golfklub treffen. Aber es würde mit Sicherheit einige Zeit dauern, die dazugehörigen Formalitäten zu erledigen. Und durch einen Blick auf seine Armbanduhr stellte er fest, dass von der vorgegebenen Zeit nur noch magere 45 Minuten übrig waren. Es war genau 13:35 Uhr. Der mit Waldau befreundete Polizeichef würde Ron Baumeier so schnell wie möglich herbringen lassen. Natürlich würde man dann versuchen die Geiselnehmer auszutricksen, sodass niemand entkommen könnte. Nicht einmal Melissa Klein alias Susanne Beck sollte es heute schaffen ihnen zu entwischen. Das war das ehrenvolle Ziel, dass sich die zuständigen Beamten für heute gesetzt hatten. Und die gemeingefährlichen Geiselnehmer hatten sich verständlicherweise das ziemlich weit entfernt liegende Ziel gesetzt mit ihrer teuflischen Tat davonzukommen. Nur eine von den beiden heftig miteinander konkurrierenden Parteien würde das Ziel erreichen, dass sie sich für heute selbst gesetzt hatten. Und die beiden Kontrahenten würden selbstverständlich alle nur erdenklichen Mittel einsetzen, um dieses tödliche Spiel zu gewinnen. Natürlich konnte man sich bei der Wolfsburger Polizei in Sachen „alle nur erdenklichen Mittel“ nicht allzu sicher sein. Denn ihr oberstes Ziel lautete nicht skrupellos zu sein und Menschenleben aufs Spiel zu setzen, sondern die vielen Geiseln lebend aus dieser gefährlichen Situation rauszubringen. Und die Polizeibeamten würden selbstverständlich ihr bestes geben, um diese vielen unschuldigen Menschen aus dieser brenzligen Situation zu retten. Denn das war ihre ehrenvolle Mission. Und sie würden alles in ihrer Macht stehende tun, um das ganze bis zum bitteren Ende durchzuziehen. Bis zum bitteren Ende für die gemeingefährlichen Geiselnehmer.  

 

 

Während der werte Hauptkommissar Waldau seinen eignen Leuten von der Wolfsburger Polizei und den hochgeschätzten Kollegen vom berühmt berüchtigten Sondereinsatzkomando (besser bekannt als SEK) etliche mehr oder weniger lebenswichtige Aufgaben zuwies, überflogen die Kommissare Schubert und Schuber mit ihrem schnellen Polizeihelikopter bereits die Elbe. Zum Glück hatte man ihnen den schnellsten Hubschrauber zur Verfügung gestellt, der gerade verfügbar war. Und so kamen sie über den Luftweg ihrem Ziel mit Höchstgeschwindigkeit immer näher. Doch erst während ihres Überflugs wurde den beiden per Funk mitgeteilt, dass sich das Kaufhaus in der Gewalt von mehreren bewaffneten Geiselnehmern befand. Natürlich wurde ihnen per Funk auch berichtet, dass sich diese flüchtige Verbrecherin namens Melissa Klein mit 99,9 prozentiger Sicherheit noch immer im besetzten Gebäude befand (auf die übriggebliebenen 0,1 Prozent wurde wie immer nicht geachtet. Aber so gehen viele Leute nun einmal mit Minderheiten um, was meiner Meinung nach ziemlich unfair ist). Außerdem wurde ihnen per Funk auch mitgeteilt, was genau die schwer bewaffneten Geiselnehmer eigentlich von den Behörden forderten und wie der ungefähre Stand der zur Zeit ziemlich angespannten Lage war. So wußten die beiden Berliner Kriminalbeamten in dem Hubschrauber auch über die ihren Kollegen bereits bekannten Hintergründe Bescheid, bei denen sich natürlich alles hauptsächlich um Ron Baumeier drehte. Mehr musste eigentlich nicht erklärt werden, da die meisten Polizeibeamten in der BRD (abgesehen vielleicht von G. Waldau, der nachfragen musste) mehr oder weniger mit dem Fall Baumeier vertraut waren. So wußte jeder Polizeibeamte auch, wie gefährlich der werte Herr Baumeier war und konnte entsprechend agieren. Man durfte diesen gemeingefährlichen Schwerverbrecher auf keinen Fall auch nur eine Sekunde aus den Augen lassen, denn er war schlauer als man es auf den ersten Blick von ihm erwartete. Er war ein böses und verschlagendes Genie, mit dem man es nicht allzu leicht aufnehmen konnte. Aber möglicherweise würde er während dieser Geiselnahme einen ebenbürtigen Gegner finden. Einen der mit ihm auf geistiger Ebene gleichziehen und ihn möglicherweise sogar fertig machen konnte. Aber ob der hinterlistige und durchtriebene Bandenboß während dieser spektakulären Geiselnahme so jemanden finden würde, kann nur die nicht mehr allzu weit entfernte Zukunft weisen.

 

 

Nachdem die Kommissare Schubert und Schuber in Wolfsburg auf einem Hubschrauberlandeplatz der Polizei gelandet waren, wurden sie von einem Polizeibeamten (der um sein Mikrofon trauerte) empfangen und sofort zu einem Streifenwagen gebracht, um mit Höchstgeschwindigkeit zum zur Zeit besetzten Kaufhaus gefahren zu werden. Dort angekommen brachte man sie sofort zu dem leitenden Beamten; zu Hauptkommissar Greg Waldau. Nachdem die beiden ihm kurz vorgestellt worden waren, fragte Kommissar Vincent „das Fragezeichen“ Schuber den Wolfsburger Hauptkommissar neugierig:„Wie sieht ihre Strategie in diesem Fall aus? Haben sie bereits einen Plan ausgearbeitet, wie sie die Geiselnehmer mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln überwältigen können? Möglichst ohne dass allzu viele Leute dabei verletzt oder getötet werden? Geht das vielleicht irgendwie?“

Hauptkommissar Waldau sah seine beiden Berliner Kollegen verwundert an. „Meine Strategie sieht wie folgt aus: Wir tauschen den Schwerverbrecher Ron Baumeier pünktlich zur angegebenen Zeit gegen die uns angebotenen 15 Geiseln aus und warten anschließend auf weitere Forderungen von den Geiselnehmern. Wir müssen bei dieser Sache äußerst vorsichtig sein, denn immerhin stehen hier etliche Menschenleben auf dem Spiel. Ich werde mit Sicherheit nicht versuchen bei irgendeiner Erfüllung von irgendwelchen Forderungen Zeit zu schinden, denn solche Tricks könnten möglicherweise die Leben von so manchen Geiseln aushauchen. Sollten alle Geiselnehmer aber wie durch ein Wunder gleichzeitig von den auf den Dächern postierten Scharfschützen ins Visier genommen werden können, dann ist das selbstverständlich das Ende der Geiselnahme. Aber da so viele Geiseln den Schützen vom Sondereinsatzkomando unfreiwillig die Sicht blockieren, werden sie wohl nicht zum Schuß kommen. Wir können schließlich nicht riskieren das einer von ihnen zufällig danebenschießt, was in dieser brenzligen Situation gut möglich ist. Und wenn ein derartiger Schachzug unsererseits schiefgeht, werden vermutlich viele Geiseln sterben. Und das dürfen wir nicht riskieren, denn die Verbrecher da drinnen sind brandgefährlich. Vermutlich werden sie irgendwann einen Fluchtwagen anfordern, den wir natürlich mit mehreren Sendern präparieren werden. Vielleicht fordern sie auch mehrere Fluchtwagen, damit sie ein paar Geiseln mitnehmen können. Wir kennen ihren genauen Schlachtplan leider nicht. Wie sollten wir ihn auch kennen? Aber es wird uns mit Sicherheit gelingen, uns ihren Handlungen entsprechend anzupassen. Oh... das hätte ich fast vergessen. Wenn eine der freigelassenen Geiseln zufällig Melissa Klein ist, werden sie oder ich diese Kriminelle bestimmt erkennen, denn schließlich hat sie sich nur die Haare schwarz gefärbt. Aus dieser Mausefalle kommen diese vielen hinterhältigen Mistkerle nicht mehr so mir nichts dir nichts raus. Ihre Chancen uns zu entkommen sind wirklich minimal. Wenn es überhaupt Chancen gibt, denn es kommt so gut wie nie vor das eine Geiselnahme zu Gunsten der Geiselnehmer ausgeht.“, erklärte G. W. den Berliner Kommissaren, bevor er damit begann planlos herumzulaufen.

„O Gott. Ich hab überhaupt keine Ahnung was ich machen soll wenn die Geiselnehmer etwas tun, womit weder ich noch meine Leute rechnen können. Es gibt bestimmt etliche Situationen auf die wir uns nicht einstellen können. Und ich hab keine Ahnung was ich dann tun soll. Aber vor den Berliner Kollegen und vor meinen eignen Leuten muss ich auf jeden Fall weiterhin so tun, als wüßte ich ganz genau was ich tue. Das hat bisher gut funktioniert und wird auch weiterhin klappen. Alle kaufen mir ab das ich Ahnung habe. Und im Grunde genommen weiß ich eine Menge über Geiselnahmen. Ich hab dutzende Filme zu diesem Thema gesehen, also von daher... Aber egal. Jetzt habe ich wichtigeres zu tun, als mir Sorgen zu machen. Ich muss eine Fassade aufrechterhalten und ein paar hundert Menschenleben retten. Das wird schon irgendwie. Meine Mutter sagte zu mir ja immer ich hätte mehr Glück als Verstand. Und bisher hat mich mein Glück nicht im Stich gelassen. Und das wird es auch in Zukunft nicht tun. Ich werde das schon irgendwie schaffen.“, dachte Hauptkommissar Waldau, während er das kleine Mikrofon suchte, das er bekanntlich vor kurzem einem uniformierten Polizisten abgenommen hatte.

Er musste in Kürze einige äußerst wichtige Durchsagen machen.      

 

 

„Es ist jetzt genau 14:18 Uhr! Bereitet den Geiselaustausch vor! Und baut bloß keinen Mist, denn wir können es uns nicht leisten das Leben der vielen Geiseln in diesem besetzten Kaufhaus auf irgendeine Weise zu gefährden!“, schrie der Wolfsburger Hauptkommissar ein paar Minuten später durch sein kleines Mikrofon (er hatte es nun doch noch gefunden; es hing kurz zuvor an seinem Gürtel, gleich neben seiner Dienstwaffe), woraufhin fast alle anwesenden Beamten scheinbar planlos durch die Gegend rannten.

Doch so planlos war das ganze selbstverständlich nicht. Die vielen Polizisten taten nichts weiter als auf ihre jeweiligen Posten zu gehen und sich auf die bevorstehende Situation vorzubereiten. Der hinterhältige und gemeingefährliche Schwerverbrecher namens Ron Baumeier wurde von zwei bewaffneten und uniformierten Polizisten aus einem gepanzerten Wagen geführt und auf die abgesperrte Straße gestellt. Die umliegenden Gebäude waren ebenfalls abgesperrt und geräumt worden. Nur noch ein paar Scharfschützen befanden sich in ihnen. Die beiden Beamten standen noch immer neben dem äußerst schlecht rasierten und in Handschellen gelegten Schwerverbrecher, als Hauptkommissar Greg Waldau in sein Mikrofon brüllte:„Hey ihr da drin! Wir haben Baumeier hergebracht! Jetzt laßt auf der Stelle die 15 Geiseln frei! Eine Abmachung ist eine Abmachung! Also haltet euch gefälligst dran, sonst bekommt ihr nie was ihr von uns haben wollt!“, brüllte der Wolfsburger Hauptkommissar aufgeregt durch sein Mikrofon, während er in Gedanken betete dass jetzt ja alles glatt gehen möge.  

Die Geiselnehmer hielten sich wie erwartet an die Abmachung und schickten 15 Geiseln vor die Eingangstür. Die Türen wurden übrigens vom Überwachungsraum aus geöffnet, indem einer der Geiselnehmer immer noch den alten Wachmann mit seiner geladenen Waffe bedrohte. „Langsam zu den Beamten rüber gehen! Wenn ihr zu schnell lauft, werde ich auf euch schießen! Und wenn wir unseren Boß nicht wieder kriegen, werde ich natürlich auch auf euch schießen! Also versaut es gefälligst nicht!“, schrie einer der schwer bewaffneten Verbrecher durch ein Mikrofon, während er sich geschickt zwischen den Eingangstüren postierte (sodass er die Geiseln jederzeit erschießen konnte), während die 15 fast freigelassenen Geiseln langsam aber sicher auf die Polizisten zugingen.

„Laßt Ron Baumeier sofort zu uns rüber gehen, dann bekommt ihr die euch zustehenden Geiseln sogar lebend! Los macht schon! Wir wollen unseren Boß endlich wiederhaben! Und zwar schnell, sonst gibt’s Tote! Bewegung! Bewegung! Macht endlich was wir euch befohlen haben! Wir haben die Geiseln! Wir haben die Macht!“, schrie der bewaffnete Mann in der Eingangstür ungeduldig aus vollem Hals durch sein Mikrofon, woraufhin die beiden uniformierten Wachen dem gemeingefährlichen Bandenboß die Handschellen abnahmen, ihn losließen und dieser ruhig und gelassen zu seinen Leuten trabte, während die 15 freigelassenen Geiseln langsam auf ihn zukamen.

Sie teilten sich vor ihm auf, sodass der Bandenboß einfach durch die kleine Menschenmenge durchgehen konnte. Keine Minute später war Ron Baumeier bei seinen Komplizen im Kaufhaus und die 15 Geiseln waren bei der Polizei in Sicherheit. Kommissar Christian Schubert und sein Partner Vincent „das Fragezeichen“ Schuber begann sofort damit, sich die Leute genaustens anzusehen und ihre Papiere oberflächlich zu überprüfen. Sein neuer Partner half ihm selbstverständlich dabei die freigelassenen Geiseln zu überprüfen. Doch genau wie sein Kollege konnte er nichts verdächtiges entdecken. Keine von den freigelassenen Geiseln hatte schwarzes Haar (oder gefälschte Papiere, was ja gut möglich gewesen wäre). Die beiden Kommissare aus der Landeshauptstadt Berlin waren ziemlich enttäuscht. Aber das legte sich sofort wieder, da das nur bedeuten konnte das sich die vermeintlich „spurlos verschwundene“ Melissa K. noch immer im von Geiselnehmern besetzten Gebäude befand. Nachdem die freigelassenen Geiseln zum Stand der Dinge befragt worden waren und den Beamten somit klar war das bereits ein Mann erschossen worden war, nahm ein Hilfspolizist die Personalien der Freigelassenen auf (das war selbstverständlich nur eine reine Formalität, die von der Polizei in so einem Fall immer ausgeführt werden musste. Aber der Hauptgrund für diese zweite unauffällige Ausweiskontrolle war natürlich die Suche nach der flüchtigen Melissa Klein, über deren neue Identität die Polizei natürlich nichts wußte). Die von einem uniformierten Polizisten aufgestellte Liste der ersten 15 aus dem Kaufhaus freigelassenen und noch immer unter Schock stehenden Personen sah ungefähr so aus:

 

Freigelassene Geisel Nummer 1:

Nina Adams;

eine junge Frau, die sich zum Zeitpunkt des Beginns der Geiselnahme zusammen mit ihren bis obenhin vollgestopften Einkaufstüten in der Lebensmittelabteilung befand.

20 Jahre alt.

 

Freigelassene Geisel Nummer 2:

James L. Paul;

fürsorglicher Ehemann und Vater von drei kleinen Kindern, die zusammen mit ihm und seiner Ehefrau ebenfalls während der aufsehenerregenden Geiselnahme im Kaufhaus waren.

40 Jahre alt.

 

Freigelassene Geisel Nummer 3:

Ben Ruprecht Paul;

erstes von den drei oben genannten Kindern, dessen ursprünglicher Plan darin bestand mit seinen zwei jüngeren Geschwistern die Eltern zum Kauf von vielen teuren und unnützen Sachen zu überreden, mit denen sie dann zu Hause hätten spielen könnten. Sein Plan war fast vollständig aufgegangen, denn jeder nennenswerte Widerstand der Eltern wurde überwunden und sie wurden erfolgreich überredet ihre Kinder beinah uneingeschränkt zu beschenken. Dann begann die Geiselnahme und sie mussten alle Geschenke im Kaufhaus zurücklassen, was den ganzen Plan des Jungen natürlich augenblicklich zu Nichte machte und ihm deshalb leider nichts anderes übrig blieb, als alles mitzunehmen was nicht niet- und nagelfest war.

9 Jahre alt.

 

Freigelassene Geisel Nummer 4:

Anja Paul;

zweites von den oben genannten drei Kindern, die übrigens so clever gewesen war die Gunst der Stunde zu nutzen, in dem sie heimlich ziemlich viele Süßigkeiten und jede Menge Spielzeug einsteckte.

7 Jahre alt.

 

Freigelassene Geisel Nummer 5:

Toby Paul;

drittes von den oben genannten drei Kindern, das durch die Geiselnahme ein Trauma hätte erleiden können (was aber Gott sei Dank nicht passiert war, da er die schlimmsten Geschehnisse nicht mitgekriegt hatte). Der Kleine war sowieso abgelenkt gewesen, weil er es seiner großen Schwester gleichtat und ziemlich viele Süßigkeiten unbemerkt in seine tiefen Taschen steckte.

4 Jahre alt.

 

Freigelassene Geisel Nummer 6:

Sara Paul;

Mutter von den oben genannten Kindern, die kurzzeitig von ihrer Familie getrennt wurde, aber durch Zufall mit ihnen zusammen gegen Ron Baumeier ausgetauscht worden war. Sie wußte übrigens nichts von der Habgier ihrer seltsamen Kinder, würde es aber mit Sicherheit früher oder später irgendwie erfahren. Und dann würde sie den dreien bestimmt mal ordentlich die mit Dummheiten verstopften Köpfe waschen, damit die drei in Zukunft nicht mehr so gierig sein würden. Ob sie es so hinkriegen würde, wie sie es hinkriegen sollte, kann selbstverständlich nur die Zukunft weisen.

37 Jahre alt.

 

Freigelassene Geisel Nummer 7:

Robert Rendell;

ein in die Jahre gekommener Obdachloser, der sich zusammen mit einem guten und vertrauenswürdigem Freund nur kurz im Kaufhaus aufwärmen wollte (die beiden Kumpanen hatten selbstverständlich nicht vorgehabt etwas zu kaufen, denn schließlich fehlte ihnen dazu das nötige Geld. Und sie hatten auch nicht vorgehabt etwas zu stehlen, denn das gehörte sich ihrer Meinung nach einfach nicht. Aber es war eben ziemlich kalt draußen gewesen und ihnen blieb halt nichts anderes übrig, als rein zu gehen und sich drinnen an den eingeschalteten Heizungen etwas aufzuwärmen).

ca. 59 Jahre alt (was man nicht genau feststellen konnte, da seine Papiere einschließlich Geburtsurkunde tragischerweise vor Jahren bei einem Brand zerstört worden waren).

 

Freigelassene Geisel Nummer 8:

Mark Skandowitzky;

langjähriger Obdachloser und guter Kumpel von Robert Rendell, der ihm in Berlin mal das Leben gerettet hatte, als dieser vor Jahren eines Nachts von einem verrückten Räuber namens John Kartei angegriffen wurde. Der Räuber entkam damals zwar, aber wenigstens waren weder Robert noch Mark während des Überfalls verletzt worden. Und die beiden konnten vor ihren Freunden angeben, dass sie es mit einem richtig üblen Typen aufgenommen hatten. Etwas später sind sie dann per Anhalter nach Wolfsburg weitergezogen.

52 Jahre alt.

 

Freigelassene Geisel Nummer 9:

Tom Fitz;

Kassierer im Kaufhaus, der ständig Kleingeld aus den Kassen mitgehen läßt (manchmal ließ er auch Scheine mitgehen, was die Polizei selbstverständlich niemals erfahren sollte).

23 Jahre alt.

 

Freigelassene Geisel Nummer 10:

Eva Ull;

Kassiererin im Kaufhaus, die seit gestern genau fünf Jahre für dasselbe tätig ist. Und sie wurde noch immer nicht befördert, obwohl sie schon eine Menge Leute beim klauen erwischt hat und nie selbst etwas mitgehen ließ (ihren Kollegen Tom Fitz hatte man allerdings schon vor langer Zeit befördert, obwohl der wie bekloppt klaute und dabei natürlich niemals erwischt wurde).

25 Jahre alt.

 

Freigelassene Geisel Nummer 11:

Peter Preuß;

ein gewöhnlicher Kunde der mit seinem vertrauten Freund und Komplizen nur deshalb im besetzten Kaufhaus war, um von dort etwas mitgehen lassen zu können (er hätte es auch fast geschafft, doch dann begann die Geiselnahme und alles ging logischerweise schief. Ihr ganzer schöner Plan war wegen den Geiselnehmern vollkommen ruiniert worden).

17 Jahre alt.

 

Freigelassene Geisel Nummer 12:

Susanne Beck;

eine stinknormale Kundin mit hellbraunen Haaren (die mit ziemlicher Sicherheit nicht die gesuchte Verbrecherin Melissa Klein ist, hinter der die Berliner Polizei seit einiger Zeit her war und die auch von dem jetzt leider ziemlich toten Kaufhausdetektiv namens Edward Kopier verfolgt worden war, kurz bevor diese spektakuläre Geiselnahme mit mehreren aus einem Maschinengewehr abgefeuerten Schüssen begonnen worden war).

19 Jahre alt.

 

Freigelassene Geisel Nummer 13:

David Weller;

Kunde und Freund von Peter Preuß, der auch etwas mitgehen lassen wollte, aber kurz vor der Geiselnahme von einem Kassierer erwischt wurde und dem zu diesem Zeitpunkt mit Melissa/Susanne beschäftigten Kaufhausdetektiv übergeben werden sollte. Der junge Mann lebte nach dem ziemlich merkwürdigen Motto:„Ein Verlierer ist jemand der es nicht versucht hat. Jemand der es versucht hat, aber gescheitert ist, ist natürlich auch ein Verlierer. Aber dieser Jemand ist wenigstens ein Verlierer der gekämpft und sich nicht ergeben hat. Und er ist jemand der sich auch in Zukunft mit ziemlicher Sicherheit nicht einfach so ergeben wird. Und die Menschen haben Respekt vor Leuten die immer weiter kämpfen und niemals aufgeben. Und ich bin so jemand! Ein Kämpfer! Jemand vor dem man Respekt haben sollte!“

17 Jahre alt.

 

Freigelassene Geisel Nummer 14:

Alfred Zahn;

ein harmloser alter Mann, der mit seinem kleinen Enkel etwas kaufen wollte und so in diese unangenehme Geiselnahme geraten war (die beiden waren zum Zeitpunkt des Beginns der Geiselnahme zusammen in der Spieleabteilung, weil der alte Mann seinen kleinen Enkel dort das ein oder andere Spielzeug aussuchen lassen wollte).

67 Jahre alt.

 

Freigelassene Geisel Nummer 15:

Thomas Zahn;

besagter Enkel, dem der Tag im Kaufhaus trotz allen aufgetretenen Komplikationen sehr gut gefallen hatte, denn es gelang ihm die ganze Zeit über bei seinem Opa zu bleiben (vom gewaltsamen Tod des Kaufhausdetektivs hatte der kleine Junge zum Glück rein gar nichts mitgekriegt. Hätte er es gewußt, wäre das ziemlich übel für ihn gewesen und er hätte wahrscheinlich ein Trauma erlitten).

8 Jahre alt.

 

Das Alter, die Nummern und die Namen wurden wie gesagt von dem Polizisten notiert. Aber die dazwischen liegenden Kommentare stammen selbstverständlich von meiner Wenigkeit, da nur mir als Autor all diese verschiedenen Fakten bekannt sein können und nur ich weiß was in der Zukunft in diesem Roman noch alles passieren wird.

 

 

Die 15 freigelassenen Geiseln würden noch aufs Revier gebracht werden und nach den dort üblichen Formalitäten würde man sie selbstverständlich sofort gehen lassen. Aber während sich die neugierigen Passanten und die Polizisten darüber freuten das der Geiselaustausch gutgegangen war, hatten die sieben Geiselnehmer bereits angefangen ihren Big Boß um seinen weisen Rat zu bitten. Sie hatten eigentlich nicht die geringste Ahnung, was sie tun sollten. Ron Baumeier stellte dem maskierten und behandschuhten Handlanger, der ihn zuvor an der Eingangstür empfangen hatte, eine sehr wichtige Frage:„Und? Wie sieht der Rest eueres genialen Planes aus? Ihr habt es geschafft mich aus dem Gefängnis zu holen, aber wie geht es jetzt bitte schön weiter?“

Der maskierte Handlanger zögerte und spielte nervös an seinem Maschinengewehr herum. „Nun, um ehrlich zu sein... wir haben keine Ahnung. Wir dachten, du würdest dir schon etwas geniales einfallen lassen, wenn wir dich erstmal rausgeboxt hätten. Du warst schon immer der geniale Planer und wir nur deine unbedeutenden Handlanger. Ohne dich sind wir nur ein erbärmlicher Haufen Idioten, der rein gar nichts drauf hat. Du bist das unentbehrliche Gehirn unserer berühmt berüchtigten Bande und wir sind nur entbehrliche Idioten.“, war die extrem unterwürfige Antwort des bescheidenen Dieners, der genau wie seine maskierten Freunde offenbar noch nie etwas von dem wunderschönen Wort „Ganovenehre“ gehört hatte.

„Ihr habt also ein Kaufhaus samt Kunden als Geiseln genommen und keinen Plan, wie ihr hier wieder rauskommt?! Was seit ihr eigentlich für Vollidioten? Wie können so viele Menschen so dämlich sein? Habt ihr denn unter meiner zeitweiligen Führung gar nichts gelernt?! Kann es wirklich sein das ihr so beschränkt seid?! Das ist doch nicht möglich, oder?! Wie können meine Leute nur so bescheuert sein?! Ihr arbeitet doch für ein Genie! Habt ihr euch denn während all der Zeit gar nichts von mir abgeguckt?!“, fragte der Chef seinen Handlanger wütend.

Daraufhin bettelte der unterwürfige Handlanger verzweifelt:„Bitte denk dir irgendwas aus! Wir haben keine Ahnung was wir tun sollen und wenn wir hier nicht wegkommen, werden wir bestimmt im Knast versauern. Hilf uns bitte, oh Herr und Meister. Lass uns bitte nicht im Stich. Nur du kannst uns heil hier rausbringen. Ohne deine Hilfe haben wir doch keine Chance hier wieder lebend raus zu kommen! Hilf uns!“

„Also gut. Ich werde mir etwas ausdenken. Aber dazu brauche ich Ruhe. Viel Ruhe. Also sorge dafür das die Geiseln ruhig sind und keinen Lärm machen. Und wenn sie was zu trinken brauchen oder aufs Klo müssen, dann laßt sie ruhig gewähren. Aber sorge dafür das sie es euch irgendwie mit Hilfe von leicht verständlichen Handzeichen klarmachen. Ansonsten werden sie erschossen, sowie der bescheuerte Typ an der Rolltreppe. Wieso habt ihr den eigentlich umgelegt? Gab es dafür denn irgendeinen besonderen Grund, von dem ich wissen sollte?“

„Er hat sich nicht an die Regeln gehalten, die wir ihm und den anderen Geiseln kurz zuvor vorgetragen haben. Wir mussten unseren Standpunkt klarmachen.“, antwortete der maskierte Gangster.

„Und was sind das für Regeln gewesen?“, fragte Ron.

Der bewaffnete Maskenmann antwortete fröhlich:„ Regel Nummer 1: Niemand von euch sagt auch nur ein Wort! Regel Nummer 2: Ihr tut bedingungslos das, was wir von euch verlangen! Regel Nummer 3: Wer gegen die ersten beiden Regeln verstößt, ist tot! Na, was sagst du nun Boss? Sind das nicht großartige Regeln?“

Der maskierte Handlanger war aus irgendeinem Grund auch noch stolz auf sein Werk, doch sein Boß sah ihn nur skeptisch an. „Etwas besseres ist euch nicht eingefallen? Na ja, für den Anfang wird’s vielleicht reichen, aber bescheuert ist’s trotzdem. Ihr hättet das ganze wirklich besser durchdenken sollen, bevor ihr damit angefangen habt das ganze hier durchzuziehen.“, meinte Ron Baumeier etwas enttäuscht.

„Und? Denkst du dir jetzt einen Fluchtplan aus?“, fragte der maskierte Mann mit den drei Regeln.

„Ja natürlich denke ich mir einen Plan aus. Aber zuerst sollte einer von euch die Bullen da draußen per Mikrofon informieren, dass wir etwas Neues von ihnen fordern.“

Der maskierte Handlanger sah ihn ein paar Sekunden lang an und fragte dann:„Und was fordern wir von ihnen?“

„Wir fordern 250 Pizzas. 50 davon sollen mit Salami belegt sein. 100 von ihnen mit Schinken und weitere 100 mit Pilzen. Sie sollten auf keinen Fall versuchen uns etwas ins Essen zu schmuggeln, denn die Geiseln werden es selbstverständlich vorher testen. Außerdem haben sie nur eine Stunde Zeit das Essen zu beschaffen. Und wir verlangen 250 Getränke. 100 davon sollen kleine Flaschen sein, die mit Cola gefüllt sind. 100 weitere kleine Flaschen, die mit Fanta gefüllt sind. Und dann noch 50 kleine Flaschen Mineralwasser. Für die Getränke gilt dasselbe, wie fürs Essen. Keine Tricks. Sie sollen das ganze Zeug in kleine Kartons packen und vor dem Haupteingang abstellen. Dazu haben sie wie gesagt genau eine Stunde Zeit. Wenn sie alles pünktlich abliefern, kriegen sie von uns zehn Geiseln. Wenn sie sich aber auch nur um zehn Minuten verspäten, erschießen wir in jeder weiteren Minute eine von den Geisel, die wir freilassen wollten. Natürlich werden wir alle gelieferten Sachen von unseren Geiseln ins Kaufhaus tragen lassen, damit ihre Scharfschützen uns nicht anvisieren können. Sorge dafür, dass diese Lebensmittelforderung der Polizei überbracht wird. Und danach wirst du mir alles erzählen, was du über das Gebäude weißt, denn je mehr Informationen ich habe desto besser. Anschließend werden wir vielleicht noch etwas fordern und ich werde mir einen Fluchtplan ausdenken. Oh und wenn es hier Fensterläden für die Fenster gibt, dann lass sie bitte sofort runter, damit die Geiseln nicht die ganze Zeit stehen müssen. Darum kümmerst du dich bitte zuerst.“, erklärte Ron Baumeier seinem Handlanger, dem daraufhin einfiel das es tatsächlich Fensterläden gab und man diese auch runter lassen konnte.

Daraufhin ging dieser zu seinem Komplizen, der immer noch den alten Wachmann (der seit Beginn der Geiselnahme aus Angst kaum einen Blick auf die Überwachungsbildschirme geworfen hatte) mit seiner Waffe in Schach hielt und sagte ihm, er solle die Fensterläden herunterlassen. Natürlich tat dieser das dann auch sofort. Anschließend bekamen die Geiseln den Befehl, sich wieder auf den Boden zu begeben. Diejenigen unter ihnen die aufs Klo mussten konnten gehen, da sie jetzt nicht mehr als Schutzschilde für die Scharfschützen gebraucht wurden. „Warum sind wir nicht auf die Sache mit den Fensterläden gekommen? Das ist so simpel und offensichtlich. Das hätte uns auch einfallen können, oder?“, fragte einer der Geiselnehmer den anderen.

„Keine Ahnung. Vielleicht war das mit dem Geiseln und den Fenstern eine Kurzschlußhandlung, weil wir die vielen Polizeisirenen gehört haben. Und da haben wir eben nicht an die Fensterläden gedacht.“, meinte der andere Geiselnehmer.

„Kann schon sein. Aber ist das nicht eigentlich egal? Unser Boß ist wieder da und jetzt übernimmt er das anstrengende Denken für uns. Wir brauchen uns überhaupt keine Sorgen zu machen, denn er wird uns auf jeden Fall mit Hilfe seiner genialen Pläne hier rausbringen. Wir können uns völlig auf unseren Chef verlassen. Der Mann schafft das, schließlich ist er ein Genie. Und das er zufällig mal geschnappt worden ist, war bei genauerer Betrachtung eigentlich unsere Schuld. Seine Festnahme konnte nur deshalb stattfinden, weil wir seinen brillianten Plan nicht richtig ausgeführt haben. Na ja..., er ist jedenfalls der Meinung das es unsere Schuld ist.“

„Aber das spielt jetzt auch keine allzu große Rolle mehr, denn wir haben ihn schließlich wieder aus seinem gut bewachten Gefängnis rausgeholt, damit er uns bei unseren Beutezügen durchs Land führen kann. Und dafür wird er uns bestimmt bis in alle Ewigkeit dankbar sein, denn wir können uns sicher sein das es ihm im Knast nicht sonderlich gut gefallen hat. Einem großen Mann wie ihm kann man das auch nicht verübeln, denn immerhin ist er besseres gewohnt.“, meinte der andere maskierte Mann überglücklich, denn er freute sich übermäßig darüber das sie ihren hochgeschätzten Chef endlich wiederhatten und er nun poetisch gesprochen ihre mit Skimasken gespickten Köpfe aus dem mit Scheiße gefüllten Sumpf ziehen konnte.

Außerdem waren sie sich der übergroßen Dankbarkeit ihres großen und „mächtigen“ Bosses gewiß, weshalb sie sich 100prozentig sicher waren das er sie heil aus dieser Situation rausbringen würde (obwohl es mit seiner sogenannten „Macht“ bekanntlich nicht allzu weit her war, denn sonst hätten seine geistig minderbemittelten Handlanger ihn nicht aus dem Gefängnis befreien müssen. Doch nun war er technisch gesehen frei und er würde selbstverständlich alles in seiner Macht stehende tun, um diese neu gewonnene Freiheit behalten zu können. Sofern man es überhaupt als Freiheit ansehen kann, in einem von Polizisten belagerten Kaufhaus festzusitzen).

 

 

Wenige Minuten später brüllte einer der sieben, beziehungsweise acht Geiselnehmer durch ein Mikrofon die neuen Forderungen lautstark in die weite Welt hinaus. Hauptkommissar Waldau sah nach den Forderungen sofort auf seine teure Armbanduhr. Es war 14:40 Uhr. Das hieß, dass sie bis 15:40 Uhr Zeit hatten, alle Lebensmittel zu beschaffen. Hätte es in dem Kaufhaus wenigstens ein einziges Restaurant gegeben, wäre ihnen diese Strapaze bestimmt erspart geblieben und die Geiseln hätten sofort etwas zu essen bekommen. „Und was sollen wir jetzt machen? Irgendwas müssen wir doch tun können, oder?“, fragte Vincent „das Fragezeichen“ Schuber seinen Partner und den Wolfsburger Hauptkommissar, während sie zwischen zwei Streifenwagen standen, hinter denen sie in Deckung gehen konnten und von wo aus sie den zur Zeit geschlossenen Haupteingang im Auge behalten konnten.

„Wir geben ihren Forderungen selbstverständlich nach. Das hatte ich ja sowieso vor. Eine andere Möglichkeit bleibt uns ja auch nicht, da dieser Ron Baumeier anscheinend befohlen hat die Fensterläden runter zu lassen, weshalb unsere Scharfschützen die maskierten Geiselnehmer jetzt nun nicht mehr ins Visier nehmen können. Wir können sie deshalb leider nicht mehr gleichzeitig in derselben Sekunde erschießen und so das Problem aus der Welt schaffen. Die freigelassenen Geiseln haben uns berichtet, dass bereits jemand erschossen worden ist. Und unsere Aufgabe ist es immerhin dafür zu sorgen, dass keine weiteren Geiseln draufgehen. Deshalb können wir nichts weiter tun, als zu tun was die Verbrecher sagen. Aber unsere Stunde..., oder meinetwegen unsere Sekunde, wird kommen. Ich kümmere mich jedenfalls erstmal darum, dass die Sache mit den Pizzas klappt und sie warten hier bei den Streifenwagen darauf, dass Melissa rauskommt. Und früher oder später wird sie mit Sicherheit aus diesem besetzten Kaufhaus rauskommen. So gesehen ist ihr Teil der Arbeit entspannender als meiner. Sie müssen nur abwarten bis das Mädchen mit den schwarz gefärbten Haaren rauskommt.“, erklärte G. W. seinen Kollegen, bevor er wegging um das nötige zu veranlassen.

„Ich glaube, dieser Wolfsburger Hauptkommissar nimmt uns irgendwie nicht ganz ernst. Das ist wirklich gemein. Er sollte uns schon für voll nehmen, denn immerhin haben wir genau wie er die ziemlich harte Polizeiakademie und damit auch die Ausbildung zum Kommissar absolviert. Nebenbei bemerkt bin ich wirklich froh darüber, dass wir beide, sowie jeder andere ranghohe Beamte die Polizeiakademie durchstehen mussten, um bei der Polizei Kariere machen zu können. Sonst könnte ja jeder Idiot Kommissar werden, oder? Aber trotzdem nimmt dieser Mann uns nicht für voll.“, meinte V. S. beleidigt, als der uniformierte Hauptkommissar sich kaum noch in Sichtweite der beiden Polizisten aus der Landeshauptstadt befand.

Kommissar Schuber dachte deshalb so über die Verbindung von Kariere und Akademie/Schule, da er der Meinung war das man für den eignen Erfolg hart arbeiten musste (natürlich arbeitete er nicht allzu hart, wenn er sich vollkommen darüber im klaren war, dass es sich im großen und ganzen für niemanden lohnen würde). „Es ist schon gut möglich das uns dieser Wolfsburger Hauptkommissar nicht ganz ernst nimmt. Aber das kann uns eigentlich vollkommen egal sein, denn schließlich hat er seinen Job zu erledigen und wir haben den unseren korrekt durchzuführen. Und er hat ja auch irgendwie recht, mit dem was er sagt. Die flüchtige Melissa Klein wird auf jeden Fall irgendwann aus dem besetzten Gebäude rauskommen und dann ist unser Fall abgeschlossen. Vielleicht haben wir sogar Glück und sie kommt gleich beim nächsten Austausch frei, damit wir sie dann endlich schnappen können. Und danach könnten wir sie gleich mit dem Hubschrauber, der uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde, nach Berlin bringen. Und bestimmt dürfen wir danach zur Belohnung ein paar bezahlte Urlaubstage wahrnehmen. Aber auf jeden Fall müssen wir jetzt auf die noch gefangenen Geiseln achten, so wie wir es bei den letzten 15 f. G. getan haben. Wie heißt es so schön? Holzauge sei wachsam. Wir haben zwar Gott sei Dank keine Holzaugen, aber wachsam werden wir trotzdem sein.“, erklärte C. S. seinem Kollegen gelassen, der daraufhin nur zustimmend nickte und ihm so symbolisierte das dieser mit all seinen vielen Erklärungen vollkommen richtig lag.

Übrigens würde Kommissar Christian Schubert in diesem spektakulären und komplizierten Fall mit Sicherheit noch ziemlich oft mit seinen vielen verschiedenen und meist abwegigen Vermutungen recht haben. Und wie viele andere Menschen, die mit ihren Vermutungen oft richtig lagen, liebte der Berliner Kommissar es einfach recht zu haben. Natürlich gab es auch gewisse Momente, in denen er es aus recht verständlichen Gründen einfach haßte recht zu haben: Wie zum Beispiel wenn er etwas schreckliches voraussagte und damit am Ende auch noch recht hatte.

 

 

Beinah eine Stunde später standen dutzende, mit Pizzas und Getränken gefüllte Kisten vor dem Haupteingang des Kaufhauses. Die Geiselnehmer schickten ein paar verängstigt wirkende Geiseln nach draußen und die trugen besagte Kisten nacheinander hinein, während sie von zwei Maskierten in Schach gehalten wurden. Etwa zehn Minuten später befanden sich alle Kisten im inneren des Gebäudes und die Geiselnehmer ließen wie versprochen zehn Geiseln frei. Sie hätten das auch lassen können, da sie ja bereits im Besitz der Nahrungsmittel waren. Aber zum Glück hielten sie Wort und ließen wie gesagt die zehn Geiseln frei. Die kleine Gruppe von freigelassenen Geiseln ging langsam über die Straße, ohne dass sie einer der Verbrecher mit seiner Waffe anvisierte, sowie es beim letzten Austausch der Fall gewesen war. Kurze Zeit später befanden sie sich in einem Polizeitransporter (natürlich erst nachdem Schubert, Schuber und die anderen Beamten ihre Papiere und ihre Gesichter überprüft und festgestellt hatten das Melissa Klein nicht unter ihnen gewesen war). Der Transporter fuhr sie zum Polizeirevier, wo wegen der üblichen Formalitäten auch die erste Gruppe von freigelassenen Geiseln hingefahren worden war. Schubert und Schuber besprachen mit Hauptkommissar Waldau die Lage, da sie nicht abschätzen konnten wie lange diese Geiselnahme noch dauern würde. „Wenn das so weitergeht, sind wir hier ziemlich lange beschäftigt, ob wir wollen oder nicht. Da drin sind bestimmt noch ein paar 100 Geiseln und die Gangster werden sie mit ziemlicher Sicherheit nach und nach gegen irgendwelche Dinge austauschen, die sie brauchen. Aber irgendwann werden ihnen die Geiseln ausgehen und sie werden dann entsprechende Versuche unternehmen, um abzuhauen. Die Geiselnehmer haben nun schon 25 Geiseln freigelassen und eine erschossen. 15 Geiseln haben sie für Ron eingetauscht und zehn weitere für 250 Pizzas und 250 Getränke, die wir aus Sicherheitsgründen nicht mit Schlafmittel präparieren konnten. Das heißt Ron B. bedeutet ihnen mehr, als etliche Tonnen von Nahrungsmitteln. Das bedeutet, daß diese Gangster alles tun werden, um ihren Meister heil aus dieser Situation rauszubringen.“, faßte C. S. zusammen.

Der Hauptkommissar sah Schubert verdutzt an. „Da haben sie recht. Dieser Mann scheint wirklich wichtig für die Geiselnehmer zu sein. Na ja, er ist immerhin der Chef ihrer Bande, die soweit wir wissen aus sieben Mitgliedern besteht. Daß heißt mit Ron sind es sogar acht Mitglieder. Acht Geiselnehmer. Verdammt. Wir hätten wirklich besser verhandeln sollen, als sie die 15 Geiseln gegen ihren Boß austauschen wollten. Wer weiß, vielleicht hätten wir zehn oder sogar 15 Geiseln mehr raus holen können. Aber jetzt haben sie ihren Chef wieder. Und da er der supergefährliche Kopf der kriminellen Bande ist, der meineswissens alle  Überfälle in unserem Heimatland geplant hat, haben sie jetzt einen unfairen Vorteil. Sie haben ein teuflisches Genie auf ihrer Seite. Ein böses Genie mit einem IQ von über 120, das nur erwischt wurde weil seine beschränkten Leute zufällig einmal Mist gebaut hatten. Das ist allgemein bekannt. Er hatte jeden seiner vielen Überfälle genau geplant. Das hat er uns sogar freiwillig gestanden. Er hat uns alles über seine Verbrechen verraten, außer die Namen seiner Leute, die ihn jetzt befreit haben. Er hat uns sogar gestanden das die fünf Morde eingeplant waren, die seine böse Truppe für ihn begangen hat. Dieser Mann ist wirklich gerissen und ich war so selten dämlich mein gutes Verhältnis zum Polizeichef von Wolfsburg auszunutzen, um diesen Kerl herbringen zu lassen. Das war eine lang anhaltende Kurzschlußhandlung, dessen Fehlerhaftigkeit mir erst jetzt aufgefallen ist. Wir sind so gut wie erledigt. Und das alles nur, weil ich Mist gebaut habe. Ich weiß einfach nicht mehr weiter. War meine Entscheidung jetzt richtig, oder falsch. Was sollen wir jetzt nur machen. Ron Baumeier ist doch gefährlich.“, jammerte der Wolfsburger Hauptkommissar völlig verzweifelt (er hatte seine Fassade wegen des Drucks vor Schubert bereits teilweise zerfallen lassen. Warum es gerade seinen Berliner Kollegen erwischte ist unklar).

„Waldau ist schon ein merkwürdiger Kerl. Zuerst ist er selbstsicher und denkt positiv und dann so etwas. Na ja, es ist ja auch eine wirklich brenzlige Situation und ich musste im Laufe meiner kurzen Kariere schon mit viel schlimmeren Leuten zusammenarbeiten. Aber in so einer Situation kann es schon einmal passieren, dass jemand ein wenig die Nerven verliert. Aber ihm als Leiter dieser komplexen Operation hätte das selbstverständlich nicht passieren dürfen. Vielleicht hätte er die ganze Sache wirklich besser durchdenken sollen, denn immerhin geht es hier um Ron Baumeier. Jeder Idiot weiß aus den Zeitungen das er ein böses Genie ist. Aber egal. Des Hauptkommissars Gedanken befanden sich eben in erster Linie bei den Geiseln. So was kommt schon mal vor, aber vorbildlich ist es nicht gerade. Auch wenn es in gewisser Weise nun doch wieder irgendwie vorbildlich ist. Und der Polizeichef vertraute natürlich seinem leicht verblendeten Urteil. Ich glaube langsam, ich bin einer der wenigen Beamten im Dienste der Mordkommission, der tatsächlich sein Gehirn benutzt und auf seinen Instinkt vertraut. Die meisten anderen verlassen sich nur auf die technischen Errungenschaften der letzten 100 Jahre. Es geht zwar in Ordnung besagte Errungenschaften zu benutzen, aber sich nur noch auf sie zu verlassen und von ihnen total abhängig zu werden ist einfach nicht richtig. Aber wie auch immer. Ich kann daran so gut wie nichts ändern. Und ich hätte den werten Wolfsburger Hauptkommissar auch nicht einfach so vom Austausch abhalten können, da es sein Fall ist. Ich kann nur versuchen die Situation zu retten, indem ich Waldau unbemerkt dabei helfe dieses Problem zu lösen. Er wird dafür zwar den Ruhm und die Ehre einsacken, aber das spielt keine Rolle. Es geht hier schließlich um etliche Menschenleben. Hauptsache ich weiß, was ich getan habe. Und nebenbei schnappe ich Melissa Klein. Und vielleicht gelingt es mir sogar ein paar Polizisten dazu zu bringen, dass sie endlich wieder so ermitteln, wie sie eigentlich ermitteln sollten. Am besten fange ich mit meinem hochgeschätzten Kollegen Vincent Schuber an, denn meiner Meinung nach besteht bei ihm noch Hoffnung. Aber ersteinmal kümmere ich mich um die Geiselnehmer. Diese Verbrecher haben zur Zeit einen gewissen Vorrang, denn immerhin geht es hierbei um mehrere hundert Menschenleben, die sich in den Händen von mehreren gemeingefährlichen Verbrechern befinden, die nicht zögern würden jeden einzelnen von ihnen zu töten, wenn sie nicht so etwas wie ihre Lebensversicherung wären. Diese Leute dürfen uns auf keinen Fall entkommen, denn sie werden bestimmt immer weiter Menschen überfallen und töten. Und sie werden bestimmt nicht damit aufhören, bevor wir sie nicht sicher hinter Gittern verwahrt haben. Das muss ich mir immer vor Augen halten. Aber ersteinmal muss ich mich darum kümmern, dass der werte Hauptkommissar seinen Mut und seine Tatkraft nicht einfach so mir nichts dir nichts verliert und wieder dazu in der Lage ist sich vollkommen auf die laufende Geiselnahme zu konzentrieren.“, dachte Kommissar Christian Schubert, während Hauptkommissar Waldau ihm immer weiter berichtete, was er angeblich für einen Mist gebaut hatte.

Doch Schubert hatte kaum zugehört, als Waldau ihm offenbart hatte das er nur so tat als wüßte er was Sache war und so weiter. Er hatte ihm nun gestanden wie ahnungslos er tatsächlich war (oder für wie ahnungslos er sich aus irgendeinem Grund hielt). Der Mann dachte dass er von seinem Job keine Ahnung hatte, tat aber vor allen anderen (ausgenommen Schubert) so als wüßte er was er tat. Aber alle anderen wußten das er tatsächlich Ahnung von seinem Job hatte und dachten der Hauptkommissar wüßte es auch, da er immer sehr bestimmt und selbstsicher auftrat. „Wir sind noch lange nicht erledigt Herr Hauptkommissar. Diese Typen haben zwar jede Menge Geiseln, aber auf Dauer können sie uns nicht entkommen. Immerhin sind sie in einem von uns umstellten Kaufhaus, aus dem bestimmt keine Geheimgänge rausführen. Sie können uns also eigentlich gar nicht entwischen, sofern wir die Augen offenhalten. Und ihre Entscheidung war vollkommen richtig, denn sonst wären viele Geiseln jetzt sicher nicht mehr am Leben. Und was Ron Baumeier‘s ach so hohen IQ betrifft: Es ist egal wie clever er ist, denn er war dumm genug sich mit einer der vermeintlich besten Behörden dieser Welt anzulegen. Es mag vieles geben von dem sie und ihre Leute wahrscheinlich nichts verstehen, aber mit einem Geiselnehmer und seinen Handlangern könnt ihr es noch allemal aufnehmen. Diese Leute sind uns trotz all ihrer nennenswerten Vorteile haushoch unterlegen.“, munterte Kommissar Christian Schubert den Wolfsburger Hauptkommissar auf, der daraufhin nickte und kurz über die bedeutsamen Worte seines hochgeschätzten Kollegen nachdachte.

Sekunden später antwortete er:„Sie haben recht. Es gibt keinen Geiselnehmer, der es mit uns aufnehmen könnte. Und es führt auch kein Geheimgang aus dem besetzten Kaufhaus heraus. Aber um ganz sicherzugehen bitte ich jetzt erstmal einen meiner Leute darum uns einen Bauplan zu bringen. Das hätte ich zwar schon viel früher machen sollen, aber egal. Ich gehe dann mal und kümmere mich um das nötige.“

Greg Waldau hatte seine Selbstsicherheit zurückgewonnen. Nur diesmal war besagte Selbstsicherheit nicht aufgesetzt, sondern tatsächlich echt. Er lief los und er würde mit Sicherheit nicht so schnell wiederkommen, da es ziemlich lange dauern würde einen solchen Plan zu besorgen (aber es war sehr unwahrscheinlich das dieser Plan in diesem Fall gebraucht werden würde). Kommissar Christian Schubert hatte ihm wie durch ein Wunder wieder neue Hoffnung gegeben. Doch während Greg Waldau einem von seinen treuen Beamten dutzende mehr oder weniger sinnvolle Aufträge zuwies, hielt eine schwarze Limousine vor der Polizeiabsperrung und ein älterer Mann im schwarzen Maßanzug stieg vorne aus und ging zum hinteren Teil des langen Wagens. Er war der Chauffeur und Leibwächter seines Brötchengebers und nun öffnete er seinem in die Jahre gekommenen Chef die Autotür. Der Big Boß stieg langsam aus und ging auf die Absperrung zu. „Hier können sie nicht durch. Bleiben sie bitte hinter der Absperrung und machen sie der Wolfsburger Polizei keinen Ärger.“, sagte ein uniformierter Polizist, der die auf den ersten Blick recht simple Aufgabe hatte niemanden durchzulassen.

„Das da drüben ist mein Kaufhaus! Lassen sie mich sofort durch! Ich will augenblicklich ihren Chef sprechen! Als Steuerzahler und Kaufhausbesitzer hab ich ein Recht darauf über alle Vorgänge genaustens informiert zu werden.“, schrie der reiche Geldsack den uniformierten Beamten an, während er wild mit seinem Spazierstock herumfuchtelte.

„Nun lassen sie den Chef schon durch. Es ist immerhin sein Kaufhaus. Und vielleicht kann er ihnen sogar irgendwie helfen alles wieder in den Griff zu kriegen.“, meinte der Chauffeur des reichen Kaufhausbesitzers.

„Was ist denn hier los? Macht ihnen hier etwa irgendwer Ärger?“, fragte Kommissar Schubert, der zusammen mit seinem Kollegen Vincent Schuber zufällig auf die seltsame Szene aufmerksam geworden war.

Daraufhin waren die beiden von den beiden Streifenwagen weggegangen, zwischen denen sie fast die ganze Zeit gestanden hatten. „Ich bin der Besitzer dieses Kaufhauses!“, schrie der Mann weiter.

„Erzählen sie mir sofort, was hier eigentlich los ist. Ich habe etwas von einer Geiselnahme in meinem Kaufhaus gehört. Sagen sie mir sofort was genau hier los ist, oder ich rufe den Polizeipräsidenten an und beschwere mich bei ihm über sie und sorge dafür, dass sie gefeuert werden!“, drohte der steinreiche Mann.

„Wie wollen sie das machen? Sie kennen doch nichtmal unsere Namen.“, sagte Kommissar Schubert gelassen zu dem nervtötenden Mann.

„Wie heißen sie überhaupt?“, fragte Kommissar Schuber.

„Ich bin Christopher Moll! Mir gehört dieses Kaufhaus, sowie auch etliche andere Kaufhäuser in der Stadt der Wölfe. Also sorgen sie dafür, dass ich einen vollständigen Bericht darüber erhalte, was hier eigentlich los ist!“, meckerte der alte Mann, während er noch immer großspurig mit seinem Stock herumfuchtelte.

„Jetzt hören sie mir mal zu...“

Weiter kam Vincent Schuber nicht, obwohl er den wütenden Mann gerade richtig fertigmachen wollte, denn Christian Schubert unterbrach ihn dabei:„Nun beruhigen sie sich erstmal. Die Wolfsburger Polizei hat alles unter Kontrolle. Ich schlage vor, sie warten erstmal hier und ich gehe los und schicke den offiziellen Leiter dieses Falles zu ihnen.“

Er ging los und holte Hauptkommissar Waldau, damit der sich mit dem Besitzer herumschlagen konnte. Christopher Moll beschwerte sich bei Greg Waldau über alles mögliche, unter anderem darüber, dass die Geiselnehmer möglicherweise Lösegeld fordern könnten. „Diese Verbrecher werden bestimmt Geld von mir, oder sogar vom Staat fordern! Was wollen sie dann bitte schön tun?“, fragte der werte Herr Moll, während sich sein uniformierter Chauffeur wie ein Leibwächter neben ihm postierte.

Der Hauptkommissar versicherte dem Besitzer:„Ich versichere ihnen, dass es den Verbrechern nicht ums Geld geht. Sie werden mit ziemlicher Sicherheit kein Lösegeld von uns fordern.“

„Na ja, vielleicht haben sie ja recht.“, meinte der reiche Geldsack, nachdem er sich endlich etwas beruhigt hatte.

„Hallo Polizisten! Wir fordern eine halbe Millionen Euro Lösegeld von euch. Ihr fragt euch sicher wie wir gerade auf diese Summe kommen. Sie ist leicht aufzutreiben und ihr könnt bei mageren 500.000 Euro nicht behaupten, dass ihr noch etwas mehr Zeit zum beschaffen der Kohle benötigt. Ein unbewaffneter Bote bringt das Geld zu uns ins Gebäude, während wir zehn Geiseln am Haupteingang aufstellen. Wenn euer Bote im Gebäude ist, gehen die Geiseln über die Straße und ihr könnt sie in Empfang nehmen. Und wehe ihr versucht irgendwelche krummen Touren. Laßt es lieber, denn wir kommen sowieso sofort dahinter! Schließlich haben wir ein überdurchschnittlich geniales Verbrechergenie hier drin! Ihr habt übrigens genau eine Stunde Zeit. Wenn ihr euch um mehr als zehn Minuten verspätet, werden die zehn Geiseln in einer Reihe aufgestellt und erschossen! Es ist jetzt genau 16:02 Uhr. Das heißt, ihr habt bis Punkt 17:02 Uhr Zeit unseren neuen Forderungen nachzukommen! Wenn ihr es nicht tut... nun ja, ihr wißt was dann passiert! Und wir wissen das ihr nicht wollt, das es passiert.“, schrie einer der Geiselnehmer durch sein Mikrofon aus der Mikrofonabteilung.

Der reiche Kaufhausbesitzer verschränkte hochnäsig die Arme und sah den Hauptkommissar überheblich an. „Wenigstens fordern sie das Geld nicht von mir, sondern von den Steuerzahlern. Die sind am Ende bekanntlich immer die Dummen.“, meinte Christopher Moll gelassen, woraufhin Hauptkommissar Waldau bestätigend nickte und schon mal begann Trübsal zu blasen.

„Ihr könnt das Geld von uns aus auch übrigens vom Besitzer dieses Kaufhauses, wer immer das auch ist, fordern. Schließlich geht es hier ja irgendwie auch um ihn, da es ja schließlich sein Kaufhaus ist!“, schrie der maskierte Geiselnehmer durch sein Mikrofon.

Was der Verbrecher eigentlich nur aus Spaß durchs Mikrofon gebrüllt hatte, wurde von der Polizei und dem zufällig anwesenden Besitzer sehr ernst genommen. Widerwillig erklärte er sich, nach einer langen Diskussion mit dem Hauptkommissar, damit einverstanden eine halbe Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. „Ich hoffe doch, ich kann diese enormen Ausgaben als Spende von der Steuer absetzen lassen. Nur falls ich das Geld nicht wieder kriege.“, jammerte der reiche Geldsack genervt, bevor er bei seiner Bank anrief und den dort zuständigen Leuten befahl das Geld in einem gepanzerten Wagen herzubringen, der natürlich entsprechend bewacht werden sollte.

„Machen sie sich bitte keine allzu großen Sorgen. Ich verspreche ihnen wir werden unser bestes tun, damit sie diese 500.000 Tropfen ihres Herzblutes so schnell wie möglich gesund und munter zurückbekommen. Wir Polizisten kennen uns schließlich mit Geldübergaben und der gleichen ziemlich gut aus.“, versicherte Hauptkommissar Greg Waldau dem steinreichen und stets um sein Geld bangenden Millionär.

„Dann ist mein heißgeliebtes Geld ja in besten Händen und ich brauche mir überhaupt keine Sorgen zu machen. Sie werden das schon hinkriegen, nicht war?“, erwiderte der alte Christopher Moll sarkastisch auf das Versprechen des Polizeibeamten.

Er hielt Hauptkommissar Waldau anscheinend für einen kompletten Idioten, den er mit seinen sarkastischen Sprüchen ohne allzu große Probleme fertigmachen konnte. Doch der erfahrende Wolfsburger Hauptkommissar würde sich das nicht einfach so mir nichts dir nichts gefallen lassen und immer dann mit anderen sarkastischen Sprüchen kontern, wenn der steinreiche Geldsack ihm auf irgendeine nur erdenkliche Weise blöd kam. Wenn der steinreiche Mann sich also aus irgendeinem dummen Grund streiten wollte, konnte er daß mit Greg Waldau jederzeit und überall tun. Doch die beiden Streithähne wurden von Kommissar Schubert unterbrochen, der seinen Wolfsburger Kollegen noch zu einer kleinen, aber dennoch recht sinnvollen Vorsichtsmaßnahme überreden wollte. Die einzelnen Vorkehrungen für den Einsatz der Vorsichtsmaßnahme mussten allerdings getroffen werden, bevor Christopher Moll das Lösegeld bei seiner Bank anforderte. Unterwegs würden die Beamten, die das viele Geld auf seinem langen Weg begleiteten, mit Hilfe der ihnen zur Verfügung gestellten Mittel dann im Geldtransporter die eigentliche Vorsichtsmaßnahme treffen und vielleicht zur Sicherheit nochmal das Geld durchzählen. Der Hauptkommissar und der Millionär willigten selbstverständlich in besagte Vorsichtsmaßnahme ein, die sie übrigens beide für einen Geniestreich des Berliner Kollegen hielten (dies war einer der wenigen und besonderen Momente, in denen sich Greg Waldau und der Kaufhausbesitzer vollkommen einig waren).

 

 

„Ich denke das diese ganze Sache noch richtig teuer werden wird: 250 Pizzas. Eine Pizza kostete 2,50 Euro. Zusammen sind das 625 Euro, die die Wolfsburger Polizei vorhin aus eigner Tasche bezahlen musste. Dann noch die 250 Getränke. Ein einziges davon kostete 1,50 Euro. Zusammen sind das 375 Euro. Macht zusammen 1.000 Euro, die die Wolfsburger Polizei wie gesagt aus eigner Tasche bezahlen musste. Und jetzt auch noch die halbe Millionen, die zum Glück dieser reiche Kaufhausbesitzer bezahlen muss. Und wenn die Geiselnehmer uns irgendwie austricksen und wieder allen Erwartungen doch noch entkommen, dann werden sie in der ganzen BRD bestimmt noch sehr viele Verbrechen begehen. Und diese Verbrechen werden möglicherweise wieder ein paar Menschen das Leben kosten. Und das darf niemals passieren. Unter keinen Umständen.“, erklärte Greg Waldau im Flüsterton seinen beiden uniformierten Kollegen aus der Landeshauptstadt.

Er redete extra leise, damit der steinreiche Kaufhausbesitzer sie nicht belauschen konnte. Das konnte er nämlich nun ohne den geringsten Widerstand zu erwarten tun. Denn da er der Wolfsburger Polizei freiwillig eine Summe von 500.000 Euro zur Verfügung stellte, musste Hauptkommissar Waldau ihm nun leider Gottes erlauben hinter der Absperrung den hart arbeitenden Polizisten pausenlos auf die Nerven zu gehen. Ihm blieb gar keine andere Wahl, da er den Mann ja nicht hätte zwingen können ihnen das Geld zur Verfügung zu stellen. Die Polizei war ihm etwas schuldig. Aber nun hatten die hart arbeitenden Polizeibeamten erstmal nichts weiter zu tun als auf den schwer bewachten Geldtransporter mit der halben Millionen zu warten, der mit ziemlicher Sicherheit noch eine Weile brauchen würde um den Ort des Geschehens zu erreichen. Und wenn der schwer bewachte Geldtransporter sein vorgegebenes Ziel dann endlich erreicht hätte, würde sich die Situation enorm zuspitzen und die Nerven aller Beteiligten würden enorm strapaziert werden, da es dann „Geld oder Leben“ heißen würde. Na ja, besser gesagt „Geld gegen Leben“. Und natürlich steht das Leben für die guten Menschen an erster Stelle, weshalb man auch bereit war die halbe Millionen zu zahlen. Doch wenn der richtige Moment gekommen war, würden die gut ausgebildeten Leute von der Wolfsburger Polizei den Geiselnehmern das Geld wieder entreißen und sie anschließend für immer ins Gefängnis stecken. Und dort würden sie dann mit Sicherheit langsam aber sicher verrotten. Doch bis es schließlich und endlich soweit war, würden die gemeingefährlichen Geiselnehmer alles erdenkliche tun, um sich ihrer Festnahme nach besten Kräften zu entziehen. Schließlich wollten diese Verbrecher unter keinen Umständen hinter schwedischen Gardinen landen.