Kapitel 7: Mord an der Universität

 

 

Als Christine Holfsburg alias Anja Weißer den großen Hörsaal verlassen hatte, wurde sie schon von ihrer Freundin Anna Wellenberg alias Melissa Klein sehnlichst erwartet. "Das war so was von knapp.", stöhnte Christine, als sie ihrer Freundin gegenüberstand.

Erleichtert sahen sich die zwei Mädchen in die Augen und dachten beide daran, was für ein Glück sie gerade gehabt hatten. Sie waren beide nochmal davongekommen. "Was war knapp?", fragte plötzlich eine tiefe Stimme hinter ihnen.

Es war die Stimme von Tim Ribber, der neben seinem Freund Jason Enter stand. Anna und Christine drehten sich überrascht um und die beiden Studenten lächelten sie an. "Ach gar nichts. Es war nichts wichtiges. Wir haben nur über Mädchenzeugs geredet.", meinte Anna Wellenberg, bevor sich Christine Holfsburg höflich danach erkundigte, wie den beiden Jungen denn der Vortrag des legendären Oberkommissars gefallen hätte.

Gerade als Tim und Jason etwas belangloses antworten wollten, mischte sich plötzlich der von ihnen als Streber verachtete Freddy Boldt ein und sagte im Vorbeigehen: "Die beiden Schnarchnasen haben doch überhaupt nichts mitgekriegt."

Das war zu viel für Tim und Jason. Niemand beleidigte diese beiden Herren vor den Augen der Mädchen, die sie schon seit Beginn des Semesters herumzukriegen versuchten (es war ihnen bisher leider noch nicht gelungen). Sie packten Freddy ohne zu zögern und transportierten ihn zum WC für Herren. Er würde jetzt lernen, wie man tauchte. Und diese eigentlich unnötige Erfahrung würde für ihn alles andere als angenehm werden.

 

 

Zehn Minuten später kamen sie wieder heraus und trockneten ihre Hände mit ein paar grauen Tüchern ab. Anna/Melissa und Christine/Anja standen die ganze Zeit über wie angewurzelt an derselben Stelle wie vorher. Sie waren so geschockt durch das Verhalten der beiden Studenten, dass sie die ganze Zeit nur in die Richtung gestarrt hatten, wo die Tür in die Wand eingelassen war, die Tim und Jason gerade durchschritten hatten. "Sie haben ihn einfach weggetragen.", dachte Anna entsetzt.

"Wie konnten die beiden nur so was tun?", dachte Christine geschockt.

Die beiden Jungen traten vor die beiden Mädchen, lächelten und bekamen in derselben Sekunde eine gescheuert. Anna und Christine drehten sich nach der zeitgleichen Backpfeife um und gingen einfach weg. Eigentlich hatten Tim und Jason mit einer völlig anderen Reaktion gerechnet. Aber es kommt ja meistens anders als man denkt. "Das ist alles nur Freddy‘s Schuld", dachte Tim und wußte, dass Jason dasselbe wie er dachte.

Das bedeutete Rache. Und der arme Freddy war es, der diese Rache zu spüren bekommen würde. Denn in der Sekunde, in der Tim und Jason den fortlaufenden Mädchen hinterherschauten, planten sie bereits Freddy‘s Ermordung. Tja, so schnell kann‘s gehen.

 

 

Doch aus ihrem Mordplan würde nichts werden. Denn drei Stunden später fand man die Leichen von Tim und Jason in ihrem gemeinsamen Zimmer im Studentenwohnheim. Der Dekan der Universität rief ohne zu zögern die Polizei an und ließ danach sofort Oberkommissar Schubert zum Tatort holen, der das Universitätsgelände noch gar nicht verlassen hatte. Der ehrenwerte Professor Rainer Radke hatte ihm nämlich netterweise den Campus gezeigt und währenddessen noch mit ihm über sein Fach geplaudert. Schubert hatte ein paar gute Tips in Sachen Kriminalistik für den in die Jahre gekommenen Professor gehabt. Als der Berliner Oberkommissar zusammen mit dem Professor am Tatort eintraf, war die Spurensicherung auch schon da. Schubert fragte die Beamten von der Spurensicherung, nach den üblichen Begrüßungsfloskeln, sofort nach der Todesursache in diesem Doppelmordfall. "Sie wurden beide in ihren Betten erwürgt.", entgegnete einer von den Spurensicherungsbeamten.

"Erwürgt.", sagte Schubert mehr zu sich selbst, als zu dem Professor.

Er dachte dabei an den Würger von Bremen, der sich noch immer auf freiem Fuß befand. Aber das war natürlich totaler Blödsinn, denn wieso sollte der Würger gerade nach Berlin kommen? 150.000 Euro war den Behörden seine Ergreifung wert. Es war also viel wahrscheinlicher, dass er die BRD längst verlassen hatte. Aber es war natürlich nicht auszuschließen, dass er noch in Deutschland war. Oberkommissar Schubert zog diese Möglichkeit jedenfalls in Betracht. "Wollen sie nicht ihren Partner anrufen?", fragte der Professor den nachdenkenden Beamten.

"Wie bitte? Ich hab gerade nicht zugehört. Was sagten sie?", fragte Schubert, der für kurze Zeit ganz tief in Gedanken versunken war.

"Ich wollte wissen, ob sie nicht ihren Partner anrufen wollen. Sie wissen schon; den Mann, von dem sie mir während unserer Campustour erzählt haben."

"Nein. Nicht nötig. Ich würde ihn ja anrufen, aber er hat im Büro mit einem gigantischen Berg Papierzeugs zu kämpfen. Dabei will ich ihn nicht stören, denn vielleicht ist er ja gerade am gewinnen. Außerdem kennen sie ja sicher das Sprichwort: Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen. Und er sollte den Papierkram nicht verschieben, sonst wird es nach und nach immer mehr.", erklärte Schubert dem Professor.

"Ja. Da ist bestimmt was dran.", stimmte ihm Rainer Radke zu.

"Wer hat die beiden gefunden?", fragte Schubert die Spurensicherungsbeamten, weil er denjenigen befragen wollte, der nach dem Mörder als erstes am Tatort gewesen war.

"Ein Freund von den Opfern. Er war so geschockt, dass ein Arzt ihm erstmal ein Beruhigungsmittel gegeben und ins Krankenhaus gebracht hat.", war die Antwort.

Plötzlich kam ein weiterer uniformierter Polizeibeamte angerannt. Er erkannte Oberkommissar Schubert sofort als den zuständigen Beamten und teilte ihm mit, dass ein paar Studenten eine weitere Leiche gefunden hatten. Der Name dieser dritten Leiche war Freddy Boldt. Auch er war wohl erwürgt worden. Professor Rainer Radke‘s Gesichtsausdruck verwandelte sich in blankes Entsetzen, als er vom Tode eines seiner besten Studenten erfuhr. "Wer hat die Leiche gefunden?", fragte Oberkommissar Schubert, woraufhin der junge Polizeibeamte gestand, dass er die fündig gewordenen Studenten nicht nach ihren Namen sondern nur nach dem des Opfers gefragt hatte.

"Na ja. Jeder macht mal einen Fehler. Sein sie in Zukunft aber bitte etwas achtsamer.", mahnte Schubert seinen uniformierten Kollegen.

"Ich bringe sie dann mal zu Freddy‘s Zimmer.", meinte der uniformierte Beamte.

Er führte den Oberkommissar und den neugierigen Professor zum zweiten Tatort, der sich im selben Gebäude wie der erste befand. Das Studentenwohnheim war riesig, aber der unerfahrene Beamte verfügte über einen hervorragenden Orientierungssinn und schaffte es problemlos Schubert und Radke zum zweiten Tatort zu führen. Das Wohnheim war in zwei Hälften unterteilt. Im östlichen Teil wohnten die männlichen Studenten und im westlichen Teil die weiblichen. Freddy‘s Zimmer lag direkt an der Grenze. Als die beiden Beamten und der Professor das Zimmer erreichten, standen die Studenten Carmen Kahlrt und Friedrich Kohl vor der geöffneten Zimmertür, die in das gemeinsame Zimmer von Friedrich und Freddy führte. Carmens Gesicht war kreidebleich und auch Friedrich ging es nicht besonders gut. Als sie vor ein paar Minuten das Zimmer hatten betreten wollen, war ihnen Freddy‘s Leiche sofort ins Auge gesprungen. Carmen hatte angefangen zu schreien und daraufhin war der junge, uniformierte Polizist angerannt gekommen. Als er die Leiche gesehen hatte, war er sofort losgerannt um den ranghöchsten anwesenden Beamten zu informieren. Und das war eben zufällig Oberkommissar Christian Schubert. Und nun standen Carmen, Friedrich, Schubert, Radke und der junge Polizist vor der geöffneten Zimmertür und starrten ins Zimmer hinein auf die Leiche von Freddy Boldt. Im Gegensatz zu Tim und Jason lag Freddy nicht tot in seinem Bett, sondern auf dem Fußboden. "Drei Morde an einem Tag. Furchtbar.", entgegnete Schubert.

"Ja. Grauenvoll.", stimmte ihm der uniformierte Polizeibeamte zu.

"Bringen sie die Kollegen von der Spurensicherung her.", befahl Schubert seinem unerfahrenen Kollegen, der seinem Befehl natürlich sofort Folge leistete.

"Hat einer von ihnen beiden die Leiche angefaßt?", fragte der Professor, weil er wissen wollte ob seine Studenten möglicherweise irgendwelche Spuren verwischt hatten.

"Nein. Natürlich nicht. Ich kenne schließlich die Arbeitsmethoden der Polizei, denn ich habe schon eine Menge Krimiserien gesehen. Außerdem bin ich in Professor Radke‘s Kurs. Und Carmen auch.", entgegnete Friedrich.

"Verstehe. Und wie heißen sie?", fragte Schubert den Studenten.

"Ich heiße Friedrich Kohl, aber alle nennen mich Fritz. Und das ist meine Freundin Carmen. Carmen Kahlrt. Sie erinnern sich sicher an uns. Wir haben ihnen während des Vortrags ein paar Fragen gestellt.", antwortete Friedrich.

"Ja. Ich erinnere mich. Geht es ihnen gut Carmen?", fragte Schubert die weinende junge Frau etwas besorgt.

"Es geht schon.", sagte sie, bevor sie in ein Taschentuch schnäutzte.

"Gut. Also sie beide haben den Toten zusammen aufgefunden.", stellte Oberkommissar Schubert fest, woraufhin Friedrich und Carmen gleichzeitig nickten.

"Und sie Herr Kohl teilten sich mit Herrn Boldt dieses Zimmer?", fragte Schubert.

"Ja. Richtig geraten. Ich bin sein Zimmergenosse.", bestätigte Friedrich.

"Gut. Könnte jemand ein Motiv gehabt haben Freddy Boldt umzubringen?", fragte Schubert die beiden Zeugen und Freunde des Opfers.

"Nein.", antworteten Carmen und Friedrich gleichzeitig.

Schubert sah den Professor an und wollte ihn gerade dasselbe fragen, als dieser entgegnete: "Mir fällt auch niemand ein, der ihn hätte umbringen wollen."

Endlich kam der junge uniformierte Polizist zurück. Im Schlepptau hatte er die weißgekleideten Kollegen von der Spurensicherung. "Ach, da sind sie ja endlich. Der Tote liegt gleich da drin.", sagte der Professor zu einem der Spurensicherungsbeamten.

"Wieso erzählt dieser Zivilist uns Dinge, die wir bereits wissen?", fragte sich der angesprochene Beamte in Gedanken.

Die Spurensicherungsleute betraten das Zimmer und untersuchten den Toten und seine Umgebung. Natürlich stellten sie schnell fest, das Freddy Boldt auch erwürgt worden war.

 

 

Anna Wellenberg alias Melissa Klein und Christine Holfsburg alias Anja Weißer hatten natürlich sehr schnell vom Tod der drei Studienkollegen erfahren. Zuerst hatten sie von der Ermordung von Tim Ribber und Jason Enter erfahren; weshalb sie natürlich sofort gedacht hatten, dass diese beiden Studenten von Freddy Boldt umgebracht worden waren. Ein nachvollziehbarer Gedanke, wenn man bedenkt das Anna und Christine wußten, was Tim und Jason Freddy zuvor angetan hatten. Doch kurze Zeit später berichtete ein Bekannter ihnen von Freddy Boldts Tod, weshalb die beiden gesuchten Verbrecherinnen ihre Theorie sehr schnell wieder verwarfen. "Wer hat das bloß getan, wenn es nicht Freddy war?", fragte Anna mehr sich selbst, als ihre neben ihr stehende Freundin.

"Ich weiß es nicht.", antwortete Christine, während sie leicht fröstelte, weil es draußen auf dem Campusgelände langsam ziemlich kalt wurde.

"Mir ist kalt. Lass uns doch bitte endlich wieder hineingehen.", bettelte sie Anna an.

"Nein. Im geteilten Studentenwohnheim laufen jetzt viel zu viele Polizisten herum. Wir müssen vorsichtig sein, wenn wir nicht erwischt werden wollen. Außerdem glaube ich, dass sie die einzelnen Eingänge bewachen. Vielleicht würden die wachhabenden Polizisten uns sogar hereinlassen, aber vielleicht auch nicht. So oder so würden wir nur unnötige Aufmerksamkeit auf uns ziehen. Und das sollten gerade wir zwei unbedingt vermeiden. Besser wir gehen kein Risiko ein und bleiben erstmal wie alle anderen hier draußen."

"Wenn du meinst. Wahrscheinlich hast du sogar recht.", stimmte Anna widerwillig zu, während sie versuchte sich selbst warm zu halten.

Also blieben die beiden Studentinnen ersteinmal draußen, sowie viele von ihren Gefährten es auch taten. Denn keiner hatte nach diesen drei Morden noch Lust irgendwo alleine herumzuhängen, weshalb fast alle Studenten auf dem Campusgelände herumlungerten, wo sich zur Zeit sehr viele Leute befanden. Sie gingen alle davon aus, dass der Killer es nicht wagen würde in der Öffentlichkeit zuzuschlagen. Besonders nicht, wenn so viele Polizisten in der Nähe waren. Aber in den auf dem Universitätsgelände stehenden Gebäuden sah es aus wie in einem verlassenen Geisterhaus. Bis auf den Polizisten an den einzelnen Tatorten (und natürlich Friedrich, Carmen und der Professor) war niemand mehr darin. Und das wußten die Studenten natürlich auch, weshalb sie sich jetzt nicht mehr in die Gebäude reintrauten. Schließlich bestand ja die minimale Möglichkeit, dass sich der Killer noch irgendwo da drin aufhielt und auf sein nächstes Opfer lauerte.

 

 

Oberkommissar Schubert befahl dem jungen uniformierten Beamten die beiden Zeugen Carmen und Friedrich aufs Polizeirevier zu fahren, damit sie dort etwas Kraft schöpfen und dann ihre Aussagen zu Protokoll geben könnten. Der Polizist befolgte Schubert‘s Befehl und verließ mit den beiden Studenten den Tatort. "Jetzt geht‘s also erstmal aufs Revier.", stellte Friedrich fest, während die drei die Treppe hinuntergingen.

"Ja. Aber das kennen sie bestimmt schon aus den vielen Krimiserien, die sie im Laufe ihres Lebens gesehen haben.", bestätigte der Polizeibeamte.

"Stimmt.", entgegnete Friedrich, bevor er auf den uniformierten Beamten losging und damit begann ihn zu erwürgen.

Der unerfahrene Polizist versuchte nach seiner Waffe zu greifen, doch die hatte sich bereits Carmen gegriffen. Er wollte schreien, doch er konnte nicht. Er hatte keine Chance gegen den Würger von Bremen und seine hinterhältige Komplizin. Nach ein paar Sekunden war alles vorbei und der arme Polizist lag tot auf der Treppe. "Gute Arbeit.", lobte Carmen ihren Freund.

"Danke Carmen. Dein vorgetäuschtes Geheule von vorhin war aber auch nicht von schlechten Eltern.", bedankte sich dieser.

"War doch keine große Sache... Los jetzt. Lass uns abhauen.", meinte Carmen, während sie die Waffe des Polizisten einsteckte.

"Ja. Hauen wir ab.", bestätigte Friedrich, der natürlich in Wirklichkeit gar nicht Friedrich Kohl, sondern Simon Seelin hieß.

Friedrich war der Vorname von einem seiner Opfer gewesen. Und Kohl war der Nachname von einem anderen Opfer gewesen. Nun wird sich der ein oder andere Leser sicher fragen: Wieso arbeitet Carmen Kahlrt mit Simon Seelin alias Friedrich Kohl zusammen? Die Antwort darauf ist denkbar einfach; dieses dumme Mädchen ist in diesen irren Serienmörder verliebt. Ich weiß, so was ist total bekloppt und passiert für gewöhnlich nur in Amerika, aber diesmal passierte es eben auch in Deutschland. Und angefangen hat das ganze so:

 

Das ganze begann, als Simon Seelin in Bremen beinahe erwischt worden wäre. Wie Oberkommissar Schubert bereits in seinem Vortrag erwähnte, hatte Seelin zwei Polizisten niedergeschossen, die aber Gott sei Dank überlebten. Er flüchtete erstmal quer durch die BRD, bevor er in einem Frankfurter Hotel ein Zimmer mietete, an dessen Wand nur eine große Deutschlandkarte und ein Dartbrett mit Wurfpfeilen hing. Er wußte nicht, wo er als nächstes hin sollte und so beschloß er einfach das Schicksal entscheiden zu lassen und nahm einen Dartpfeil in die Hand, um ihn in Richtung Landkarte zu werfen. Er warf den Pfeil und traf Prag in Tschechien. Auf der Deutschlandkarte waren nämlich noch Teile der Nachbarländer zu sehen. "Nein! Bloß das nicht!", schrie der geistesgestörte Killer, bevor er den Pfeil aus der wunderschönen Tschechischen Hauptstadt entfernte und sein Glück einfach nochmal versuchte.

Diesmal traf er Straßburg in Frankreich. "Verdammt! Ich will in Deutschland bleiben!", fluchte Simon, bevor er sein Glück ein weiteres Mal versuchte.

Nun traf er Zürich in der Schweiz. Er konnte einfach nicht mit Dartpfeilen umgehen. Also ging er zur Landkarte, zog den Pfeil aus Zürich heraus und betrachtete sie eine ganze Weile. "München...? Nein. Freiburg...? Nein. Baden-Baden...? Nein. Koblenz...? Nein. Erfurt...? Nein. Schwerin...? Nein, lieber nicht. Dort hab ich früher gewohnt. Irgendein alter Bekannter könnte mich wiedererkennen. Das Risiko sollte ich auf keinen Fall eingehen. Vielleicht Dresden...? Nein. Magdeburg...? Nein, besser nicht. Cottbus...? Nein. Vielleicht nach Berlin...? Ja. Warum eigentlich nicht? Berlin ist ja immerhin die Landeshauptstadt. Dort sollte ich am besten hingehen.", murmelte er, bevor er überlegte wie er am besten dorthin kommen könnte.

Er würde wohl den Zug nehmen müssen. Plötzlich hörte er einen Schrei aus dem Nebenzimmer. Instinktiv stürmte er aus seinem Zimmer raus und in das Nachbarzimmer hinein. Dort sah er auch die Person, die eben geschrien hatte. Es war ein junger Mann, der nun langsam aber sicher auf dem scheußlichen Teppich verblutete. Neben ihm stand die Frau, die wir heute als Carmen Kahlrt kennen. Sie hielt ein langes, blutverschmiertes Messer in der Hand. Carmen wollte gerade damit auf ihn losgehen, da sagte er ruhig und gelassen zu ihr: "Ich kann dir helfen ihn los zu werden."

Sie ließ von ihrem Plan den zufälligen Zeugen sofort zu töten ab und wartete stattdessen, was dieser Fremde nun tun würde. Das Opfer röchelte noch, während sich Simon zu ihm runterbeugte. "H-hilf mir... Bi-tte...", keuchte er noch, bevor der skrupellose Simon Seelin sein Taschenmesser zog und ihm blitzschnell die Kehle durchschnitt.

"Wenn du jemanden töten willst, dann mach es richtig gefälligst.", sagte Simon zu Carmen.

"Du kennst mich doch gar nicht. Warum hilfst du mir?", fragte sie ihren neuen Komplizen.

"Ich hab zur Zeit nichts besseres zu tun.", entgegnete Simon, bevor er losging um ein paar Mülltüten für die Leiche zu holen.

Als er wieder das Zimmer betrat, hatte Carmen sich die Hände gewaschen und sich aufs Bett gesetzt, um möglichst hilfsbedürftig auszusehen. Simon benutzte Carmens langes Messer, um den Toten langsam zu zersägen. Anschließend verpackte er die Leichenteile in den Mülltüten und die beiden trugen die einzelnen Stücke zu den Mülltonnen, die neben dem Hotel standen. Nachdem sie Carmens toten Ex-Freund im Müll entsorgt hatten, gingen sie wieder in ihr Zimmer zurück und stellten die Möbel so um, dass die riesigen Blutflecken unter dem Bett versteckt waren. Als sie diese Heidenarbeit erledigt hatten, sprachen sie über die Zukunft. Simon offenbarte Carmen seine Identität und sie beschlossen am nächsten Tag gemeinsam nach Berlin zu fahren. Carmen war aus unerfindlichen Gründen so fasziniert von ihrem neuen Freund, dass sie sich von ihm sogar das Töten beibringen ließ. Nun hatten sie ein gemeinsames Hobby, das ihnen beiden sehr viel Freude bereitete. Sie waren übrigens die einzigen Menschen in Deutschland, die Spaß an ihrem neuen Hobby hatten; den anderen Einwohnern unseres geliebten Heimatlandes gefiel es nicht. Und so mordeten sie sich durch die ehemalige DDR, bis sie in der Landeshauptstadt ankamen. Dort beschlossen sie zum Zeitvertreib an einer Universität zu studieren, wo sie Freddy Boldt begegneten und sich mit ihm anfreundeten. Sie beschlossen jedoch sehr schnell ihn zu ermorden und bei der Gelegenheit gleich Tim Ribber und Jason Enter umzubringen. Diese beiden hinterhältigen Verbrecher wußten genau was sie taten, als sie so taten, als fänden sie rein zufällig die Leiche ihres Kameraden. Sie wollten den Verdacht von sich lenken, denn wer verdächtigt schon die Auffinder einer Leiche? Aber als es dann hieß, sie sollten aufs Polizeirevier mitkommen, bekamen sie es doch mit der Angst zu tun. Denn schließlich hingen auf dem Revier mit ziemlicher Sicherheit jede Menge Steckbriefe von Simon Seelin. Und dieses Risiko wollten die beiden dann doch besser nicht eingehen. Also töteten sie den armen Polizisten und stahlen einfach seine Dienstwaffe. Doch ganz so einfach sollte ihre Flucht dann doch nicht werden.

 

Tja. Nun sind wir wieder an dem Punkt angelangt, an dem die beiden gemeingefährlichen Killer, denen aus für normale Menschen unerfindlichen Gründen das abmurksen von wehrlosen Menschen gefällt, den jungen und unerfahrenen Polizisten ermordet haben und sich so schnell wie möglich aus dem Staub machen wollen. Doch ganz so einfach sollte es für die beiden dann doch nicht sein. Sie wollten gerade das Studentenwohnheim verlassen, als sie die fünf Beamten bemerkten, die vor dem Eingang standen. Da konnten sie nicht rausgehen. Denn wenn sie dort herausgingen, gingen sie das Risiko ein, gefragt zu werden: "Wer seit ihr? Was habt ihr da drin gemacht? Wieso seit ihr nicht draußen bei den anderen Studenten?"

Und dieses Risiko wollten sie natürlich nicht eingehen. Zwar wäre es für Carmen ziemlich leicht gewesen die fünf Polizisten mit der eben geklauten Waffe niederzuschießen, aber dann wären weitere Gegner angelaufen gekommen und es wäre ziemlich schnell aus gewesen. Also suchten die beiden skrupellosen Serienmörder einen anderen Ausgang. Einen der nicht bewacht war. Aber natürlich fanden sie keinen. Alle Ausgänge wurden bewacht. Und den aufmerksamen Bewachern entging nichts. Rein gar nichts. Unbemerkt kam hier keiner rein oder raus. Nun saßen die beiden Killer ziemlich in der Falle.

 

 

Während Carmen und Simon durch das Gebäude irrten und darüber nachdachten, wie sie am besten entkommen könnten, dachten Schubert und der Professor darüber nach, wer die Morde begangen haben könnte. "Ob er seinen Mörder gekannt hat? Wer weiß... vielleicht waren sie sogar im selben Kurs.", vermutete der Professor.

"Davon gehe ich aus. Vielleicht waren es sogar unsere beiden Zeugen.", bestätigte Oberkommissar Schubert die Vermutung des Professors.

"Wie kommen sie denn darauf?", fragte Professor Radke.

"Ich ziehe nur die Möglichkeit in Betracht.", entgegnete Christian Schubert, in dessen Wortschatz das Wort Unmöglich berechtigterweise nicht existierte.

"Und wieso? Die beiden haben den Toten immerhin gefunden. Warum sollten der oder die Mörder so tun, als hätten sie eines ihrer Opfer gefunden?"

"Um den Verdacht von sich selbst abzulenken.", beantwortete der erfahrene Oberkommissar die Frage des Professors.

"Ich glaube nicht das Friedrich und Carmen diese furchtbaren Morde begangen haben. Sie sind immerhin zwei meiner besten Studenten."

"Ja das mag sein. Aber allein deshalb darf ich sie nicht als Tatverdächtige ausschließen.", meinte Schubert, bevor er beschloß den dritten Tatort erstmal zu verlassen.

"Wo wollen sie denn jetzt hin?", fragte Professor Radke.

"Ich sehe mich mal draußen etwas um. Vielleicht haben die Kollegen schon damit angefangen die vielen Studenten zu fragen, ob sie etwas gesehen haben. Kommen sie mit?"

"Ja gerne. Bin gespannt was wir da alles zu hören kriegen.", meinte der Professor, bevor er sich dem Oberkommissar anschloß.

Auf dem Weg nach unten stolperten sie über die Leiche des jungen Beamten, den Carmen und Simon gemeinsam getötet hatten. "Scheiße! Sie waren es doch!", fluchte Schubert beim Anblick des ermordeten Polizisten.

"Was tun wir jetzt?", fragte der Professor den Oberkommissar.

"Wir rufen Verstärkung und suchen diese durchgeknallten Serienmörder!"

Und das taten sie auch. Die Verstärkung brauchte nur wenige Sekunden, um den neuen Tatort zu erreichen. Die Tatsache das jeder Ausgang bewacht wurde, bedeutete das dieses Verbrecherpärchen noch immer ganz in der Nähe sein musste. Die Beamten mussten nur das ganze Gebäude durchsuchen und aufpassen, dass sie nicht auch umgebracht wurden. Und das konnte ja nicht so schwer sein, oder?

 

 

Während Oberkommissar Schubert und seine Leute damit anfingen das Gebäude auf den Kopf zu stellen, brachen Carmen und Simon in ein fremdes Zimmer im östlichen Teil des Studentenwohnheimes ein, dass sich im Erdgeschoß befand. Sie öffneten das Fenster und kletterten einfach so in die Freiheit. Niemand hatte ihre kleine Aktion bemerkt und so konnten sie praktisch unbeobachtet über den Campus flüchten. Dort standen zwar hunderte Studenten und etliche Polizisten herum, doch die waren alle anderweitig beschäftigt. Nur einer Person fielen die beiden Mörder auf. Anna Wellenberg alias Melissa Klein bemerkte die beiden skrupellosen Killer flüchtig, als diese unauffällig versuchten an ihr vorbeizukommen. "Das sind doch Fritz und Carmen. Wieso sehen die so aus, als wäre jemand hinter ihnen her? Da stimmt doch was nicht. Ich folge den beiden besser mal...", dachte Anna, bevor sie ihrer hochgeschätzten Freundin Christine Holfsburg alias Anja Weißer sagte, sie ginge mal kurz wohin.

Christine fragte nicht wo Anna denn hin müsse, bat sie aber bald wieder zu kommen und sie hier draußen nicht allzu lange allein zu lassen. Anna machte sich auf, die beiden Killer (von denen sie nicht wußte, dass sie Killer waren) zu verfolgen und schaffte es sogar sie trotz all den anderen Studenten nicht aus den Augen zu verlieren. Carmen und Simon bemerkten ihre Verfolgerin nicht, obwohl sie sehr wachsam waren. Aber sie hielten ja auch hauptsächlich nach den Polizisten Ausschau, die überall auf dem Campusgelände ihren Job machten. Anna war nur eine Studentin von vielen und die Killer hatten natürlich keine Angst vor ihr. Aber vor Oberkommissar Schubert und seinen Kollegen hatten sie Angst. Und der hatte natürlich nicht besonders lange gebraucht, um das aufgebrochene Zimmer mit dem geöffneten Fenster zu entdecken. Da die Beamten dachten, dass Simon und Carmen das Gebäude nicht verlassen könnten, hatten sie es versäumt viele Kollegen von der Existenz der beiden Verbrecher zu informieren. Dieses Versäumnis wurde nun nachgeholt. Die Beamten, die draußen Dienst hatten, sollten nun alle Studenten in kleine und überschaubare Gruppen zusammentreiben und nicht aus den Augen lassen. Natürlich bemerkten Carmen und Simon ziemlich schnell was die Polente vorhatte und deshalb flohen sie einfach in ein anderes Gebäude. Und ihre Wahl fiel zufällig auf das Hauptgebäude, in dem sich die Hörsäle befanden. Vor dem Eingang standen keine Polizisten mehr, da sie ja jetzt alle mit dem Zusammentreiben der Studenten beschäftigt waren. Carmen und Simon betraten unbemerkt das Gebäude; das heißt von einer Person wurden sie doch bemerkt. Und zwar von Anna Wellenberg. Natürlich folgte Anna den beiden, da sie neugierig war und wissen wollte warum sie sich vor der Polizei versteckten. Sie wußte warum sie selbst vor der Polente Angst hatte, aber nicht warum Fritz und Carmen davonliefen. Also folgte sie ihnen und wurde dabei zufällig von Oberkommissar Schubert gesehen, der kurz zuvor das geteilte Studentenwohnheim verlassen hatte. Schubert erkannte sie natürlich nicht; dazu war Anna zu weit weg. Er sah nur, wie jemand das Hauptgebäude der Universität betrat und das fand er höchst verdächtig. Der Berliner Oberkommissar rief ein paar Kollegen zu sich und befahl dem Professor, der ihn noch immer begleitete, ihn von jetzt an nicht mehr zu begleiten. Christian Schubert konnte schließlich nicht das Leben eines Zivilisten einfach so aufs Spiel setzen. Also ging er ohne den Professor, aber in Begleitung von fünf uniformierten Kollegen, in das im dunkeln liegende Hauptgebäude der Universität. Als die sechs Polizisten das Bauwerk betreten hatten, zogen sie ihre Waffen und fingen so leise wie möglich an es zu durchsuchen. Nachdem sie ein paar Minuten durch das Gebäude geirrt waren und sich fast hoffnungslos verirrt hatten, hörten sie plötzlich Schritte hinter sich. Sie drehten sich fast zeitgleich um und da standen Carmen Kahlrt und Simon Seelin. Die hinterhältige Killerin eröffnete ohne zu zögern das Feuer auf die sechs Beamten und traf fünf von ihnen mitten in den Kopf. Nur Oberkommissar Schubert‘s Kopf konnte sie nicht treffen, da dieser sich blitzschnell zur Seite warf, was dazu führte das die Kugel nur seine Schulter durchbohrte. Leider gehörte diese rechte Schulter zu dem rechten Arm, zu dem die Hand gehörte, in der sich Schubert‘s Waffe befunden hatte. Er ließ die Waffe fallen, bevor er zu Boden ging und konnte deshalb das Feuer nicht erwidern. Carmen wollte ihm den Rest geben, doch ihr war die Munition ausgegangen. Also schnappte sie sich schnell eine von den Waffen, die bis vor ein paar Sekunden noch einem von Christian Schubert‘s Begleitern gehört hatten. "Nein. Ich will ihn erwürgen.", meinte der verrückte Simon, bevor Carmen abdrücken konnte.

Schubert konnte die beiden Verbrecher trotz der Dunkelheit sehen. Auch sie konnten ihn sehen, denn obwohl im ganzen Gebäude kein Licht brannte, kam noch genügend Licht von draußen, obwohl es dort auch schon recht dunkel war. Die heruntergefallenen Waffen seiner Kollegen lagen zu weit weg, weshalb der Oberkommissar nicht nach ihnen greifen konnte. Auch seine eigene war außerhalb seiner Reichweite und er wußte das es aus war, als Carmen und Simon auf ihn zuspazierten. "Beeil dich. Bestimmt wimmelt es hier gleich von Bullen, die die Schüsse gehört haben.", meinte Carmen, während sich Simon zu dem verletzten Oberkommissar herunterbeugte, um ihn zu erwürgen.

"Und wenn schon. Wir haben jetzt genügend Waffen und Munition, um uns den Weg frei zu schießen.", meinte Simon, bevor er mit seinen Händen Schubert‘s Hals packte.

Dieser schlug ihm ohne zu zögern seine linke Faust ins Gesicht, woraufhin Simon‘s Nase zu bluten anfing. Doch er zögerte nicht lange und schlug zurück. Dann setzte er sein Werk fort und begann damit Schubert zu erwürgen. Dieser wehrte sich zwar, aber es nützte nichts. Plötzlich hörten die beiden hinter sich einen Schuss. Erschrocken blickte sich Simon nach Carmen um, die nun eine Kugel im Kopf hatte und einfach so zu Boden ging. Etwa einen Meter hinter Carmens Leiche stand Anna Wellenberg alias Melissa Klein, die sich sofort eine der herumliegenden Schusswaffen geschnappt hatte, nachdem sie den Ort des Geschehens endlich auch erreicht hatte. "Nein!", schrie Simon, bevor er versuchte nach einer der übrigen herumliegenden Waffen zu greifen.

Doch Anna war schneller und pustete auch Simon eine Kugel in die Birne. Nachdem sie den geistesgestörten Serienkiller gekillt hatte, ging sie zu Oberkommissar Schubert und fragte ihn nach seinem Befinden. "Wie geht es ihnen?", waren die ersten Worte, die diese beiden Helden meiner Geschichten wechselten.

"Den Umständen entsprechend. Danke das sie mich gerettet haben.", bedankte sich der Berliner Kriminalbeamte höflich bei seiner Retterin.

"Ich weiß wer sie sind, aber sie wissen offenbar nicht wer ich bin.", meinte Anna Wellenberg alias Melissa Klein.

"Doch ich weiß wer sie sind. Sie heißen Anna und gehen in Professor Rainer Radke‘s Kurs.", entgegnete Christian Schubert, der in diesem Moment sehr stolz darauf war, den Namen seiner Retterin noch zu kennen.

"Sie dummer Mensch! Ihretwegen musste ich wieder jemanden umbringen. Dabei wollte ich so was nie wieder tun.", fluchte Anna, bevor sie zu heulen anfing.

"Sie haben jemanden umgebracht? Wen?", fragte Oberkommissar Christian Schubert, während er seine behandschuhte Hand gegen seine schmerzende Schusswunde drückte.

"Sie kennen ihn: Jack Liefers.", gestand ihm Melissa, die einfach nicht zu weinen aufhören konnte, da das ganze für sie einfach zuviel war.

Schubert war geschockt: "S-sie sind Melissa Klein... O Gott."

"Ja sie Idiot. Natürlich bin ich Melissa Klein. Und das sie mich nicht wiedererkannt haben, beweist entweder das meine Tarnung perfekt war, oder dass sie kein besonders gutes Gesichtergedächtnis haben.", beleidigte sie ihn, während ihr weiter die Tränen über die Wangen liefen.

"Warum haben sie mich gerettet?"

"Ich konnte einfach nicht zulassen, dass diese beiden Verrückten sie auch noch umbringen. Also habe ich zur Abwechslung mal das Richtige getan.", antwortete die flüchtige Verbrecherin, während ihre Tränen auf den kalten Fußboden tropften.

"Hauen sie ab!", befahl ihr der Oberkommissar.

"Was?", fragte Melissa, während sie versuchte mit ihrem Ärmel ihre Tränen zu trocknen.

"Geben sie mir die Waffe und verschwinden sie. Die beiden Kommissare, die sie nach Deutschland überführt haben, würden sie bestimmt trotz ihrer Hilfe in den Knast wandern lassen. Aber ich bin nicht so unhöflich und undankbar, wie diese beiden Idioten."

"Heißt das, sie verraten mich nicht?"

"Natürlich nicht. Im Gegensatz zu den Kommissaren Bonnie Biedrig und Bernie Bund kann ich auch mal die Klappe halten, wenn es dem Wohle anderer Menschen dient.", erklärte der Polizist der flüchtigen Verbrecherin.

"Danke. Das vergesse ich ihnen nie.", erwiderte Melissa Klein, bevor sie dem Oberkommissar die Waffe gab und spurlos in der Dunkelheit verschwand.

Ein paar Sekunden später tauchten etliche Polizeibeamten am Ort des Geschehens auf und riefen einen Krankenwagen für Oberkommissar Schubert und einen weiteren Leichenwagen für die fünf neu hinzugekommenen Toten. Diese Leute hatten zwar sofort die Schüsse bemerkt, aber da viele von ihnen über einen sehr schlechten Orientierungssinn verfügten und das Bauwerk ziemlich kompliziert gebaut worden war, hatten sie viel länger gebraucht, als sie eigentlich hätten brauchen dürfen.

 

 

Danach ging alles sehr schnell: Oberkommissar Schubert wurde ins Krankenhaus gefahren und sein Partner und seine Familie wurden benachrichtigt. Anna kehrte ohne großes Aufsehen zu erregen zu ihrer Freundin Christine zurück und erzählte ihr unter vier Augen von ihrer selbstlosen Heldentat. Selbstverständlich erzählte Christian Schubert niemandem davon, was sich wirklich zugetragen hatte. Offiziell hieß es dann, dass ein heldenhafter Polizist die beiden Serienmörder zur Strecke gebracht hatte und niemand wagte es diese festgelegte Meinung in Frage zu stellen. Zwar waren alle froh darüber das Schubert noch lebte, aber sein hochgeschätzter Partner ärgerte sich natürlich darüber das er verwundet worden war. Einerseits ärgerte er sich, weil Schubert ja auch sein Freund war und andererseits war er sauer darüber, dass er jetzt in der nächsten Zeit nicht mehr nur seinen eigenen, sondern auch Schubert‘s Papierkram erledigen musste. Schließlich konnte Oberkommissar Schubert seinen linken Arm aufgrund der Schusswunde, die ihm die hinterhältige Carmen Kahlrt zugefügt hatte, vorläufig leider nicht mehr benutzen. Aber das war er natürlich bereit in Kauf zu nehmen, da die Studenten der Universität nun endlich wieder ruhig schlafen konnten, ohne andauernd befürchten zu müssen ermordet zu werden. Im großen und ganzen ist es also ganz gut gelaufen (wenn man von den vielen Leuten absieht, die jetzt unter der Erde liegen, oder eingeäschert worden sind): Anna Wellenberg und Christine Holfsburg können weiter an der Universität studieren, da Oberkommissar Christian Schubert Melissa Klein netterweise nicht verraten hat. Professor Rainer Radke‘s Kurs hatte zwar fünf Studenten verloren, aber alle anderen waren glücklicherweise geblieben. Sie wollten unbedingt mehr über die ganze Welt des Verbrechens erfahren und es kam sie natürlich viel billiger bei ihm zu studieren, als für den Empfang des Senders RTL-Crime zu bezahlen. Tja und Oberkommissar Christian Robert Edward Edgar Schubert war nun ein überall hochangesehener Beamte, der von seinen Kollegen als Held angesehen wurde. Zwar hatte er die Belohnung von 150.000 Euro, die auf die Ergreifung von Simon Seelin von den Behörden ausgesetzt worden war, aufgrund seines Jobs als Polizist nicht kassieren können, aber das machte ihm natürlich nichts aus. Denn er war ja nun ein echter Held. Und Helden zeichnen sich bekanntlich oftmals auch durch Bescheidenheit aus, die natürlich in gewissen Situationen auch zu Oberkommissar Christian Schubert‘s Tugenden gehörte. Und sein ehrenwerter und bei den Kollegen ebenfalls hochangesehener Partner Oberkommissar Vincent Schuber hatte nun das beneidenswerte Privileg mit einer lebenden Legende zusammenzuarbeiten. Wie heißt es so schön? Ende gut, alles gut.

 

Ende