Letztes Kapitel: Die Flucht von Melissa Klein Teil 4

 

 

Ein paar Stunden nach ihrer spektakulären Flucht aus dem Kaufhaus wurden die hinterlistigen und gemeingefährlichen Geiselnehmer zusammen mit ihrem teuflischer Anführer von mehreren Spezialeinheiten der Polizei festgenommen. Ohne die vielen kleinen und unscheinbaren Sender in den Geldscheinbündeln wäre diese Festnahme niemals möglich gewesen. Selbst wenn sie sich vertraut hätten und nur einer von ihnen alle Geldscheinbündel genommen hätte, so hätten sie sich doch irgendwann treffen müssen, um den ganzen Segen fair untereinander aufzuteilen. Ihre Gier nach Geld besiegelte sozusagen ihren Untergang und Christopher Moll würde seine halbe Millionen sehr bald zurückbekommen. Die sonst so gefährlichen Verbrecher hatten nicht die geringste Chance gegen die gut ausgebildeten Beamten, da sie ihre Waffen seit ihrer spektakulären Flucht aus dem Wolfsburger Kaufhaus leider nicht mehr besaßen. Diese acht gemeingefährlichen Kriminellen würden nun für immer im Knast versauern. Selbstverständlich berichtete man den Berliner Kommissaren Schubert und Schuber von der fast gewaltlosen Festnahme, was allerdings dazu führte das sie den eigentlichen Grund für ihre Präsenz in der Stadt der Wölfe für ein paar Stunden vergaßen und sich über den erfolgreich abgeschlossenen Fall freuten. Hauptkommissar Waldau quartierte die beiden auf Staatskosten in einem kleinem Hotel ein, da er sie sonst nirgends hätte unterbringen können. Es war ja auch nicht von Anfang an geplant gewesen, dass sie die Nacht in der Stadt der Wölfe verbrachten. Ursprünglich sollten sie ja nur Melissa Klein festnehmen und sie mit dem Hubschrauber nach Berlin zurückbringen. Aber das sie ihnen entwischen würde, hatte langfristig gesehen niemand vorausgesehen. Jedenfalls würden die beiden Berliner Kommissare ersteinmal auf Staatskosten in Wolfsburg bleiben, ausschlafen und auf neue Hinweise warten. Auf den weiteren Etappen dieser Verfolgungsjagd würden die beiden Beamten möglicherweise immer wieder irgendwo übernachten müssen. Natürlich konnten sie nicht wissen wie lange besagte Jagd noch dauern würde, aber übernachten müssten sie auf jeden Fall irgendwo. Und dieser Tatsache waren sie sich selbstverständlich auch bewußt, weshalb sie darauf hofften sich beim nächsten Mal nicht das Zimmer teilen zu müssen. Ob Greg Waldau absichtlich dafür gesorgt hatte, dass die beiden in dem Zimmer für frisch Verheiratete gelandet waren, bleibt für immer ein Geheimnis.

 

 

Melissa Klein alias Susanne Beck hatte noch immer die hübsche hellbraune Perücke auf, saß in ihrem kleinen Hotelzimmer und wartete darauf das sich der ganze Trubel endlich legte. Sie würde am Morgen des nächsten Tages noch ein letztes Mal zum Kaufhaus zurückkehren, um ihr geliebtes Auto abzuholen. Dann würde sie auf der Stelle in die Hansestadt Hamburg fahren, dort vielleicht ein paar Tage die schöne Hafenstadt besichtigen und anschließend mit einem Schiff die Bundesrepublik Deutschland für immer verlassen. Sie mochte ihre wunderbare Heimat zwar, aber das Risiko von einem Mann wie Kommissar Schubert irgendwann doch noch erwischt zu werden erschien ihr einfach zu groß. Auf gewisse Weise fürchtete sie sich vor diesem Polizeibeamten aus der Landeshauptstadt und natürlich auch vor dem Gefängnis in das man sie nach ihrer Verhaftung möglicherweise stecken würde, weshalb sie auch nebenbei dafür betete das der Kommissar ihr bloß nicht ins Ausland folgen möge. Sein Heimatland zu verlassen ist fast immer ein ziemlich gewagter Schritt. Aber da sie ja bekanntlich fließend Englisch sprechen konnte, würde sie bestimmt fast überall auf diesem Planeten ohne Verständigungsprobleme klarkommen können. Wenn man auf der Flucht ist kann es also durchaus seine Vorteile haben eine Weltsprache fließend zu beherrschen. Und es ist leicht in einer Welt unterzutauchen, in der sich so viele Länder in der selben Gemeinschaft (wie zum Beispiel in unserer hochgeschätzten Europäischen Union, oder vor vielen Jahren im legendären Warschauer Pakt) befinden. Susanne Beck hatte also eine ziemlich große und ansehnlichen Auswahl an Reisezielen. Und sie wußte selbstverständlich ganz genau, wie sie diese gigantische Auswahl auf die bestmögliche Weise nutzen konnte. Die Welt ist groß genug für einen einzelnen Menschen, um ohne nennenswerte Probleme mal eben so spurlos zu verschwinden. Auch wenn Melissa Klein/Susanne Beck eigentlich nur vorhatte auf diesem Kontinent spurlos zu verschwinden (denn nach Amerika wollte sie ja nicht, da dort ihrer Meinung nach viel zu viele Kriminelle ihr Unwesen trieben).

 

 

Es war ein bewölkter Donnerstagmorgen, als Susanne Beck zum Ort des Grauens zurückkehrte. Die Polizei hatte das ganze Chaos inzwischen beseitigt. Das Kaufhaus würde in wenigen Tagen wieder geöffnet werden und die vier Kreuzungen, von denen das Gebäude umgeben war, wurden wieder von hunderten Autofahrern benutzt. Susanne ging zu dem Ort zurück, an dem sie ihren Wagen einen Tag zuvor geparkt hatte. Und das Glück war auf ihrer Seite, denn ihr Auto befand sich noch an Ort und Stelle. Zur Sicherheit sah sie in ihrem Kofferraum nach, ob alle ihre Sachen noch drin waren. Wieder war das Glück auf ihrer Seite. Sie stieg ein, fuhr los und verschwand bereits nach wenigen Minuten in dem endlos wirkenden Verkehrssystem der Deutschen Autobahn in Richtung Hamburg. Es dauerte nicht lange, bis sie sich außerhalb der Stadt befand und an einer Tankstelle halten musste, um ihren Wagen zu füttern. Anschließend ging die Fahrt nach Norden weiter. Doch da sie sich unterwegs mehrmals verfuhr und wieder einmal in einen kleinen Stau geriet, dauerte der ganze Spaß länger als geplant. Aber hätte sie von Berlin aus den direkten Weg in die Hansestadt genommen, wäre sie bei all dem dort stattfindenen Chaos wer weiß wo gelandet. Und so kam sie erst am Abend in der großen Hansestadt an. Wie zuvor in Wolfsburg suchte sie ersteinmal ein Hotel auf und mietete dort ein kleines Zimmer. Dies tat sie allerdings erst, nachdem sie ihren Ausweis vorgezeigt und im voraus bezahlt hatte (in den meisten Hotels war das nun einmal so üblich, da die Leute selbstverständlich wissen wollen wer bei ihnen wohnt). Da das Zimmer Gott sei Dank über einen Fernseher verfügte, schaltete sie ihn auch ein. Susanne Beck war entsetzt als sie zufällig feststellte das ihr „aktuelles Foto“ in den Nachrichten auf NTV und N24 gezeigt wurde. „Das ist nicht gut. Je öfter die Menschen mein Bild im Fernsehen oder in den Zeitungen sehen, desto wahrscheinlicher ist es das ich irgendwann geschnappt werde. Zum Glück trage ich noch immer diese hellbraune Perücke, die mich unauffällig wirken läßt. Die Leute kennen mich Gott sei Dank hauptsächlich mit blonden Haaren... Also habe ich fast gar nichts zu befürchten. Mich wird schon keiner erkennen, wenn ich vorerst diese zufällig geklaute Perücke aufbehalte. Ja. Wenn ich sie schon einmal habe, dann sollte ich sie selbstverständlich auch benutzen. Natürlich müsste ich mir dann nie wieder die Haare färben. Moment mal. Auf meinem gefälschten Paßfoto habe ich schwarze Haare. Na egal. Die Polizisten, die kurz nach der Geiselnahme meine Papiere kontrolliert haben, hat diese Ungereimtheit überhaupt nicht interessiert. Und alle anderen wird es bestimmt auch nicht interessieren. Hätten sie mich gefragt, hätte ich natürlich eine Ausrede parat gehabt. Aber was ist wenn mir irgendwann mal jemand die Perücke vom Kopf reißt und ich keine gefärbten Haare darunter habe? Lächerlich. Das wird bestimmt niemals passieren. Außerdem gibt es Mittel und Wege, um eine solche Katastrophe zu verhindern bevor sie geschieht. Ich muss nur höllisch auf mich aufpassen und alles genau durchdenken, bevor ich etwas unüberlegtes tue. Mann muss immer alles genau durchdenken, wenn man die Möglichkeit hat es zu tun. An diese Devise halte ich mich mehr oder weniger seit dem Beginn meiner Flucht. Selbst meine spontanen Wegänderungen habe ich kurz vorher genau durchdacht. Und ich werde mich auch weiterhin daran halten. Was das betrifft habe ich gar keine andere Wahl. Das einzige was ich bisher nicht genau durchdacht habe... durchdenken konnte, war der Mord an meinem Entführer. Aber das ist O.K. In diesem Fall war das vielleicht sogar besser so..., denke ich. Wäre ich in der Lage gewesen darüber nachzudenken, hätte ich es vielleicht gelassen und er hätte mich gejagt und getötet. Und dann hätte er bestimmt nie wieder aufgehört Menschen umzubringen. So gesehen habe ich der Welt sogar irgendwie einen Gefallen getan. Aber einen Mord werde ich trotzdem nie wieder begehen. Auch wenn der Kerl es verdient hatte; es war irgendwie trotzdem falsch. Aber niemandem ist geholfen, wenn ich dann für seinen Tod in den Knast wandere, nur um dort zu versauern. Ich will schließlich nicht in irgendeiner Zelle sitzen und Striche an die Wand malen, oder etwas mit meiner Zellengenossin anfangen. Also tue ich es logischerweise auch nicht. Wieso sollte ich auch? Ich muss nichts tun, was ich nicht tun will. Man kann mich zu nichts zwingen. Früher als ich noch Melissa Klein war konnte man das vielleicht noch tun. Aber ich bin jetzt nicht mehr Melissa Klein. Ich bin Susanne Beck. Und Susanne Beck kann niemand zu etwas zwingen, denn sie ist ihre eigene Herrin. Und wenn ich meine Heimat ersteinmal verlassen habe, muss ich mir sowieso viel weniger Sorgen wegen all diesen mich extrem belastenden Dingen machen. Man führt eben ein viel besseres Leben, wenn man sich so selten wie möglich Sorgen macht. Das verhindert auch diese lästigen Sorgenfalten. Aber vorsichtig und mißtrauisch werde ich natürlich trotzdem bleiben. Aber von den Sorgen lasse ich mich nicht kaputtmachen. Und wenn ich erstmal weg bin, muss ich mich nicht mehr vor der Polizei fürchten. Und dann sorge ich mich nur noch um ganz alltägliche und allgemeine Dinge. Wie zum Beispiel um diese Erderwärmung und diesen Klimawandel. All die Dinge, wegen der sich normale Menschen für gewöhnlich Sorgen machen. Und wenn ich dann irgendwann anfange mich um eben diese normalen und alltäglichen Dinge zu sorgen, werde ich bestimmt auch bald ein mehr oder weniger normales Leben führen können. Auf der Flucht zu sein ist zwar ziemlich aufregend, aber ein normales Leben ist auch nicht zu verachten.“, dachte Susanne Beck, während sie sich die Sender NTV und N24 fast gleichzeitig ansah.

Sie schaltete aus purer Langeweile immer von einem Sender zum andern, womit sie natürlich irgendwann aufhörte, da es ihr verständlicherweise sehr bald zu blöd wurde. Anschließend versuchte sie sich nach dem zufälligen Anblick des sogenannten „aktuellen Fotos“ in den Nachrichten etwas zu beruhigen. Und es funktionierte tatsächlich. Sie dachte noch eine Weile nach und ihre nach und nach immer komplizierter werdenden Gedankengänge führten schließlich sogar dazu das sie bereits nach kürzester Zeit einschlief. Sie hatte schon nach kürzester Zeit aufgehört sich wegen des Fotos Sorgen zu machen, da die Presse bestimmt irgendwann aufhören würde es im Fernsehen und in den Zeitungen zu zeigen. Also begann sie statt dessen von einer wunderschönen Kreuzfahrt zu träumen. Es handelte sich dabei um den wahrscheinlich schönsten Traum, den sie je gehabt hatte. Allerdings gab es zu diesem besonderen Thema keine sonderlich große Auswahl zum vergleichen, da sie meistens aus irgendeinem Grund tief und traumlos schlief. Dies war also mal wieder bloß eine Ausnahme, die lediglich dazu da war die Regel zu bestätigen (es war Susanne ja auch gelungen die Ausnahme in der Regel „Ein Mörder der mit einem Mord durchkommt, der mordet bestimmt wieder“ zu sein, denn sie hatte sich ja geschworen niemals wieder jemanden umzubringen. Und nun war sie wieder eine Ausnahme, die eine/ihre eigene Regel bestätigte, was bei einem besonderen Menschen wie ihr selbstverständlich nicht anders zu erwarten war, da sie seit dem Beginn ihrer heimlichen und dennoch aufsehenerregenden Flucht nie wieder so sein würde wie andere Menschen für gewöhnlich waren).

 

 

Als sie am darauffolgenden Freitagmorgen aufwachte, war sie so ausgeruht wie sie es noch nie zuvor gewesen war. Sie verließ nach dem Frühstück das Hotel und fuhr ohne Umschweife in den Hafenteil der Hafenstadt, um für sich und ihren heißgeliebten Wagen ein geeignetes Schiff zu finden. Susanne hatte ihren Traum so gedeutet das sie die Hafenstadt so schnell wie möglich per Schiff verlassen musste. Es war zwar nur ein Traum gewesen, aber sie hielt es trotzdem für besser ohne allzu große Umwege zu verduften. Sie fand nur vier Schiffe die am heutigen Tag bereit waren Personen mit Autos mitzunehmen. Das erste war ausgebucht, das zweite war noch ausgebuchter, das dritte war am ausgebuchtesten und das vierte fuhr nach Bremen. Sie wollte das Land verlassen und nicht von einem deutschen Hafen in den nächsten fahren, weshalb sie widerwillig den Entschluß faßte mit ihrer endgültigen Abreise noch einen Tag zu warten. Doch diesmal informierte sie sich im voraus und fand heraus, dass am Samstag genau fünf Schiffe das Land verließen, die bereit waren gegen eine Extragebühr Autos mitzunehmen. Das erste war ausgebucht, das zweite war ausgebuchter, das dritte war ihrer Meinung nach viel zu teuer und das vierte war ebenfalls zu teuer. Das fünfte Schiff kam als einziges in Frage. Sie kaufte spontan und ohne vorher nachzufragen eine ziemlich überteuerte Fahrkarte für sich und ihr geliebtes Auto. 500 Euro für eine Fahrkarte war aus ihrer Sicht gesehen schon ziemlich teuer. Aber sie war bereit diese Summe für eine Kabine in der ersten Klasse hinzublättern, was dazu führen würde das man sie dort selbstverständlich besser bedienen würde, als die Passagiere in der zweiten und dritten Klasse. Außerdem war das Schiff ein großer Luxuskreuzer der durch halb Nordeuropa fuhr, was bedeutete das sie zusammen mit ihrem heißgeliebten Wagen aussteigen konnte wo immer sie gerade aussteigen wollte. Ihre Auswahl war zwar ein klein wenig eingeschränkt, aber ihrer Meinung nach dennoch recht eindrucksvoll. Doch für 500 Euro hätte besagte Auswahl wirklich größer sein können. Aber Susanne fand sich ohne Probleme damit ab, da sie im Grunde genommen ziemlich leicht zufriedenzustellen war. Nachdem sie überprüft hatte, wo das Schiff zur Zeit vor Anker lag, überprüfte sie zur Sicherheit noch schnell dessen Fahrplan etwas genauer. Und der in verschiedene Stops unterteilte Fahrplan ihres einigermaßen eindrucksvollen Schiffes sah ungefähr so aus:

 

Fahrplan der Silia III:

 

Erster Stop:

London (England)

Aufenthalt von 10:00 bis 18:00 Uhr.

(Es sei denn, sie wollen unbedingt hierbleiben)

 

Zweiter Stop:

Bergen (Norwegen)

Aufenthalt von 12:00 bis 18:00 Uhr.

(Es sei denn, sie wollen unbedingt hierbleiben)

 

Dritter Stop:

Shetlandinseln (Großbritannien)

Aufenthalt von 12:00 bis 19:00 Uhr.

(Es sei denn, sie wollen unbedingt hierbleiben)

 

Vierter Stop:

Färöer (Dänemark)

Aufenthalt von 10:00 bis 16:00 Uhr.

(Es sei denn, sie wollen unbedingt hierbleiben)

 

Fünfter Stop:

Reykjavik (Island)

Aufenthalt von 10:00 bis 16:00 Uhr.

(Es sei denn, sie wollen unbedingt hierbleiben)

 

Sechster Stop:

Ein zweites Mal Bergen (Norwegen)

Aufenthalt von 10:00 bis 16:00 Uhr.

(Es sei denn, sie wollen unbedingt hierbleiben)

 

Siebenter und letzter Stop:

Hamburg (BRD)

Aufenthalt von 08:00 Uhr, bis zum Ende dieses Jahres.

 

Hinweis:

 

Die Ankunftszeiten in den einzelnen Städten könnten ungenau sein (also plus minus der üblichen 20 bis 40 Minuten Verspätung, die durch einen möglichen Wetterumschwung oder andere Komplikationen entstehen könnten).

Die Abfahrten erfolgen allerdings stets pünktlich auf die Minute.

Also sein sie schon vorher an Bord und verspäten sie sich bitte nicht, denn es gibt für die Fahrkarten keine Rückerstattung.

 

Susanne steckte die soeben frisch gekaufte Fahrkarte vorsichtig in die Tasche und paßte dabei höllisch auf das sie dieses kostbare Stück Papier nicht irgendwie beschädigte. Diese Karte hatte sie immerhin ganze 500 Euro gekostet, weshalb sie sie wie ihren Augapfel hüten würde. Der Fahrplan für diese kleine Kreuzfahrt durch Nordeuropa kam ihr irgendwie merkwürdig vor. Aber das war ihr im Moment vollkommen egal, denn sie wunderte sich hauptsächlich über die Zeit die der Luxuskreuzer brauchte um von einem Ziel zum nächsten zu kommen. Aber dann dachte sie daran das es sich lediglich um eine langsame und gemütliche Kreuzfahrt und nicht um irgendeinen Rekordversuch handelte, der zum Beispiel besagte das man Nordeuropa in soundso vielen Stunden durchqueren müsste. Sie steckte ihre Hand in die Tasche und befühlte das sprichwörtliche Ticket in die Freiheit. Seit ihrer Flucht aus der Landeshauptstadt Berlin hatte sie dieses vollkommen rote Outfit an. Sie hatte sogar mehrmals darin geschlafen. Deshalb faßte sie den Entschluß sich umzuziehen, sobald sie an Bord des Schiffes und in ihrer Kabine war. Sie beschloß außerdem die folgende Nacht hinten im Wagen zu verbringen, da ihr nicht der Sinn danach stand sich noch ein weiteres Mal in einem Hotel einzuquartieren. Wahrscheinlich würde sie auf dem weichen Rücksitz von der bevorstehenden Schifffahrt träumen. Die legendäre Silia III (Fräulein Beck fragte sich ganz nebenbei, was wohl aus der Silia I und der Silia II geworden war) würde am Samstagabend pünktlich um 20:00 auslaufen und ihre Fahrt zum sogenannten „ersten Stop“ beginnen. Aber bis dahin hatte die gute Melissa Klein alias Susanne Beck noch eine enorme Menge an Zeit zum totschlagen, weshalb sie nun auch die Gelegenheit hatte, die glorreiche Stadt der Hamburger eine Weile intensiv zu besichtigen.

 

 

Zuallererst fuhr sie mit ihrem Auto eine Weile durch die Straßen und dachte dabei daran das sie diesen Wagen nur legal kaufen konnte, weil Anja ihr ihre ersten falschen Papiere günstig gefälscht hatte. Wäre sie damals nicht auf die schiefe Bahn geraten, müsste sie jetzt vielleicht nicht das Land verlassen. Doch nun musste sie es eben tun und vermutlich würde sie niemand davon abhalten können. Nachdem sie eine Weile durch die Gegend gefahren war und an alte Zeiten gedacht hatte, stöberte sie ein wenig in den verschiedensten Kaufhäusern herum und genoß dort jeden einzelnen Augenblick. Bis sie dann aus Versehen jemanden anrempelte. Es war allerdings nicht irgendein Fremder, sondern ein entfernter Verwandter von ihr. Ein sehr weit entfernter Verwandter, der allerdings aufgrund eben dieser Entfernung nicht denselben Nachnamen wie Melissa Klein alias Susanne Beck hatte. Der Name dieses jungen Mannes war übrigens Viktor Röhr und er war ein wahrscheinlich noch viel gefährlicherer und verschlagenerer Verbrecher, als sie es jemals sein würde. „Hallo Melissa. Du warst in den Nachrichten.“, begrüßte er sie, so als wäre es ihm egal das sie von der Polizei gesucht wurde.

Susanne gelangte nun zu der Ansicht, dass ihre Perücke nicht in der Lage war sie zu tarnen. Sie hatte genauso versagt, wie zuvor ihre noch immer schwarz gefärbten Haare. „Pssst.“, machte Susanne und versuchte Viktor so dazu zu bringen den Mund zu halten.

„Ich hätte nicht gedacht das ich das mal sage, aber ich bin wirklich stolz auf dich. Die Bullen haben 6.000 Euro Kopfgeld auf dich ausgesetzt. Und ich wette dein Wert wird weiter steigen, solange dich niemand erwischt. Aber keine Sorge. Ich verrate dich bestimmt nicht. Komm mit. Wir müssen den Laden unauffällig verlassen.“

„Wieso müssen wir den Laden unauffällig verlassen?“, fragte Susanne ihren Verwandten leise.

„Sprich bitte nicht so leise, sondern rede einfach ganz normal. Wenn du flüsterst, dann werden wir erst recht belauscht.“

„Also gut! Was läuft hier eigentlich?“, fragte sie ihren Verwandten in gezwungenermaßen normalem Tonfall.

„Ich und drei von meinen durchtrainierten Jungs räumen hier wirklich mächtig ab. Armbanduhren, seltene Münzen, seltene Briefmarken, Lebensmittel und so weiter. Siehst du die drei Riesen dort drüben? Das sind meine Handlanger. Sie tragen das ganze Zeug so aus dem Laden raus, dass die Arlamanlage nicht aktiviert wird. Die sind klasse. Und ich muss sie nichtmal bezahlen, sondern ihnen nur einen extrem geringen Anteil auszahlen. Und das obwohl die drei die meiste Arbeit machen.“, prahlte Viktor überheblich.

„Ja Viktor, du bist wirklich klasse. Und ich weiß das ich dir zu dank verpflichtet bin, weil du mir den ein oder anderen Trick gezeigt hast. Das war wirklich nett von dir. Nur so bin ich eine bessere Diebin geworden. Aber ich muss jetzt wirklich...“

„Du gehst nirgendwo hin. Ich brauche dich noch für eine ganz bestimmte Sache.“, unterbrach er sie.

„Du sagtest, das du mir „zu dank verpflichtet“ bist. Nun dann begleite mich doch heute Abend auf eine kleine Privatparty, für die ich noch keine weibliche Begleitung habe. Sie wird übrigens zu Ehren von Ron Baumeier abgehalten, weil er wieder geschnappt wurde. Wir trauern um ihn, denn er war einer der größten Verbrecher in diesem Land. Ich für meinen Teil trauere besonders, da ich ihn ziemlich lange gekannt habe. Bist du dem fiesesten und gerissensten Räuber von Mitteleuropa mal begegnet?“

Sie schüttelte verängstigt den Kopf. „Na macht nichts. Du wirst auf der Party trotzdem deinen Spaß haben. Dort werde ich dir alles über den guten alten Ron Baumeier erzählen. Zumindest alles was ich weiß. Er hatte bisher ein ziemlich interessantes Leben. Und wer weiß..., vielleicht gelingt ihm ja nochmal die Flucht aus dem Gefängnis. Obwohl er eigentlich neulich gar nicht geflohen ist, kann man es durchaus als Flucht bezeichnen. Aber ich bezweifle das er irgendwann wieder rauskommt. Du hättest ihn bestimmt gemocht, wenn du ihn gekannt hättest. Er ist einer der besten.“, erklärte er ihr, nachdem sie das Kaufhaus verlassen hatten.

Die drei schwarzgekleideten Riesen waren ihrem Herrn und Meister selbstverständlich unauffällig nach draußen gefolgt und liefen hinter ihm her. Man hatte sie nicht erwischt, obwohl sie eine ganze Menge Zeugs geklaut hatten. Den zuständigen Kassierern war die ganze Aktion nichtmal aufgefallen. Und das obwohl diese drei muskelbepackten Giganten nicht gerade die unauffälligsten Personen waren, die zur Zeit auf der Erdoberfläche herum wanderten und dort beinah unbeobachtet ihr Unwesen trieben. Susanne Beck begann sich von Minute zu Minute unwohler zu fühlen. „So ein verdammter Mist. Ich habe keine Lust auf so eine blöde Party zu gehen, bei der mit 100prozentiger Sicherheit eine Razzia der Hamburger Polizei stattfinden wird. Und es wird bestimmt eine Razzia geben. Denn wenn nur Idioten wie Viktor auf dieser Party sind, hat die Polizei mit Sicherheit irgendwie rausgefunden dass diese Schurkenfeier heute Abend stattfindet. Und dann lande ich bestimmt für lange Zeit im Kittchen und verpasse mein Schiff. Ich sollte mich schleunigst vom Acker machen, denn immerhin bin ich diesem Vollidioten rein gar nichts schuldig. O.K. er hat mir den ein oder anderen Trick beigebracht, aber trotzdem ist er ein Versager. Außerdem hat er mich früher ziemlich oft verprügelt, wenn ich seine ach so genialen Tricks nicht beim ersten Mal begriffen hatte. Ich gebe zwar zu das mich diese Prügel in gewisser Weise abgehärtet hat, aber er ist trotzdem ein jämmerlicher Versager. Er hat sich meineswissens immerhin 23 Mal beim klauen erwischen lassen und immer wieder Widerstand geleistet, als man ihn abführen wollte. Ich wurde zwar auch ein paarmal erwischt und verhaftet, aber ich war schlau genug mich nicht zu wehren, da das meine Lage nur noch verschlimmert und sowieso nichts gebracht hätte. Man waren meine Eltern danach immer sauer auf mich. Aber die paar Sozialstunden und das bißchen Hausarrest waren mir mein Wagen und die dafür gefälschten Papiere allemal wert. Und da ich immer beteuert hatte wie leid es mit tat auf die schiefe Bahn geraten zu sein, kam ich auch nie in den Knast oder sonstwohin. Aber dieser Vollidiot hat es einfach nicht hingekriegt sich so wie ich zu verstellen und hat daher sein halbes Leben in Besserungs- und Jugendstrafanstalten verbracht und ist nach seiner letzten Entlassung einfach abgetaucht, ohne sich zu verabschieden. Ich werde mich auf keinen Fall von ihm runter ziehen lassen. Wieso hab ich eigentlich Angst vor ihm? Wegen seiner Handlanger? Na und? Was sind die denn schon? Ein paar lausige Diebe. Und was bin ich? Eine Mörderin. Eine wirklich gefährliche Mörderin. Na also. Ich stehe im Rang weit über ihnen, auch wenn ich ja nie wieder jemanden umbringen will. Trotzdem stehen diese Idioten eine Etage tiefer als ich. Aber sie sind zu viert und bestimmt stärker und besser bewaffnet als ich es Zeit meines Lebens jemals sein werde. Genaugenommen habe ich nichtmal eine Waffe. Und außerdem will ich sie ja gar nicht umbringen, sondern nur so schnell wie möglich loswerden. Was soll ich nur machen? Wenn ich zu dieser dämlichen Party für diesen dämlichen Geiselnehmer mitgehe, werde ich bestimmt erwischt und lande im Knast. Und wenn ich nicht mitkomme, dann weiß ich nicht was Viktor und seine Leute mit mir hinterher tun werden. Dieser Kerl ist unberechenbar. Bestimmt schlagen mich seine schäbigen Handlanger grün und blau. Toll. Dann lande ich erstmal im Krankenhaus und etwas  später im Knast, weil man mich anhand meiner polizeilich registrierten Fingerabdrücke identifizieren wird. Das darf auf keinen Fall passieren. Ich muss mir etwas einfallen lassen, wie ich heil aus dieser Sache rauskomme. Diese gemeingefährlichen Irren dürfen mich auf keinen Fall in ihre kranke Welt einfügen. Ich muss das unbedingt verhindern, sonst sehe ich schwarz für meine Zukunft. Am Samstagabend muss ich auf dem Schiff sein, denn ich bin mir sicher das dieser merkwürdige Kommissar aus Berlin mich hier sehr bald aufspüren wird. Und wenn ich wegen Viktor im Gefängnis lande, muss er mich nur noch von dort abholen. Und dann werde ich vor Gericht gestellt und verurteilt. Mein Gott..., ich muss mich von Viktor so schnell wie möglich trennen, sonst ist alles aus. Dieser seltsame Kommissar aus Berlin verfolgt mich mit Sicherheit weiter. So einer gibt bestimmt nicht auf. Und wenn er mir hier in Hamburg zufällig so nah kommt wie neulich in Wolfsburg, dann wird Viktor sicher irgendwie dafür sorgen das ich von ihm erwischt werde. Bestimmt nicht absichtlich, aber dumm wie er ist... Ich habe irgendwie das ungute Gefühl, dass durch diesen dämlichen Trottel alles schiefgeht und ich wegen ihm und seinen Handlangern noch mächtige Probleme bekomme. Das muss ich auf jeden Fall verhindern, sonst bin ich wirklich erledigt. Nur wie verhindere ich das?“, dachte Susanne Beck verängstigt, während sie mit ihrem seltsamen Verwandten (in wie fern dieser seltsame Typ auch immer mit ihr verwandt war) durch die Straßen schlenderte.

Die drei Handlanger versuchten ihnen unauffällig zu folgen, was ihnen selbstverständlich nicht gelang. Es ist sehr schwer drei zwei Meter große Männer in maßgeschneiderten Anzügen zu übersehen, die einem ungleichen Pärchen folgen. Der weibliche Teil des besagten Pärchens versuchte seine beziehungsweise ihre Angst zu verbergen, was ihr auch irgendwie gelang. Und nachdem sie sich wieder einigermaßen im Griff hatte, versuchte sie weiter sich einen Plan auszudenken, wie sie ihrem gewalttätigen Verwandten am besten entkommen konnte. Sie wußte nicht genau wie er bei einer Flucht ihrerseits reagieren würde. Aber sie wußte dafür haargenau wie er reagieren würde, wenn sie seine Einladung zur Party ausschlug. Also blieb ihr nur die Flucht. Aber wenn sie sich vom Acker machte, würde er sie mit ziemlicher Sicherheit suchen. Und vermutlich würde er sie sogar finden, denn schließlich kannte dieser Bandenboß die alte Hansestadt Hamburg besser als seine eigene Westentasche. Susanne musste sich also wirklich geschickt anstellen, um diesem gemeingefährlichen Mann so schnell wie möglich zu entkommen. Doch wie sollte sie das anstellen, wenn sie nicht einmal eine Waffe dabei hatte? Und sie kannte in dieser fremden Stadt niemanden, der ihr mal eben eine brauchbare Waffe besorgen konnte. Niemanden außer dem berüchtigten Viktor Röhr, den sie selbstverständlich nicht fragen konnte. Ihr schossen plötzlich tausende von hinterlistigen und genialen Ideen durch den Kopf. Diese Ideen verwarf sie aber gleich wieder, weil sie aus verständlichen Gründen keinen weiteren Mord begehen wollte. Sie war sich auch genau deshalb absolut sicher das keine von besagten Ideen durchführbar war. Aber kaum waren die alten Ideen weg, kamen neue und nahmen ihre Plätze ein. Und eine von diesen „nagelneuen Ideen“ gefiel Susanne Beck ganz besonders, denn sie war im Gegensatz zu allen anderen tatsächlich durchführbar. Und diese funkelnagelneue Idee war wesentlich simpler als all die anderen halbwegs genialen Pläne, mit denen sie bisher während all ihrer halsbrecherischen Abenteuer mehr oder weniger zu tun gehabt hatte.

 

 

Ungefähr zur selben Zeit saßen die beiden Berliner Kommissare Schubert und Schuber auf ihren Betten und versuchten herauszufinden, wo sich Melissa Klein aufhalten könnte. Dabei half ihnen Schuberts tragbarer Laptop, der über fast jede Einzelheit im Leben der flüchtigen Verbrecherin genaustens Bescheid wußte. „Was tun wir, wenn uns niemand anruft?“, fragte Kommissar Vincent Schuber, während er auf das altmodische Handy mit der freien Leitung zeigte, die bekanntlich nur dazu diente das die beiden Kommissare aus der Landeshauptstadt irgendwie Informationen über den Aufenthaltsort von Melissa Klein alias Susanne Beck aus der Bevölkerung erhielten.

Bisher hatte leider nur ein alter Wachmann angerufen. Davon waren die beiden natürlich sofort über die freie Leitung von den Kollegen informiert worden, weshalb sie sich ja jetzt auch in Wolfsburg befanden. „Jetzt wo wir so nahe dran waren sie zu erwischen, will ich nicht aufgeben. Wir greifen also nach den uns verbleibenden Strohhalmen. Das ist auch der Grund wieso ich gerade die Verwandtschaftsliste der flüchtigen Verbrecherin durchgehe. Es wäre ja schließlich möglich das sich unter ihnen jemand befindet, der ohne zu zögern dazu bereit wäre ihr bei ihrer weiteren Flucht zu helfen. Vielleicht eine andere Kriminelle, oder ein Krimineller. Überprüfen sollten wir diese Möglichkeit auf jeden Fall. Auch wenn wir es nur tun, weil es genau genommen unser einziger verbleibender Strohhalm ist.“, erklärte Kommissar Christian Schubert seinem hochgeschätzten Kollegen.

„Eigentlich hätte ich das schon viel früher tun können, aber ich dachte..., ich meinte..., ach verdammt. Ich bin gar nicht erst darauf gekommen. Solche Fehler dürften Leuten wie mir eigentlich niemals unterlaufen. Ich hätte wenigstens ein paar Überwachungen außerhalb der Routineüberwachung der Eltern in Berlin anordnen können. So ein Mist. Das darf nie wieder passieren, denn immerhin kann alles passieren wenn ein Polizist seinen Job nicht richtig macht. Man muss stets in der Lage sein logisch zu denken. Und man sollte allen Hinweisen von Anfang an nachgehen.“, dachte Kommissar Christian Schubert, während sein Kollege ihn dabei beobachtete wie er die eindrucksvolle Familienchronik der Kleins durchging.

„Ich entnehme den hier drin gespeicherten Akten das die gute Melissa Klein nur einen einzigen noch lebenden Verwandten hat, der sich zufällig auf ungefähr der selben Bahn befindet wie sie. Damit meine ich übrigens die schiefe Bahn. Alle anderen Verwandten sind übrigens sauber. Aber wie auch immer. Jedenfalls heißt dieser seltsame Kerl Viktor Röhr und ist genauso untergetaucht wie Melissa. Auch er versteckt sich vor dem längst überfälligen Zugriff der in seinem speziellen Fall zuständigen Behörden. Nur wissen wir diesmal wenigstens wo ungefähr diese flüchtige Person untergetaucht ist.“

Christian Schubert wartete darauf, dass sein Kollege ihn endlich nach dem „wo“ fragte. Schließlich tat er ihm wie erwartet diesen einen kleinen Gefallen und der ranghöhere Kommissar fuhr ohne zu zögern fort:„In der Hafenstadt Hamburg. Dort begeht er immer wieder Straftaten. Dort treibt er sich mit seiner Bande herum. Dort wurde dieser Bandenboß vor ungefähr 20 Jahren geboren. Dort ist sein Heim, seine Burg und seine Gruft. Zumindest soll er so etwas ähnliches mal gesagt haben. Aber das ist eigentlich auch egal, denn die Zitate eines Verbrechers sind meistens vollkommen uninteressant. Vielleicht ist Melissa ja tatsächlich nach Hamburg gefahren, um sich von ihrem kriminellen Verwandten irgendwie helfen zu lassen. Diese Möglichkeit besteht immerhin und ich finde wir sollten das wenigstens überprüfen.“

„Einverstanden. Aber wieso zitiert der Computer einen gesuchten Verbrecher?“, fragte Kommissar Schuber neugierig.

„Keine Ahnung wieso er das tut. Der Gauner wird diese seltsamen Sätze wohl sooft verwendet haben, dass sie irgendwer in seine Akte eingetragen hat. Aber auch die seltsam wirkenden Zitate von flüchtigen oder gefangengenommenen Verbrechern können manchmal recht interessant sein. Sie können nämlich Aufschluß über die Persönlichkeit und die verschiedenen Ansichten der dazugehörigen Person geben. Obwohl..., was dieses Zitat von diesem Viktor Röhr betrifft...“, murmelte Kommissar Christian Schubert, ohne jemals vorgehabt zu haben den letzten Satz zu vollenden.

„Mit anderen Worten dieses kleine und unbedeutend wirkende Zitat kann uns möglicherweise dabei helfen unseren Fall aufzuklären?“, fragte Vincent Schuber seinen Partner (eine blödere Frage war ihm wohl einfach nicht eingefallen).

„Ich wünschte es wäre wirklich so. Aber alles was wir zur Zeit haben ist ein kleiner Strohhalm namens Viktor Röhr. Nur dieser komische Vogel ist uns geblieben und ich finde wir sollten ihn zum singen bringen. Er ist leider die einzige Spur der wir zur Zeit nachgehen können. Und es ist genau genommen ziemlich unwahrscheinlich, dass sie gerade zu ihm geht. Aber wir müssen dieser Spur nachgehen, da uns nichts anderes geblieben ist. Für den Fall das sie nun doch nicht bei Viktor in Hamburg ist, habe ich ja immer noch mein spezielles Handy dabei. Damit kann ich..., aber das wissen sie ja alles selbst.“, entgegnete der andere Berliner Kommissar etwas genervt.

„Sagen sie mal Herr Kollege: Kann dieser kleine Zauberkasten eigentlich auch in Erfahrung bringen in wie fern dieser ach so gefährliche Verbrecher namens Viktor Röhr mit der flüchtigen Melissa Klein verwandt ist? Ich würde das nur gerne wissen, wenn wir schon Jagd auf diesen Typen machen. Immerhin ist dieser uns persönlich unbekannte Kerl die einzige Spur, die wir zur Zeit haben.“

Kommissar Schubert dachte einen Moment nach, während sein Partner ihn fragend ansah. Dieser wartete gespannt auf eine Antwort. „Ich bin mir absolut sicher das dieser zuverlässige Computer es problemlos rausfinden kann. Aber wie auch immer. Ich werde jetzt schnell rausfinden, ob er es auch wirklich rausfinden kann. Rufen sie währenddessen Hauptkommissar Waldau an und bedanken sie sich für seine großartige Mitarbeit. Oh und bitten sie ihn doch bitte darum uns einen Streifenwagen zu schicken, der uns dann so schnell wie möglich zum Helikopterlandeplatz der Polizei fährt. Auf diese Weise kommen wir am schnellsten nach Hamburg. Also veranlassen sie bitte das nötige, damit wir sofort und ohne irgendwelche unnützen Umwege in die Hafenstadt aufbrechen können, um diesen aufsehenerregenden Fall endlich abzuschließen. Und das können wir nur schaffen, indem wir Melissa Klein endlich schnappen und nach Berlin überführen. Nun kümmern sie sich schon darum. Je mehr wir trödeln, desto größer wird der Vorsprung unserer Gegenspielerin. Wir haben nur diesen einen Strohalm. Also müssen wir ihn ziehen, denn sonst entkommt sie uns bestimmt. Und das dürfen wir auf keinen Fall zulassen. Und jetzt rufen sie endlich den Hauptkommissar an, bevor wir noch mehr Zeit verlieren. Aber vergessen sie bloß nicht ihn von mir zu grüßen.“, bat Kommissar Schubert seinen werten Kollegen, woraufhin dieser selbstverständlich brav Folge leistete und aufstand um alle seine eben vom ranghöheren Kollegen erhaltenden Anweisungen korrekt auszuführen.

Nachdem der entscheidende Anruf getätigt worden war, meldete Vincent seinem Kollegen das sie bald von einem Streifenwagen abgeholt werden würden. Dieser würde sie wie geplant zu ihrem Hubschrauber bringen. Und der würde sie dann nach Hamburg befördern, wo sie dann mit ihren Ermittlungen im Fall Melissa Klein fortfahren könnten. Doch Kommissar Schuber hatte seinem Partner noch etwas zu sagen:„Hauptkommissar Waldau meinte, dass es sie vielleicht interessieren würde...“

Er zögerte, woraufhin sein Kollege meinte er solle es ihm schon sagen und nicht so zögern. „O.K. Diese Sache wird vorerst nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Nur die ranghöchsten Kommissare wissen davon. Also behalten sie es für sich. Was red ich da..., sie würden doch nie...“

„Kommen sie doch endlich zur Sache. Was ist los? Ich will es sofort wissen.“, befahl Schubert ungeduldig.

„Also gut. Ron Baumeier und seine sieben Komplizen haben sich in der Untersuchungshaft mit irgendeiner Jugendgang angelegt. Lange Rede kurzer Sinn: Sie wurden alle aufgeschlitzt und verfaulen nun an einem ziemlich warmen Ort, den ein Typ namens Luzifer regiert. Vorerst wird die Presse nichts davon erfahren. Genausowenig wie sie erfahren werden das der ermordete Steven Munck ein Serienmörder war. Falls sie nicht mehr genau wissen wer das war; ich kann es ihnen nicht verübeln. Bis eben habe ich seinen Namen noch nie richtig gehört. Aber er wurde wohl während der Geiselnahme ermordet, weil er versucht hat den toten Ron Baumeier zu erstechen. Er hatte zu diesem Zeitpunkt bereits etliche andere Leute geschlitzt. Waldau vermutet das er es nur aus purer Langeweile getan hat. Und das ist wirklich krank. Er ist jetzt bei Baumeier und seiner Bande. Aber wie auch immer. Der Hauptkommissar hielt es jedenfalls für nötig uns diese neuen Erkenntnisse mitzuteilen. Und ich soll sie ganz nebenbei noch von ihm zurück grüßen.“, berichtete Kommissar Schuber seinem Kollegen, dem das Ende von Steven Munck, Ron Baumeier und Baumeier‘s Bande verständlicherweise nicht sonderlich naheging.

Er hatte übrigens die ganze Zeit nach der direkten Verbindung zwischen Melissa und Viktor gesucht und ihm eigentlich nur oberflächlich zugehört. Aber diese Wendung in der Geschichte hatte er natürlich trotzdem mitgekriegt, obwohl er für Steven Munck, Ron Baumeier und seine sieben Handlanger wie eben schon erwähnt rein gar nichts übrig hatte. Und kurze Zeit später hatte der ranghöhere Kommissar den Stammbaum der Familie Klein aus den Tiefen des unendlich wirkenden Netzwerks ausgegraben. Natürlich zeigte er diesen Baum bereitwillig seinem Partner und Assistenten. Wie sich herausstellte waren zwei Urgroßväter der beiden flüchtigen Verbrecher zufällig Brüder gewesen. Besagte Urgroßväter weilten schon lange nicht mehr unter den lebenden, denn sie fielen beide an der Ostfront während des legendären Ersten Weltkrieges, indem tragischerweise Millionen Menschen ihr Leben verloren. Nachdem sich die beiden Kommissare nun dieser mehr oder weniger besonderen Verbindung zwischen Melissa und Viktor bewußt waren, machten sie sich auf den Weg zum draußen bereits laut hupenden Streifenwagen. In höchstens einer Stunde würden sie Bekanntschaft mit einem alteingesessenen Hamburger Hauptkommissar namens Alfred Magolin machen. Hauptkommissar Waldau würde per Telefon noch schnell das nötige arrangieren, sodass die beiden in Hamburg auch entsprechend empfangen und bei ihren Ermittlungen unterstützt werden würden. Eine Stunde für einen Flug nach Norddeutschland mag einem natürlich auf den ersten Blick ziemlich mager vorkommen, aber ein wirklich schneller Helikopter ist durchaus in der Lage dazu diese Strecke in der oben genannten Rekordzeit mit Höchstgeschwindigkeit zurückzulegen (doch man sollte auf gar keinen Fall unterwegs seinen Kopf aus dem ziemlich leicht zu öffnenden Fenster lehnen, denn das könnte einen mal eben das Leben kosten. Und ein Menschenleben ist bekanntlich unersetzbar). Nachdem die beiden Kommissare aus der Landeshauptstadt von einem uniformierten Polizisten mit dem Streifenwagen durch die halbe Stadt gefahren worden waren, standen sie schließlich und endlich wieder vor ihrem vom Militär entworfenen Polizeihubschrauber. Kurze Zeit später tauchte auch der zuständige Pilot auf und sie konnten endlich einsteigen und losfliegen. Dieser Flug versprach wie alle anderen Flüge faszinierend zu werden, da es wirklich wunderbar sein kann ein Land aus der Luft zu betrachten. Aber die beiden Berliner Kommissare würden sich vermutlich hauptsächlich auf den Fall konzentrieren und kaum auf die vielen schönen Landschaften achten.

 

 

Währenddessen hatte Viktor Röhr Susanne Beck in sein bescheidenes Versteck geführt, dass sich in einem leerstehenden Haus befand. Er gab sein bestes, um vor ihr so richtig angeben zu können. Und wie könnte er wohl besser angeben, als wenn er ihr sein kleines Privatvermögen zeigte? Er legte ein paar sinnlos auf dem Boden herumliegende Bretter beiseite und holte einen großen Rucksack hervor. Nachdem Susanne Beck den Inhalt des Rucksacks flüchtig gesehen hatte, staunte sie nicht schlecht. „Wieviel ist das?“, fragte sie ihren weit entfernten Verwandten neugierig.

„Eine Millionen Euro. Ich habe verdammt lange gebraucht, um mit meiner Bande soviel Geld hart und ehrlich zu erarbeiten. Meine Leute haben ihren Anteil immer für mich und sich selbst verjubelt, aber ich habe nach jedem großen Coup einen großen Teil meines Anteils gespart. Und keine Sorge; meine Leute sind die einzigen, die außer mir wissen das sich dieses viele Geld in diesem offenen Versteck befindet. Und sie sind absolut loyale und zuverlässige Mitarbeiter. Deshalb werden sie mir diese ganze Kohle auch nicht klauen, während wir auf der Party sind. Sie werden dieses viele geklaute Geld hüten, so als wären es ihre eignen Augäpfel. Aber wie auch immer. Willst du vielleicht noch die Unterkünfte meiner loyalen Mitarbeiter und des Rest dieses Gebäudes sehen?“, fragte Viktor seinen Gast höflich.

Susanne nickte verlegen und so ging der kleine Rundgang weiter, nachdem der Gastgeber sein unter größten Anstrengungen zusammen geklautes Geld wieder sicher verstaut hatte. „Die Millionen gehört so gut wie mir. Das Schicksal hat mich sozusagen zu der ganz großen Kohle geführt. Sie zu stehlen wird ein Kinderspiel. Leichter als einem kleinen Baby den Schnuller zu stehlen. Nicht daß ich das je gemacht hätte. So etwas gehört sich nun wirklich nicht. Außerdem könnte ich sowieso nichts mit einem gebrauchten Schnuller anfangen, denn schließlich bin ich kein Baby mehr.“, dachte die flüchtige Verbrecherin, während sie unter Aufbietung all ihrer geistigen Kraftreserven weiterhin so tat als würde sie sich für das extrem langweilige Geschwafel ihres entfernten Verwandten irgendwie interessieren.

„Moment Melissa.“, dachte Susanne Beck plötzlich.

„Wenn man eine wirklich wichtige Entscheidung treffen muss und genügend Zeit hat, um darüber nachzudenken, dann sollte man sich die Zeit nehmen. Man muss stets in der Lage sein logisch zu denken. Gehört es sich denn wirklich ein Mitglied der eignen Familie zu bestehlen? Außerdem wollte ich andere Menschen nur noch dann beklauen, wenn es wirklich notwendig ist und ich das Geld oder die Lebensmittel wirklich brauche. Ich wollte immer nur noch Kleinigkeiten klauen, dessen Fehlen nicht weiter auffällt. Schließlich habe ich vor diesem Mord auch kein Auto gestohlen, sondern nur das nötige Bargeld für ein Auto und die dazugehörigen Gerätschaften einschließlich gefälschter Papiere mitgehen lassen. Aber selbst das wollte ich nie wieder in so großen Stil machen. Ich wollte irgendwo ein neues Leben anfangen und bedeutet das nicht eigentlich, dass man alles anders macht als vorher? Bedeutet das nicht, dass ich nicht mehr allzu kriminell sein wollte? Ach was soll‘s. Es geht hier immerhin um 1.000.000 Euro. Und eine Millionen Euro kann man bekanntlich immer gebrauchen. Außerdem... wenn ich ein neues Leben anfangen will, dann brauche ich meiner Meinung nach ein größeres Startkapital als die paar Kröten, die ich zur Zeit bei mir im Auto habe. Und ich finde, dass es sich sehr wohl gehört einen Verwandten wie Viktor zu bestehlen. Er hat die vielen Moneten ja schließlich auch irgendwelchen Leuten mir nichts dir nichts gestohlen. Und wenn er den ganzen Segen so offen rumliegen läßt, ist er eigentlich selber schuld. So lernt er vielleicht sogar aus seinen Fehlern. Wenn ich gelegentlich meine Beute versteckt habe, dann selbstverständlich so daß sie niemand einfach so mir nichts dir nichts finden kann. Aber dieser Idiot läßt eine Millionen Euro einfach so in der Gegend rumliegen, sodass sie jeder x-beliebige Obdachlose finden kann, der hier zufällig Unterschlupf sucht. Es ist wirklich kaum zu glauben, dass ich mit diesem gewalttätigen Hornochsen verwandt bin. Aber wie auch immer. Ich hole mir die Kohle. Und ich weiß auch genau, wie ich das anstellen werde. Dazu muss ich nur meinen ursprünglichen Plan durchführen und an der Durchführung ein paar kleine Änderungen vornehmen. Kein Problem. Ursprünglich hatte ich ja vor ihn zu fragen wo die Party stattfindet. Dann hätte ich ihm vorgelogen, ich hätte noch etwas zu erledigen und wir würden uns auf der Feier treffen. Natürlich wäre ich abgetaucht und selbstverständlich nicht zur Party gegangen. Anschließend hätte ich den Rest der verbleibenden Zeit im Hafenviertel verbracht und auf mein Schiff gewartet. Und wenn ich dann endlich an Bord gewesen wäre, würde er mich nie wieder sehen. Aber nun wird alles anders laufen. Ich frage ihn einfach wo die Party stattfindet und sage ihm das wir uns dort treffen werden und ich noch etwas zu erledigen hätte. Natürlich komme ich wie geplant nicht zur Feier. Aber statt sofort zu verschwinden, gehe zu diesem leerstehenden Haus zurück und hole mir die Millionen. Dann tauche ich im wahrsten Sinne des Wortes eine kleine Weile unter und warte auf mein Schiff. Anschließend sieht er mich nie wieder. Vermutlich wird er sowieso während der Razzia verhaftet, weshalb es eh eine Weile dauern wird, bis er mitkriegt was ich getan habe. Aber er hat eben angedeutet, er läßt seine ach so brutalen Wachen zurück, die das Versteck bewachen. Na ja, die drei Gorillas werde ich eben irgendwie austricksen müssen. Das kriege ich schon hin. Oh mein Gott. Diese ganze Sache ist so beängstigend einfach das es glatt eine gut durchdachte Falle sein könnte, wenn Viktor Röhr nicht für all das hier zuständig wäre. Dieser selten dämliche Kerl ist immerhin dumm genug einfach so eine ganze Millionen in der Gegend rumliegen zu lassen. Er denkt wohl das sowieso niemand unter diesen uralten Holzbrettern nachsieht. So was nennt man in seiner Welt wohl „das offene Versteck“, weil dort niemand nachsieht. Aber es gibt Menschen, die gerade deshalb dort nachsehen. Ich jedenfalls werde mir die Kohle holen. Zwar ist es nicht richtig einen Verwandten zu bestehlen, aber er hat es wirklich verdient beklaut zu werden. Außerdem habe ich es wirklich verdient dieses viele Geld zu besitzen. Als ich noch jünger war hat er mich ziemlich oft fertig gemacht. Da habe ich mir dieses Schmerzensgeld wirklich verdient. Also ist es nur fair wenn ich ihn zur Kasse bitte, ohne mit ihm vorher darüber zu reden. Er hat es wirklich nicht anders verdient. Und es ist besser ihn zu bestehlen, als mit ihm auf eine Party zu gehen. Ich war vor langer Zeit schon einmal mit ihm auf einer Party zu Ehren von meinen und seinen Eltern. Das war die Hölle.“, dachte sie, während Viktor jede Menge uralte Geschichten erzählte, die Susanne natürlich nicht die Bohne interessierten  (es ging sowieso nur um die vielen verschiedenen Verbrechen, die ihr merkwürdiger Gastgeber im Laufe seines Lebens begangen hatte).

Sie hatte natürlich nur noch Augen für die leicht zu habenden Millionen, die ihrem Gastgeber gehörten. Selbstverständlich ließ sie sich rein gar nichts anmerken, was ihr bei dem vielen Geld verständlicherweise ziemlich schwer fiel. Zum Glück merkte Viktor Röhr nicht das sie es eigentlich nur auf seine heißgeliebte Kohle abgesehen hatte. Doch er würde es schon irgendwann merken. Spätestens wenn ihm auffiel das sie sein ganzes geklautes Bargeld spurlos hatte verschwinden lassen.

 

 

Wenig später log sie ihrem entfernten Verwandten vor das sie noch ein paar äußerst wichtige Angelegenheiten zu erledigen hätte. Er fiel darauf herein und sagte ihr dass die Party zu Ehren von Ron Baumeier um 20:00 Uhr stattfindet. Dann gab Viktor ihr auch noch eine Visitenkarte mit der dazugehörigen Adresse und ließ sie ohne den geringsten Hintergedanken weggehen. Viktor Röhr ging tatsächlich davon aus, dass er sie pünktlich um 20:00 Uhr vor dem Gebäude treffen würde, in dem die Feierlichkeiten stattfinden sollten. Die Feier würde übrigens erst in ein paar Stunden beginnen, weshalb Susanne beschloß ersteinmal zurück zu dem Kaufhaus zu laufen, vor dem sie ihr Auto geparkt und widerwillig zurückgelassen hatte. Wenn sie dann ihren Wagen wiederhätte, würde sie noch etwas durch die schöne Hafenstadt fahren und dann kurz vor 20:00 Uhr in das mehr oder weniger leerstehende Gebäude eindringen, an den Handlangern vorbei schleichen und das Geld stehlen. Die nächsten 24 Stunden würde sie mit ihrem Auto vielleicht am Hafen verbringen und vielleicht so gegen 19:00 Uhr mit ihrem Wagen an Bord der Silia 3 gehen/fahren. Sie wanderte durch die Straßen der alten Hansestadt und kam ihrem Ziel immer näher, als plötzlich jemand rief:„Hey Melissa! Wie geht’s dir?!“

Aus alter Gewohnheit (die sie übrigens aus verständlichen Gründen sehr bald ablegen würde) drehte sie sich um und keine zwei Meter von ihr entfernt stand Sandra Weck. „Hallo Melissa. Ich verbringe die religiösen Feiertage und das Wochenende bei meinen Verwandten in Hamburg.“

Sandra sah ihre ehemalige Klassenkameradin an und lächelte. Dutzende Menschen gingen an den beiden vorbei, doch keiner nahm Notiz von ihnen. Susanne nahm ihre Perücke vorsichtig ab, warf sie auf den Bürgersteig und trampelte wütend darauf herum (Leute die sie gut kannten, oder die verdammt gute und geschulte Augen hatten, erkannten sie anscheinend sowieso problemlos). Noch immer nahm niemand von ihnen Notiz. Sandra ging langsam einen Schritt auf Melissa/Susanne zu. „Nun kann ich ihr endlich heimzahlen, dass sie mir Frank weggenommen hat. Ihretwegen hat er mich verlassen und ich musste mich mit Anton Bar als Liebhaber zufriedengeben. Die beiden sind jetzt tot und schmoren laut den Zeitungen mit ihren jeweiligen Mördern in der Hölle. Aber sie ist noch da und ich muss nichts weiter tun als die Polizei anzurufen. Und nebenbei bringt mir die ganze Sache noch 6.000 Euro ein. Das ist wirklich ausgleichende Gerechtigkeit. Das Schicksal meint es wirklich gut mit mir. Und ich wollte anfangs nichtmal nach Hamburg fahren, um meine Verwandten hier zu besuchen. Gut das ich mich am Ende doch noch richtig entschieden habe. So bekommt jeder was er verdient und ich werde sogar noch für das mir zugefügte Leid entschädigt. Das ist perfekt. Etwas besseres hätte mir eigentlich gar nicht passieren können.“, dachte das werte Fräulein Weck, während sie Susanne mit ihrem durchdringenden Blick festnagelte.

Sandra strich sich durch die blonden Haare und sagte in eiskaltem Ton zu ihrer Rivalin:„Du bist so was von erledigt Schätzchen.“

Sandra zückte ihr Handy und Susanne wollte gerade weglaufen, als ihre Rivalen gelassen zu ihr sagte:„Weglaufen nützt nichts. Du weißt das ich schneller bin als du. Bleib einfach hier stehen, laß mich meinen lang ersehnten Triumph genießen und die 6.000 Euro Belohnung kassieren. So ersparst du uns beiden eine lange und sinnlose Hetzjagd durch diese wunderbare Stadt, die ich sowieso besser kenne als du sie jemals kennen wirst. In einem Western aus Hollywood würde jemand wie ich jetzt sagen:„Nimm es nicht persönlich. Ich tue das nur wegen dem Kopfgeld“ Aber ich will das du es persönlich nimmst, denn es ist sehr persönlich!“

Susanne wußte das sie gegen Sandra keine Chance hatte; selbst wenn sie so schnell wie möglich wegrannte. Und etwas antun konnte sie ihrer Rivalin natürlich auch nicht, weil die beiden zum einen von etlichen Menschen umgeben waren und weil sie sich zum andern geschworen hatte niemals wieder jemanden umzubringen. Nichtmal Sandra. Also musste sie sich schnell etwas einfallen lassen, um heil aus dieser brenzligen Situation raus und nicht in den Knast zu kommen. „Warte!“, rief Susanne als ihre oftmals hinterlistige Rivalin gerade mit ihrem funkelnagelneuen Handy die Hamburger Polizei anrufen wollte, um endlich Rache nehmen und die Belohnung von 6.000 Euro einstreichen zu können.

Aber sie war bereit zu warten und sich wenigstens anzuhören was ihre Lieblingsfeindin zu sagen hatte. „Was ist los? Denk ja nicht daß du mich aufhalten kannst.“

„Ich will dich gar nicht aufhalten, sondern dir bloß einen überaus gewinnbringenden Handel vorschlagen. Hör mir wenigstens zu, bevor du etwas unüberlegtes tust.“

„Was für ein Handel soll das sein?“, fragte Sandra Weck neugierig, woraufhin Susanne langsam zwei Schritte auf sie zuging, somit näher bei ihr stand und zu flüstern beginnen konnte.

Doch statt zu flüstern redete sie in normalem Tonfall weiter (da sie ja genau wußte daß das Flüstern Lauscher anzog):„Statt mageren 6.000 Euro könntest du ganze 60.000 kassieren. Was hältst du davon? So ein Angebot kriegt man nur einmal im Leben. Und wenn ich im Gefängnis lande, dann befindet sich das Geld natürlich für immer außerhalb deiner Reichweite. Also was sagst du?“

„Und was muss ich dafür tun?“, fragte Sandra interessiert.

„Du musst nur zwei Sachen tun. Erstens darfst du niemandem mitteilen das ich hier bin und du mich hier gesehen hast. Und zweitens musst du mir dabei helfen das ganze Geld zu stehlen. Dann bekommst du auch die 60.000 Euro.“

„Und wieviel bekommst du? Auch 60.000 Euro? Oder bekommst du etwa mehr als ich?“

„Äh..., nun ich bekomme...“

Susanne zögerte, da ihre Gegnerin jede noch so gute Lüge früher oder später durchschauen würde. „Wieviel ist es genau? Von was für einer Summe reden wir hier?“

„Wir reden von einer Millionen Euro. Eine ganze Millionen, die einfach nur so in der Gegend herumliegt. Wir müssen nur drei unbezahlte und vermutlich recht unachtsame Wachmänner austricksen, ein paar schäbige Holzbretter wegschieben und schon gehört die Millionen uns. Was hältst du davon?“

„Eine Millionen? Einverstanden. Für soviel Geld bin ich gern bereit auf meine Rache zu verzichten. Ich will aber die Hälfte von der ganzen Kohle haben. 500.000 Euro für dich und 500.000 Euro für mich. Wenn du dich weigerst, dann landest du im Kittchen. Also sag schon. Wann und wo stehlen wir das Geld?“, fragte Sandra ihre neue Verbündete, die sich ersteinmal widerwillig damit einverstanden erklärte ihr die Hälfte der Beute zu geben.

„Das zeige ich dir alles kurz vor 20:00 Uhr. Ich hoffe du kannst dich solange von deiner Familie entfernen, ohne dass sie anfangen sich unnötige Sorgen um dich zu machen.“

Sandra nickte und nach einer kurzen Beratung beschlossen die beiden ersteinmal zu Susannes Wagen zu gehen. Ihre jetzt sowieso für immer nutzlose Perücke ließ sie einfach auf der Straße liegen. Sie hatte ihr zwar nach dem Austausch gegen Ron Baumeier die Freiheit bewahrt, aber nun brauchte sie sie nicht mehr. Von ihrer neuen Identität und ihrem Plan die Stadt per Schiff zu verlassen erzählte die flüchtige Verbrecherin ihrer vermeintlich neuen Freundin aus Sicherheitsgründen übrigens nichts. Wie heißt es so schön? Trau schau wem. Und sie würde nach all der Zeit nicht plötzlich anfangen ihrer durchtriebenen Rivalin über den Weg zu trauen. Die alten Wunden waren dazu noch viel zu tief. Susanne/Melissa hatte Sandra mehr oder weniger den Freund ausgespannt und sie nebenbei in fast jeder Englischarbeit haushoch übertrumpft (ihre Mitschüler hatten bei fast jeder Arbeit Wetten laufen gehabt, wer von ihnen wohl die bessere Note bekommen würde). Und so viele aufeinanderfolgende Niederlagen hinterlassen bekanntlich Spuren. Aber für ein Schmerzensgeld von 500.000 Euro war Sandra Weck offenbar tatsächlich bereit auf ihre Rache zu verzichten und das noch frisch geschliffene Kriegsbeil zu begraben. Aber sicher ist sicher, weshalb Susanne Beck auch schwieg wie ein Grab. 

 

 

Während die beiden Frauen ihr Bündnis besiegelt hatten, war der vom Militär entworfene Helikopter bereits mit seinen beiden Insassen in der Hafenstadt gelandet. Schubert und Schuber waren ausgestiegen und zu Hauptkommissar Alfred Magolin gebracht worden. Nach den üblichen Begrüßungsfloskeln kam der alteingesessen Hamburger Hauptkommissar gleich zur Sache:„Wie ich von einem meiner Wolfsburger Kollegen hörte, vermuten sie das sich eine flüchtige Verbrecherin in meiner Stadt aufhält. Wie kommen sie darauf, dass sie sich gerade hier befindet?“

„Wir gehen davon aus, dass sie hier Kontakt zu einem ziemlich weit entfernten Verwandten aufnimmt. Zu einem gewissen Viktor Röhr. Und außerdem könnte sie von hier jederzeit mit einem Schiff flüchten, falls ihr dieser Viktor doch nicht hilft.“, antwortete Kommissar Christian Schubert seinem im Rang weit über ihm stehenden Hamburger Kollegen.

„Ein Griff nach einem Strohhalm?“, fragte Hauptkommissar Magolin, woraufhin die beiden Berliner Kommissare einstimmig nickten.

„Ich hoffe sie haben Verständnis dafür das meine Mittel..., nun ich kann nicht den gesamten Hafenbetrieb sabotieren, nur weil der minimale Verdacht besteht das sich eine flüchtige Verbrecherin auf einem der vielen Schiffe befindet. Aber ich kann ihnen gerne dabei helfen Viktor Röhr zu schnappen, damit dieser Kriminelle ihnen dann vielleicht dabei hilft Melissa Klein zu finden und vielleicht sogar festzunehmen.“

„Sie wissen wo dieser Kerl steckt?“, fragte Vincent ungläubig.

„Nein. Aber dank eines ziemlich gut bezahlten Informanten weiß ich ganz genau wo er und etliche andere Verbrecher heute Abend pünktlich um 20:00 Uhr sein werden. Da steigt nämlich eine kleine Unterweltfete zu Ehren des kürzlich verstorbenen Ron Baumeier. Natürlich wissen diese Verbrecher noch nicht, dass Baumeier tot ist. Aber wie auch immer. Die Feierlichkeiten finden jedenfalls in einem uns bekannten Gebäude statt und mit Hilfe mehrerer Spezialeinheiten schlagen wir dort um 20:10 Uhr zu. Die meisten Verbrecher werden schon vor 20:00 Uhr dort sein, da der Veranstalter Wert auf Pünktlichkeit legt. Etwa 250 Polizisten werden das Gebäude umzingeln und stürmen. Wir rechnen mit über 100 Festnahmen, denn es werden eine Menge Leute dasein, die sich selbst für ganz große Bosse halten. Ihre Banden werden leider nicht dort sein. Aber wenn man einer giftigen Schlange den Kopf abschlägt wächst er nicht so schnell wieder nach. Die Leiter unserer Spezialeinheiten rechnen nur mit minimalem Widerstand. Nur ein paar muskelbepackte Türsteher mit Schlagstöcken. Mit denen nehmen es unsere Leute locker auf. Allein schon weil die Spezialeinheiten besser bewaffnet sind als die Verbrecher.“, erklärte Hauptkommissar Alfred Magolin den beiden Kommissaren aus der Landeshauptstadt.

„Haben sie was dagegen wenn wir mitkommen?“, fragte Kommissar Schubert. „Nein. Kommen sie ruhig mit. Ein paar Leute mehr können bei so einer Sache bestimmt nicht schaden. Sie werden einfach zusammen mit mir die wirklich gerissenen Oberschurken festnehmen.“, meinte der Hamburger Hauptkommissar.

„Wieso gerade die Oberschurken?“, fragte Vincent „das Fragezeichen“ Schuber den Hamburger Hauptkommissar.

„Weil die auf jeden Fall versuchen werden durch einen streng geheimen Geheimgang zu flüchten, von dem die meisten anderen natürlich nichts wissen. Ich und ein paar bewaffnete Kollegen warten selbstverständlich am Ausgang dieses Ganges. Sie können mich gerne dorthin begleiten, um mir bei dieser Sache etwas zur Hand zu gehen.“, bot der Hamburger Hauptkommissar seinen beiden Berliner Kollegen an.

Die beiden Kommissare nahmen das großzügige Angebot natürlich dankbar an. Nun würden sie zum zweiten Mal in dieser Woche an einer wirklich gefährlichen Aktion zum Wohle der Gesellschaft teilnehmen. Und mit etwas Glück würden sie besagte Aktion sogar überleben.

 

 

„Wer hat dir eigentlich das Autofahren beigebracht?“, fragte Sandra ihre neue Partnerin, während sie durch die große Hansestadt fuhren.      „Meine Mutter. Sie war der Meinung das ich wissen sollte wie so etwas funktioniert. Aber natürlich wissen sie und mein Vater nichts von der Existenz dieses wunderbaren Wagens und der dazugehörigen Papiere, die ich von einem Großteil des Geldes bezahlt habe, das ich im Laufe der Zeit zusammen geklaut habe. Ich hätte sie und meinen Vater nicht nur mit einem kurzen Abschiedsbrief abspeisen sollen. Sie haben wirklich mehr verdient als daß was ich ihnen hinterlassen habe. Die beiden haben sich so wunderbar um mich gekümmert...“, erklärte Susanne, als ihr schlechtes Gewissen begann sich kurz zu melden (sie begann ihre Familie ein wenig zu vermissen und sich schuldig zu fühlen, weil sie sie einfach so mir nichts dir nichts verlassen hatte).

Sandra Weck sagte rein gar nichts dazu, sondern nickte nur. Die beiden schwiegen eine halbe Ewigkeit, bis Sandra schließlich und endlich das Schweigen brach, indem sie fragte:„Wann sind wir endlich da? Wir fahren jetzt schon eine halbe Ewigkeit durch diese altehrwürdige Stadt. So lange kann es doch wirklich nicht dauern dorthin zu kommen, oder? Bist du dir absolut sicher dass du wirklich weißt wo es langgeht?“

„Es dauert nicht mehr lange. Wir sind gleich da. Dann bekommst du dein Geld.“, meinte Susanne kurz angebunden.

Dieses seltsame Bündnis zwischen den beiden war der einen Partnerin unheimlicher als der anderen. Wenige Minuten später hatten sie wie geplant ihr Ziel erreicht und waren auch schon aus dem roten Wagen ausgestiegen. Zu diesem besonderen Zeitpunkt war es kurz vor 20:00 Uhr.

 

 

Zur selben Zeit hatten die ersten Spezialeinheiten bereits damit begonnen das Partygebäude zu umzingeln und die noch nicht eingelassenen Gäste bemerkten selbstverständlich nichts von alledem. Viktor Röhr wartete zusammen mit den anderen Kleinkriminellen vor dem Gebäude und hoffte das Melissa/Susanne bald auftauchen würde. Sogar als endlich alle Gäste in das leerstehende Haus eingelassen worden waren, wartete er noch immer vor dem Haupteingang. Nur er und der Türsteher standen noch draußen. Viktor starrte fast pausenlos auf seine Uhr und wunderte sich warum seine Begleitung noch nicht hier war. Plötzlich begann sein Gehirn mit Höchstgeschwindigkeit zu arbeiten. Er zählte endlich zwei und zwei zusammen. Und nachdem beim erstenmal 22 bei dieser Zählung herausgekommen war, fiel es ihm endlich wie Schuppen von den Augen. Nun erlebte er zum ersten und einzigen Mal in seinem Leben einen Moment vollkommener Klarheit. Melissa. Die Millionen. Was war er doch für ein selten dämlicher Vollidiot gewesen. Seine Leute konnten rein gar nichts tun, da sie sich nur an ihnen vorbei schleichen musste, um sein schlecht verstecktes Geld mir nichts dir nichts zu stehlen. Er wollte gerade loslaufen, als ihm auffiel das ihn und den Türsteher etwa ein Dutzend bewaffnete Männer vom SEK umzingelt hatten. Sie waren die ersten Gangster, die in der heutigen Nacht festgenommen werden sollten. Die Männer vom SEK stürmten das Gebäude und nahmen so ziemlich jeden darin existierenden Verbrecher fest. Jeder nennenswerte Widerstand wurde gebrochen und die vielen Kriminellen wurden in grüne gepanzerte Polizeibusse gesperrt und abtransportiert. Ein paar ganz schlaue Bosse benutzten den unterirdischen Geheimgang von dem Hauptkommissar Magolin den beiden Berliner Kommissaren berichtet hatte. Die drei warteten mit ein paar anderen Beamten geduldig am Ausgang darauf dass die sogenannten „großen Bosse“ endlich auftauchen würden. Sekunden später ging die Tür auf und die Gangster wurden erwischt. Bevor die Männer vom SEK sie packen konnten, zog einer von den Kriminellen eine Pistole und schoß auf Hauptkommissar Magolin. Seine kugelsichere Weste rettete ihm das Leben, doch der Verbrecher wollte noch ein weiteres Mal schießen. Kommissar Schubert zog seine Walther PPS (Polizeipistole Schmal von der Carl Walther GmbH) und schoß ihm in die Hand, woraufhin der Schurke seine veraltete Waffe losließ und verzweifelt versuchte die Blutung zu stoppen. Schubert war eben schon immer ein hervorragender Schütze gewesen. Der verwundete Verbrecher wurde zusammen mit den anderen Kleinkriminellen abgeführt, nachdem ein Polizist provisorisch seine Wunde versorgt und die Blutung erfolgreich gestoppt hatte. Kurze Zeit später war die ganze Aktion zu Ende und so gut wie jeder Bandenboß befand sich in Untersuchungshaft. Einer von den festgenommenen Bossen namens Viktor regte sich besonders auf. Er schrie immerzu:„Mein Geld! Sie stiehlt mir mein Geld! Ich muss auf der Stelle hier raus! Ich muss mein Geld retten! Laßt mich endlich aus diesem Drecksloch raus!“

Niemand von all den Leuten die ihn hören mussten nahm ihn auf irgendeine Weise ernst. Vielleicht lag das daran das außer ihm noch etliche andere Leute wie Verrückte herum brüllten. Jeder wollte aus verständlichen Gründen seine Zelle so schnell wie möglich verlassen. Doch niemand von all den gefangengenommenen Leuten hatte durch seine Gefangenschaft soviel zu verlieren wie der seit langem gesuchte Verbrecher Viktor Röhr. Er verlor immerhin gerade eine ganze Millionen, die er in den Monaten und Jahren zuvor mit Mühe und Not vielen verschiedenen Leuten nach und nach geklaut hatte. Es war für ihn so, als hätte seine entfernte Verwandte aus Berlin mal ebenso sein jahrelang aufgebautes Lebenswerk zerstört. Na ja, genau genommen war es nicht nur für ihn so, sondern es war objektiv betrachtet tatsächlich so. Sie hatte ihm das weggenommen, wofür er und seine Leute etliche andere Leute ausgeraubt und brutal zusammengeschlagen hatten. Und das tat natürlich verdammt weh.

 

 

Während die ganze Aktion rund um die Verbrecherparty ablief, hatten sich Sandra und Susanne schon an den Wachen vorbei in das leerstehende Gebäude geschlichen und hatten die Bretter geschickt beiseite geräumt. Nachdem sie die Millionen gefunden hatten, waren sie mit dem Geld ohne zu zögern und den Moment zu genießen aus dem Haus verschwunden. Wieder wurden sie von Viktor’s Wachen nicht bemerkt, obwohl einer von ihnen in der Dunkelheit an ihnen vorbeigegangen war. Als sie wieder in Susannes Auto saßen, ließ sie den Motor an und die beiden verschwanden mit dem Wagen in der Dunkelheit. Kurze Zeit später stand das Auto vor dem Haus in dem Sandra während der Feiertage wohnte. Die beiden diebischen Elstern teilten schnell das Geld untereinander auf und Susannes Partnerin/Rivalin steckte ihren Anteil in eine große Plastiktüte, die sie heute Morgen eigentlich zum Einkaufen mitgenommen hatte. Anschließend verabschiedete sie sich, verließ das Auto ihrer zeitweiligen Partnerin und erneuerte nochmals ihr Versprechen nicht die Polizei anzurufen. Die beiden würden sich nie wiedersehen und das eben erlebte Abenteuer niemandem jemals erzählen. Und das war ihnen auch klar, als die flüchtige Verbrecherin begann nach einem Parkplatz zu suchen, damit sie nicht die ganze Nacht durch die Gegend fahren musste und in Ruhe in ihrem Auto schlafen konnte. Ob sie das nun am Hafen oder auf einem gewöhnlichen Parkplatz tat war ihr eigentlich vollkommen egal. Für sie war jetzt nur wichtig daß ihr erbeutetes Geld und ihr rotes Auto nahe bei ihr waren. Und in der Gewißheit dass diese beiden Schätze bei ihr waren, schlief sie ruhig und friedlich ein. Wie erwartet schlief sie tief und fest. Und natürlich traumlos, da sie ja noch nie eine sonderlich große Träumerin gewesen war.

 

 

Melissa Klein alias Susanne Beck wachte erst wieder am Samstagnachmittag auf. Niemandem der vielen vorbei schlendernden Passanten interessierte sich für die in ihrem Auto schlafende Frau. Sie schaltete das Autoradio ein und hörte etwas Musik während sie losfuhr. Dann kam eine kurze Werbung, die sie während ihrer vielen Autofahrten schon ziemlich oft gehört hatte:„Mars. Eine nach einem Planeten benannte Süßigkeit, die bei ihren Kindern vielleicht sogar das Interesse an Astrologie wecken könnte.“

Kurz nach dieser Werbung kam die Musik zurück. Die flüchtige Verbrecherin hielt es für besser sofort zum Hafen zu fahren und über eine extra dafür angebrachte Rampe an Bord ihres Schiffes zu fahren. Die Fahrt dauerte nicht sonderlich lange und es war genau 16:45 Uhr, als sie und ihr rotes Auto sich endlich an Bord der Silia 3 befanden. Ihre Luxuskabine war haargenau das Geld wert das sie im voraus bezahlt hatte. Purer Luxus. Sie verstaute ihr ganzes Gepäck und begutachtete noch einmal die 500.000 Euro, die sie Viktor gestern abgenommen hatte. Es sah so aus als hätte sich für sie letztendlich doch noch alles zum Guten gewandt. Und wenn man rückblickend betrachtet wie die ganze Sache für sie angefangen hatte (sie musste immerhin ihre geliebten Eltern verlassen und quer durchs Land flüchten, auch wenn ihr diese Flucht im großen und ganzen sogar irgendwie Spaß gemacht hatte), dann ist das ein echtes Wunder. Nun begann sie endlich das ganze rote Zeug auszuziehen, das sie nun schon seit Tagen anhatte. Und nachdem Susanne zu ihren schwarz gefärbten Harren passende Kleidung anhatte, fühlte sie sich wie neugeboren. Anfangs hatte sie sich zwar über den Preis für die Kabine und den Parkplatz für ihr Auto aufgeregt, aber jetzt war ihr selbstverständlich klar das dieses Schiff ihr Geld tatsächlich wert war. Am Anfang hatte sie zwar Zweifel gehabt, aber die waren nun vollständig bereinigt. Und nun fing für die flüchtige Verbrecherin endlich ein neues und wesentlich besseres Leben an (die Flucht durch die BRD sollte man übrigens noch zu ihrem alten Leben hinzuzählen). Doch ihr altes Leben würde natürlich immer ein wichtiger und unauslöschlicher Teil von ihr sein. Aber es war genau genommen ein nun für immer abgeschlossener Teil ihres Lebens und sie würde sich in Zukunft nur noch um ihr funkelnagelneues Leben als Susanne Beck kümmern, das sie irgendwo im Ausland beginnen würde. Aber um auf diesen nun technisch gesehen endgültig abgeschlossenen Teil ihres Lebens mit sich selbst anstoßen zu können, ließ sie sich eine Flasche Rotwein in ihre Kabine bringen. So konnte sie in Ruhe genießen, wofür die hart arbeitenden Arbeiter in den französischen Weingärten arbeiteten.

 

 

Während Susanne den enormen Luxus der noch nicht aus dem Hafen ausgelaufenen Silia 3 genoß, wurde ihr Krimineller Verwandter Viktor Röhr von Kommissar Christian Schubert und seinem Partner dem legendären Fragezeichen in einem kleinen Hamburger Verhörzimmer verhört. Der gefährliche Verbrecher hatte sich inzwischen wieder etwas beruhigt, obwohl er im Knast festsaß. Sie stellten ihm immer wieder dieselben Fragen, doch er schwieg fast ununterbrochen. Am Anfang hatte der Verbrecher ihnen nur folgendes gesagt:„Diese dumme Kuh ist irgendwo hier in Hamburg und ich bin ihr zufällig mal kurz über den Weg gelaufen. Mehr weiß ich wirklich nicht über ihren Aufenthaltsort und ihre Pläne. Aber ich hoffe ihr erwischt sie, sie leistet aus irgendeinem Grund Widerstand und ihr müsst sie umbringen. Und ich hoffe dass sie furchtbar leiden muss, wenn es soweit ist und ihr sie leiden laßt. Macht sie fertig. Sie hat es verdient zu sterben. Glauben sie mir..., ich weiß ganz genau wovon ich rede.“

Diese Aussage hatte zumindest bestätigt, dass Melissa tatsächlich in Hamburg war und Viktor ihr wirklich begegnet war. Dieser erzählte ihnen natürlich nichts von seinem geheimen Versteck, oder von der auf mysteriöse Weise verschwundenen Millionen (seine Komplizen sollten schließlich nicht auch noch erwischt werden). Er wußte nicht wo Melissa war, hoffte allerdings darauf das der Name ihres Aufenthaltsortes mit H begann und auf ölle endete. Der Hamburger Hauptkommissar Alfred Magolin tat selbstverständlich sein bestes um die mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen im Hafen so gut wie möglich zu verstärken. Doch er wußte natürlich genau das Melissa ohne Probleme ins Ausland entkommen könnte wenn sie wollte. Der Hafen war einfach zu groß als das man ihn hätte lückenlos überwachen können, was er seinen beiden Kollegen aus der Landeshauptstadt auch von Anfang an klar gemacht hatte. Und die beiden Berliner Kommissare waren sich dieser Tatsache auch bewußt, weshalb der ranghöhere Kommissar auch bei seinen Vorgesetzten nachgefragt hatte, ob sie das werte Fräulein Klein jetzt weltweit verfolgen könnten. Die Vorgesetzten hatten Schubert und Schuber zuerst einmal in höchsten Tönen dafür gelobt, dass sie Hauptkommissar Waldau und Hauptkommissar Magolin geholfen hatten, ihnen aber anschließend den Fall aus irgendeinem dummen Grund entzogen. Sie erhielten nicht die Genehmigung weltweit zu ermitteln, sondern nur den Befehl in die Landeshauptstadt zurückzukehren. Nun sollten sich irgendwelche internationalen und streng geheimen Behörden um den endgültigen Abschluß dieses spektakulären Falles kümmern. Alle Morde waren bis ins letzte Detail aufgeklärt und nur die letzte Mörderin musste geschnappt werden. Die beiden Berliner Kommissare wußten allerdings ganz genau, dass diese Leute Melissa niemals schnappen würden. Solche Behörden machten Jagd auf Terroristen und Mafiabosse. Aber nicht auf Leute wie Melissa Klein. Deshalb hatten sie mit dieser Sorte von Verbrechern auch keine Erfahrung und daher würden sie wahrscheinlich nur oberflächlich nach ihr suchen (noch oberflächlicher als S. &  S. es getan hatten). Mit anderen Worten: Sie gehörte einer Kategorie von Verbrechern an, von denen diese teilweise streng geheimen Behörden leider rein gar nichts verstanden, da sie bekanntlich nur berechenbare Verbrecher jagten dessen Ziele mehr oder weniger allgemein bekannt waren. Das Ziel von Melissa Klein war allerdings niemandem bekannt. Nichtmal Melissa Klein selbst, was bedeutete daß sie wohl nie erwischt werden und immer auf der Flucht sein würde. Der Fall würde früher oder später in Vergessenheit geraten, durch andere ereignisreiche Fälle von den Titelseiten der Zeitungen verdrängt und für immer zu den Akten gelegt werden. Er war fast vollständig gelöst worden und sogar die Identität des allerletzten Täters war bekanntlich bekannt. Doch man würde Melissa wahrscheinlich nie vor Gericht bringen können, weshalb diese international ermittelnden Behörden den Fall auch irgendwann ungelöst zu den Akten legen würden. Sie würden ihn zwar etwas später zu den Akten legen als die Polizei es tat, aber trotzdem würde er am Ende im Archiv landen. Den Behörden blieb genau genommen gar nichts anderes übrig. Und nachdem Viktor Röhr in der Verhörzelle aus purer Verzweiflung (wegen seiner erst vor kurzem verlorengegangenen Millionen) Selbstmord begangen hatte, war die allerletzte vermeintlich brauchbare Spur sowieso für immer im Sand verlaufen. Seinen Selbstmord würden die Zeitungen wahrscheinlich irgendwann irgendwie im Zusammenhang mit irgendeiner anderen Sache auf der vorletzten Seite erwähnen. Er würde niemals ein so berühmter Verbrecher werden wie Melissa Klein es zur Zeit war. Doch auch ihr Fall würde wie gesagt früher oder später in Vergessenheit geraten und die Öffentlichkeit würde beginnen sich für andere Fälle zu interessieren. Nun mussten die anderen mehr oder weniger geheimen Behörden für eine Weile zusehen, wie sie Melissa Klein alias Susanne Beck dingfest machten. Und sie würden es bestimmt nicht besser machen können, als die beiden Kommissare Schubert & Schuber es hätten machen können. Denn nach einer deutschen Kriminellen würden die ausländischen Behörden und das dazugehörige Volk bestimmt nicht Ausschau halten. Das liegt natürlich hauptsächlich daran das sie mehr als genug Probleme mit den einheimischen Verbrechern hatten/haben. Tja, das war‘s dann wohl. Aber der alten und glanzvollen Zeiten wegen werde ich Kommissar Christian Schubert noch ein allerletztes Mal in diesem spektakulären Fall wortwörtlich zitieren (aus einem fast endlos langen Vortrag, den er seinem hochgeschätzten Partner kurz nach dem erhaltenden Befehl vom Hauptquartier Berlin/kurz nach dem schaurigen Selbstmord von Viktor Röhr im Hamburger Polizeihauptquartier vortrug):„Die immer mehr überhandnehmende Beschränktheit meiner Vorgesetzten geht mir langsam aber sicher wirklich auf die Nerven. Ich könnte es ja verstehen wenn Melissa mir einfach so entkommen wäre. Man kann ja nicht immer gewinnen. Aber das ich diesen Kampf verloren habe liegt nicht an mir oder Melissa, sondern an unseren ach so schlauen und kleinlichen Vorgesetzten. Sie lassen uns nicht außer Landes ermitteln weil..., ich hab ehrlich gesagt keine Ahnung warum. Vielleicht um die Grenzen zu respektieren. Ich weiß es nicht. Wird Zeit das ich mir einen neuen und besseren Job suche. Einen bei dem ich völlige Handlungsfreiheit habe. Am besten werde ich Privatdetektiv, oder so etwas in der Art. Der berühmte Detektiv Sherlock Holmes, über den Sir Arthur Conan Doyle jede Menge Geschichten geschrieben hat, war ja schon immer mein Vorbild gewesen. Schon als Kind habe ich diese Geschichten gern gelesen. Da gab es „Die Abenteuer von Sherlock Holmes“, „Die Memoiren von Sherlock Holmes“, „Die Wiederkehr von Sherlock Holmes“, „Der letzte Streich von Sherlock Holmes“, „Das Notizbuch von Sherlock Holmes“, Das Zeichen der Vier“, „Der Hund der Baskerville“, „Späte Rache/Studie in Scharlachrot“ und „Das Tal der Furcht“. Insgesamt sind es immerhin 60 Geschichten über den berühmtesten Detektiv der Weltliteratur. Und dann gibt es da noch die vielen Sherlock Holmes Geschichten, die Arthur Conan Doyle’s Sohn Adrian Conan Doyle zusammen mit dem berühmten Schriftsteller John Dickson Carr über diesen Detektiv geschrieben hat. Ich beherrsche zwar nicht alle seine Tricks, aber bestimmt gebe ich trotzdem einen guten Detektiv ab. Und genau wie Sherlock Holmes bin ich in gewisser Weise ein Künstler. Ich strebe nach einem gewissen Maß an Perfektion und versuche deshalb stets die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu erfahren. Manchmal wiederhole ich mich zwar bei meinen Erklärungen zu dem ein oder anderen Fall, aber das macht nichts. Denn wenn man etwas mehrmals erklärt, merken es sich die Zuhörer wesentlich besser. Aber wie auch immer. Wenn ich Privatdetektiv bin, kann ich meiner Wahrheitssuche wesentlich mehr Zeit widmen, als wenn ich Polizist bin. Ich müsste dann zwar meine geliebte Uniform und meine Dienstwaffe abgeben, aber was soll’s. Privatdetektiv war sowieso schon immer irgendwie mein Traumberuf gewesen und auch für diesen Job kann ich mir leicht eine Dienstwaffe besorgen. Dann kann ich wenigstes tun was ich will und bin mein eigner Chef. Eigentlich schade. Ich wollte wirklich alles tun, um irgendwie dafür sorgen das die Deutsche Polizei zu den alten Werten des analytischen Verstandes zurückkehrt. Aber nun bin ich endlich in der Lage die bittere Wahrheit zu erkennen. Die werden es nie lernen und uns haben sie vermutlich nur auf diesen spektakulären Fall angesetzt, um uns aus einem mir nicht bekannten Grund im wahrsten Sinne des Wortes auf ein Abstellgleis zu stellen. Auf den gesamten Fall rund um die Robert S. Klein Oberschule wurden über 200 Beamten angesetzt, obwohl es sich nachweislich nur um einen einzigen Fall handelte. Mit dem Abschluß des Falles, also der Suche nach Melissa Klein, wurden aber nur wir beide betraut. Alle anderen sollten zwar mehr oder weniger die Augen offenhalten, aber wir waren die einzigen die diesen Rest des Falles intensiv bearbeiteten. Und solange wir an diesem Fall arbeiteten, konnten wir keine anderen Fälle lösen. O.K. Wir konnten bei der Sache mit der Geiselnahme und der Massenverhaftung mitarbeiten. Aber nur weil wir am Fall Melissa Klein arbeiteten. Und so eine Suche ist vermutlich meistens sowieso sinnlos. Zumindest wenn sich nur zwei Leute mit ihr beschäftigen. Das alles hätte mir eigentlich von Anfang an klar sein sollen. Aber es fällt mir erst jetzt auf, da ich bisher viel zu beschäftigt mit Ron Baumeier, Viktor Röhr und Melissa Klein war. Und jetzt wurden wir von diesem Fall abgezogen, weil sie offenbar das Land verlassen hat. Und wir wurden wahrscheinlich nur abgezogen, damit wir im Ausland keinen Schaden anrichten, die guten Beziehungen nicht schädigen und dort auch ja niemanden stören. Das ist doch wirklich bescheuert. Zuerst setzen sie uns auf den Fall an, der von vornherein ziemlich schwer zu lösen war und dann entziehen sie ihn uns, obwohl wir mehrmals nah dran waren ihn vollständig zu lösen und Melissa zu erwischen. Ich begreife das nicht. Die wußten doch das ich ein hervorragender Polizist bin. Die haben doch selbst gehört, wie ich den Fall fast vollständig aufgeklärt hatte. Und trotzdem haben sie mich und sie geschickt, um Melissa zu erwischen. Sie haben uns zwar die Standardhilfsmittel zur Verfügung gestellt, aber wir waren trotzdem die einzigen die sich noch mit diesem Fall beschäftigten. Das ist doch unbegreiflich... Moment mal..., jetzt begreife ich es doch. Egal was man sieht oder hört: Meistens ist nichts so wie es scheint. Das ist nun einmal eine der vielen Grundregeln in der Arbeitswelt eines jeden Kriminalisten. Unsere Vorgesetzten haben im nachhinein doch rausgekriegt, dass es vollkommen sinnlos gewesen war über 200 Leute mit dem seit meinem Vortrag offiziell 100prozentig vereinten Fall zu beschäftigen. Als alles aufgeklärt war und es nur noch galt Melissa zu erwischen, wurde ihnen klar das sie sich einen solchen Personalaufwand nicht nochmal leisten konnten. Daraufhin setzten sie zwei ihrer Meinung nach entbehrliche Polizisten ein, da sie keine Lust hatten ein weiteres Mal zu viele Leute auf eine einzelne Sache anzusetzen. Sie wußten bestimmt von Anfang an, dass es fast unmöglich war diese flüchtige Verbrecherin zu fassen. Ihnen war klar das nur der Zufall dazu in der Lage war uns zu helfen. Also bestand unsere einzige Chance darin, dass Melissa zufällig jemand erkannte, oder sie zufällig einen schwerwiegenden Fehler machte. Also schenkten sie sich den üblichen Personalaufwand vom letzten Mal, mit all den Sonderkommissionen und so und setzten nur uns auf den Rest dieses Falles an. Die großen Bosse wußten also das sie einen Fehler gemacht hatten, als sie zugelassen hatten das so viele Leute auf ein und denselben Fall angesetzt wurden. Sie wußten die Presse würde möglicherweise irgendwann alles über diesen von ihnen gemachten Fehler rauskriegen. Und wenn sie dann auch noch eine Sonderkommission für Melissa gegründet hätten und diese nicht geschnappt worden wäre, würde das so aussehen als wäre zweimal hintereinander derselbe Fehler gemacht worden. Und das konnten sie natürlich nicht zulassen, weshalb man bloß uns beide auf den Rest des Falles ansetzte. Vermutlich hätten sie es nach dem Desaster mit den 210 Polizisten am liebsten ganz gelassen, aber als Polizisten war es nun einmal ihre Pflicht gewesen jemanden offiziell und vor den Augen der Presse auf Melissa anzusetzen. Das ist so typisch für die großen Bosse unserer hochgeschätzten Behörde. Und ich hatte wirklich gehofft diese vielen lästigen Probleme irgendwie wieder in den Griff zu kriegen und die verzwickte Situation zu verbessern, in die sich unsere Leute vor langer Zeit irgendwie manövriert haben. Hauptsächlich bin ich aber deshalb Polizist im Dienste der Mordkommission geworden, weil mein Vater Robert Schubert auch Polizist im Dienste der Mordkommission war. Und weil mein Großvater Edward Schubert diesen Beruf ebenfalls ausübte. Und weil mein Urgroßvater Edgar Schubert dasselbe tat. Aber die Polizei ist auch nicht mehr das was sie einmal war. Und da ich bis jetzt den Beruf des Kommissars ausgeübt habe, habe ich die Familientradition wie geplant fortgesetzt. Früher war irgendwie alles einfacher. Doch wir Menschen haben irgendwann angefangen immer alles unnötig kompliziert zu machen. Bei ihnen Herr Schuber habe ich in Sachen Intelligenz des einzelnen Polizisten allerdings noch Hoffnung. Auch wenn sie hin und wieder viel zu viele Fragen stellen, die sich eigentlich von selbst beantworten. Aber daran habe ich mich inzwischen gewöhnt. Vielleicht haben sie ja Lust in der bald eröffneten Detektei als mein Assistent zu fungieren. Sie wissen ja wie das in dieser Branche ist. Nein. Nun ja..., gute Mitarbeiter werden bekanntlich immer gebraucht. Und selbstverständlich könnte auch ich jemanden gebrauchen, der mir bei dem ein oder anderen Problem unter die Arme greift. Sie wären meiner Meinung nach perfekt für diesen Job und es ist gar nicht so schwer Privatdetektiv, oder in ihrem Fall auch Assistent eines Privatdetektivs zu werden. Wie wär‘s? Man verdient in diesem Job hierzulande auch wesentlich mehr, als wenn man als Polizeikommissar bei der Mordkommission in Berlin arbeitet. Außerdem ist es wesentlich interessanter und die blöden Bürokraten stehen einem nicht andauernd bei der Aufklärung eines Falles im Wege. So etwas was uns eben im Fall Melissa Klein passiert ist, würde uns also mit ziemlicher Sicherheit niemals wieder passieren. Aber die Polizei wird diese Misere bestimmt noch öfter erleben, wenn sie sich nicht von Grund auf ändern und sich nicht mehr nur auf die Technik, sondern auch auf ihren Verstand und von mir aus auch auf ihren Instinkt verlassen. Sie sollen ihre Technik natürlich trotzdem benutzen, da sie sie nun schon einmal haben. Aber sie dürfen einfach nicht abhängig von ihr werden. Und nur weil Verbrecher planlos und gewalttätig handeln, müssen die Polizisten das nicht auch tun. O.K. Manchmal sind sie natürlich gezwungen so zu handeln..., aber sie wissen was ich meine. Unsere Polizei muss jedenfalls weiß Gott endlich lernen wieder logisch zu denken. Und sie dürfen sich nicht darauf verlassen, das ihre Maschinen die ganze zu erledigende Arbeit für sie erledigen. Sie müssen lernen im Notfall auch ohne den ganzen Krimskrams klar zu kommen. Denn wenn sie ihre Gehirne nur arbeitslos in ihren Köpfen herumliegen lassen, statt sie zu aktivieren, werden sie nichts dazulernen und der Verdummungsprozeß nimmt weiterhin seinen tragischen Lauf. Der Polizist von heute darf nicht vollkommen verlernen logisch zu denken und sinnvoll zu kombinieren, denn man darf niemals aufhören logisch zu denken und sinnvoll zu kombinieren. Die meisten Verbrecher tun dies nämlich mehr oder weniger. Und deshalb müssen die Polizisten das auch tun, sonst werden sie immer wieder durch denselben Hundehaufen laufen, durch den sie sonst auch immer laufen und niemals aus ihren Fehlern lernen. Wenn so etwas wieder passiert, dann werden sie vermutlich wieder viel zu viele Leute auf den zu bearbeitenden Fall ansetzen. Und wenn dann irgendwann wieder der/die flüchtige Verbrecher/Verbrecherin das Land verläßt, werden sie die zuständigen Leute vermutlich wieder zurückpfeifen und ihnen den genauen Grund dafür wieder nicht mitteilen. Ich weiß, ich war mal der Meinung diese Sturköpfe würden ihre Methoden früher oder später entsprechend verbessern, aber in diesem Punkt habe ich mich vermutlich geirrt. Ich habe erst begonnen über all diese Dinge und die dazugehörigen Gründe nachzudenken, als man uns den Fall entzogen hatte. Man könnte meinen, dass sie uns absichtlich auf ein Abstellgleis gestellt hätten. Aber wir wurden nur abgestellt, weil sie gerade keinen anderen zum abstellen da hatten. Sie nahmen uns, weil wir in gewisser Weise noch Neulinge sind und ich erst fünf Mordfälle und sie erst einen einzigen bearbeitet haben; natürlich diesen hier mitgerechnet, den man meiner Meinung nach wirklich als einen auf gewisse Weise einzigartigen Fall bezeichnen kann. Also haben sie uns genommen, weil wir ihrer Meinung nach entbehrlich sind. Und als wir uns lange genug mit dem Fall beschäftigt hatten und sie sich sicher waren das die Presse dabei war ihn langsam aber sicher zu vergessen, entzogen sie ihn uns wieder. Sie hätten uns auch weiter daran arbeiten lassen können, doch dann hätten sie unsere Reisen ins Ausland finanzieren und jedesmal bei den dortigen Behörden anrufen müssen. Telefongespräche ins Ausland werden ja bekanntlich immer teurer. Also zogen sie uns vom Fall ab und übergaben ihn glaube ich den international ermittelnden Behörden..., wer immer die auch sein mögen. Ich würde fast zu der Meinung tendieren das alles umsonst war. Doch das war es nicht. Wir haben geholfen eine Geiselnahme zu beenden und eine Art Razzia in der Verbrecherszene korrekt durchzuführen. Und wir haben an Erkenntnis dazu gewonnen. Wir wissen jetzt das unsere Behörden entweder total bescheuert, oder total..., na ja das Wort muss wohl erst noch erfunden werden. Versuchen sie doch mal ein Wort für Leute zu finden, die zu feige sind Fehler zuzugeben, die so dumm sind und 210 Leute auf denselben Fall ansetzen lassen, die absichtlich zwei wirklich clevere Kommissare auf ein Abstellgleis stellen, die es sich wegen ihres Rufes ersparen entsprechend Jagd auf eine Verbrecherin zu machen, die alles tun um sich ja nicht vor der Presse zu blamieren, die wegen eines Landeswechsels einen Fall aufgeben lassen und die sich nur noch auf ihre moderne Technik verlassen, was dazu führt das sie so dumm sind wie sie eben sind und all diese eben genannten Dinge vermutlich immer wieder tun werden. Sie machen diese vielen aufeinanderfolgenden Fehler nicht weil sie böse oder korrupt sind, sondern weil ihr Verstand nicht so funktioniert, wie er funktionieren sollte. Sie sorgen sich immer um die falschen Dinge. Es ist wirklich vollkommen egal was das deutsche Volk von seiner Polizei hält; solange diese ihren Job so macht, wie sie ihn eigentlich machen sollte. Es ist auch völlig egal was die Presse von der Polizei hält; solange diese ihren Job so macht, wie sie ihn eigentlich machen sollte. Und es ist egal was andere Behörden von der Polizei der Bundesrepublik Deutschland halten; solange diese ihren Job so macht, wie sie ihn eigentlich machen sollte. Aber das tun diese Leute nicht, denn sonst hätten sie uns im Fall Melissa Klein wenigstens weiter ermitteln lassen. Auch wenn sie uns nur auf diesen Fall angesetzt haben, weil sie jemanden brauchten den sie auf dieses vermeintliche Abstellgleis stellen konnten, so hätten sie uns doch wenigstens bis zum bitteren Ende an diesem Fall arbeiten lassen können. Immerhin waren wir bereits zweimal ziemlich nahe am Ziel. In Wolfsburg und in Hamburg hätten wir es beinah geschafft und wenn wir hätten weitermachen dürfen, hätte es beim dritten Mal vielleicht sogar klappen können. Das war wirklich eine selten dämliche Fehlentscheidung. Aber ich will damit natürlich nicht sagen, das es nicht doch noch irgendwo den ein oder anderen Beamten gibt, der haargenau weiß was er tut und seine Fälle manchmal sogar mit Bravour löst. Genau genommen gibt es sogar hunderttausende von Polizisten, die fast jeden Tag zur Arbeit gehen und versuchen in ihrem Job ihr Bestes zu geben und ihre schlecht bezahlte Arbeit halbwegs richtig zu machen. Aber Bürokratie und Beamtenwahnsinn haben in unserem wunderbaren Land nach und nach fast alles kaputtgemacht und wenn diese Zerstörung nicht bald aufgehalten wird, dann bricht bald heilloses Chaos aus. Die Polizei wird durch unsere Bürokratie pausenlos bei der Arbeit behindert. Doch solange niemand ein besseres System aufbaut, müssen sich die Leute wohl oder übel an die vorgegebenen Regeln halten. Aber das soll nicht länger mein Problem sein. Denn nur ein wirklich mächtiger Mensch ist in der Lage die Polizei und alle anderen Menschen dieser Welt wieder auf den rechten Weg zurückzuführen. Ich kann durch meine Anwesenheit auf diesem wunderbaren Planeten nur versuchen besagten Planeten ein klein wenig besser zu machen. Und ich weiß nun auch, wie ich dies am allerbesten tun kann: Ich werde Privatdetektiv. Das hier ist ein freies Land und wenn jemand seinen schlecht bezahlten Job kündigen will, dann kann er das natürlich auch jederzeit tun. Die Grundsätze eines Polizisten und die eines Privatdetektivs sind übrigens im Grunde genommen die gleichen. Sie jagen Verbrecher. Und sie leben nach vielen verschiedenen vielsagenden Vorsätzen, wie zum Beispiel: Menschen lügen und Beweise tun es nicht. Oder zum Beispiel: In allen Ereignissen steckt irgendwie irgendeine versteckte Logik. Doch die Detektive haben den Polizisten gegenüber eine Menge Vorteile. Auch wenn der Polizeiapparat die besseren technischen Mittel hat, die in der heutigen Zeit selbstverständlich nicht mehr wegzudenken sind. Doch ich lege ja bekanntlich nicht allzu viel Wert auf die moderne Technik. Auch wenn sie für die Ermittlungen von heute irgendwie sehr wichtig geworden ist, da sie ja bekanntlich auch den listigen Verbrechern zur Verfügung steht, so sollte man sich doch nicht zu abhängig von ihr machen. Aber man muss trotzdem mit der Zeit gehen und die moderne Technik akzeptieren. Natürlich ohne sich von ihr gleich unbeabsichtigt versklaven zu lassen, sowie es die vielen Zeitreisenden in den legendären Filmen „Der Terminator“, Terminator 2- Tag der Abrechnung“ und „Terminator 3- Rebellion der Maschinen“ prophezeit haben. Selbstverständlich würde ich niemals freiwillig auf‘s Fernsehen oder auf’s Internet verzichten, da diese technologischen Meisterwerke für die heutige Zeit fast unentbehrlich sind. Aber ich übertreibe es nie, damit ich nicht wie ein Süchtiger davon abhängig werde und völlig verblöde. Der gesunde Menschenverstand ist nämlich etwas unersetzbares. Aber ich schweife langsam vom Thema ab. Ich wollte ihnen ja ein Angebot in Sachen Privatdetektei unterbreiten. Also: Ich besorge mir und meinem Assistenten auf jeden Fall zwei entsprechende Lizenzen, sodass wir zwei dann bei Bedarf weltweit und uneingeschränkt ermitteln können. O.K. Vermutlich erhalten wir in einigen kommunistischen Diktaturen Einreiseverbot. Ich glaube dort sind Schnüffler nicht sonderlich gern gesehen und werden gerne mal mit feindlichen Agenten aus Amerika verwechselt. Aber das ist jetzt eigentlich nicht wichtig. Auch wenn ich notfalls bereit wäre einen Verbrecher bis in eine solche Diktatur zu verfolgen. Doch Melissa werde ich nicht weiter verfolgen. Zum einen hat man mir den Fall aus wirklich selten dämlichen Gründen entzogen und zum andern habe ich mir inzwischen eine Meinung gebildet, die kaum einer von meinen hochgeschätzten Kollegen verstehen wird. Ich denke nämlich, dass sie nicht der böse Mensch ist, für den sie so viele Leute halten. Verglichen mit all den anderen Verbrechern, die in diesen Fall rund um die Robert S. Klein Realschule, die Geiselnahme in Wolfsburg und den Polizeieinsatz hier in Hamburg verwickelt waren, ist sie sogar ein mehr oder weniger anständiger Mensch. Sie hat einen Serienmörder ermordet und von dem Mord an einem anderen Mörder gewußt. Und dafür sollte man meiner Meinung nach eigentlich nicht ins Gefängnis gesteckt werden. Außerdem ist sie einfach so von zu Hause abgehauen, um irgendwo ein neues Leben anzufangen. Und dazu gehört eine Menge Mut und Selbstvertrauen. Ich gehe übrigens inzwischen davon aus, dass sie selbst noch nicht genau weiß wo sie hinwill, was automatisch dazu führt das wir es auch nicht wissen können. Ich weiß daß ich anfangs kaum etwas lieber tun wollte als sie zu erwischen, um damit einen weiteren gelösten Fall in meine Statistik eintragen zu können. Aber das ist mir inzwischen völlig egal. Statistiken sind sowieso nur aneinandergereihte Zahlen, die meistens rein gar nichts über den wahren Stand der Dinge aussagen. Den wahren Stand der Dinge kann man nur mit Hilfe des gesunden Menschenverstandes erkennen. Also was ist jetzt? Wollen sie in der noch nicht existierenden Detektei als mein gut bezahlter Assistent fungieren und so zur Abwechslung mal für einen Menschen arbeiten, der tatsächlich etwas von seinem Job versteht? Wie wär’s? Wir könnten unseren neuen Laden vielleicht „Detektei Schubert & Schuber“ nennen. Ich finde das ist ein wirklich guter Name, für eine noch nicht gegründete Detektei in unserer geliebten Landeshauptstadt. Und da ich der Leiter der Detektei bin, ist es nur fair das mein Name zuerst kommt. Aber eigentlich ist das vollkommen egal. Wenn sie wollen kann ich auch dafür sorgen, dass ihr Name vor meinem Namen steht. Das spielt wirklich keine allzu große Rolle, weshalb ich in diesem Punkt gerne zu Kompromissen bereit bin. Um es fair zu machen könnten wie den Laden auch „Detektei S. & S.“ nennen. Also was ist jetzt? Wollen sie zusammen mit mir bei der Berliner Polizei mehr oder weniger fristlos kündigen und mein gut bezahlter Assistent in der bald besten und berühmtesten Detektei unserer geliebten Landeshauptstadt werden?“

Ob der junge und zur Zeit (aus uns nun vollständig bekannten und irgendwie auch mehr oder weniger recht verständlichen Gründen) ziemlich systemkritische Kommissar aus der Landeshauptstadt Berlin diese eben zitierten Sätze nun tatsächlich 100prozentig ernst gemeint und richtig formuliert hatte, wird hier an dieser Stelle aus Diskretionsgründen nicht bekannt gegeben. Und wie die Antwort seines etwas jüngeren Kollegen auf dieses mehr oder weniger einzigartige Jobangebot lautete, wird selbstverständlich auch aus Diskretionsgründen geheimgehalten.                          

 

Pünktlich um 20:00 Uhr verließ die Silia 3 den Hafen, ohne das sie überhaupt genauer von der Hafenpolizei überprüft worden war. Alle Passagiere waren inzwischen mit ihrem Gepäck an Bord. Susanne Beck stand an der Reling und beobachtete die Lichter der sich immer mehr entfernenden Stadt der Hamburger. Sie würde mit ziemlicher Sicherheit nie wieder in ihr Heimatland zurückkehren. Und sie wußte selbst noch nicht wo sie mit ihren Besitztümern ein neues Leben anfangen würde. Am Anfang ihrer Flucht war sie der Meinung gewesen das sie dies überall tun könnte und vorher noch etwas hin und her reisen würde. Doch wie schon sooft in dieser Geschichte hatte sie plötzlich ihre Meinung geändert und wollte sich nun mit ihrer neuen Identität irgendwo niederlassen und sich dort für wenig Geld bei einem guten Fälscher ein paar gut gefälschte Einwanderungspapiere besorgen. Natürlich müssten diese gefälschten Einwanderungspapiere zu den anderen Fälschungen passen. Und das würden sie bestimmt auch, wenn es soweit war und Susanne sich besagte Einwanderungspapiere in ihrer vermeintlich neuen Heimat fälschen ließ. Das werte Fräulein Beck wußte selbstverständlich, dass sich ihre Auswahl in Sachen „neues Land- neues Leben“ zur Zeit lediglich auf London in England, Bergen in Norwegen, die Shetlandinseln, die Färöerinseln und Reykjavik in Island beschränkte. Das waren vorerst ihre Alternativen. Doch während das Schiff den Hafen verließ dachte sie überhaupt nicht darüber nach. Sie genoß nur den Anblick der großen, hell beleuchteten und sich immer weiter von ihr entfernenden Hansestadt bei Nacht. Alle seltsamen Zufälle und Wendungen in dieser Geschichte hatten sie auf dieses wundervolle Schiff gebracht und dazu geführt das sie nun hier an der Reling stehen konnte. In ihrem ganzen Leben hatte sie nie etwas mehr genossen, als diesen einen besonderen Moment an der Reling der Silia 3.