Kapitel 2: Der Tod von Professor Thomas Liefers

 

 

Sollte der hinterhältige und verschlagene Professor einfach so mit einem solchen Mord davonkommen? Meiner Meinung nach hat er das wirklich nicht verdient (und ich bin hier schließlich der Autor).

 

 

Am darauffolgenden Freitag waren die „Umkleidekabine des Todes“ (diesen merkwürdigen Spitznamen hatten sich die Schüler mehr oder weniger freiwillig auf die Schnelle ausgedacht. Er war zwar nicht sonderlich phantasievoll, aber dennoch ein passender Titel für eine Horrorgeschichte) und die dazugehörige Sporthalle noch immer abgesperrt und durften von niemandem betreten werden. Und das würden sie auch mit Sicherheit noch eine ganze Weile bleiben. Außerdem war der Tatort noch nicht vollständig von der Polizei und ihren hochgeschätzten Kollegen von der Spurensicherung aufgeräumt worden. Und selbst wenn er aufgeräumt gewesen wäre; kein normaler Schüler würde freiwillig eine Dusche benutzen, in der jemand kurz zuvor auf brutalste Weise ermordet wurde. Deshalb fiel an diesem Tag selbstverständlich auch der Unterricht aus moralischen Gründen aus und die Schüler konnten zu Hause bleiben. Man wollte den Schülern und den Lehrern einfach etwas Zeit geben, um diese ganze schreckliche Sache zu verarbeiten. Und der werte Thomas Liefers war natürlich noch immer auf freiem Fuße, da die Berliner Polizei ihn bisher nichtmal in Verdacht hatte. Und verständlicherweise war dieser gerissene Mörder überglücklich über die Tatsache, dass er mit seinem vermeintlich perfekten Mord einfach so durchgekommen war. Vielleicht würde er bald wieder einen Mord begehen. Nur so zum Spaß. Und um zu sehen ob er noch einmal damit durchkommen würde. Es gibt da übrigens eine ungeschriebene Regel was einen listigen Mörder betrifft, der einen Mord begeht und mit seiner Tat zufällig davonkommt. Laut dieser Regel begeht er mit Sicherheit bald wieder einen Mord, weil er denkt dass er noch einmal damit durchkommen kann. Und dann würde er auf jeden Fall noch einen dritten Mord begehen, weil er nicht mehr aufhören könnte zu töten. Das tut der Mörder dann meistens solange, bis er irgendwann von jemandem erwischt und ins Gefängnis gesteckt, oder in sehr seltenen Fällen selbst getötet wird. Aber manchmal wird diese seit Jahrhunderten gültige Regel nach dem ersten Mord gebrochen und es bleibt bei einem einzigen Mord, weil der Verbrecher sich unter Kontrolle hat. Doch der hinterhältige und sadistische Professor würde sich wahrscheinlich an diese vorgegebene Regel halten. Denn in ihm steckte ein wirklich gefährlicher und teuflischer Verbrecher, den man nicht allzu leicht unter Kontrolle bringen konnte. Aber während er so in seiner kleinen Wohnung im Erdgeschoß lag und den bezahlten freien Tag mit der Einnahme von billigem Alkohol und teuren Drogen genoß, fand ein sehr wichtiges Ereignis statt. Eines mit dem er nie und nimmer gerechnet hätte. Dieses spezielle Ereignis in der Geschichte würde aber auch auf den verrückten Professor einen ziemlich großen Einfluß nehmen, obwohl er es noch nicht einmal wußte. Aber der gemeingefährliche Physikprofessor würde es auf jeden Fall sehr bald erfahren (ob er es nun wissen wollte oder ob er es nicht wissen wollte war egal, denn das hatte er nicht zu entscheiden). 

 

 

Genau zur selben Zeit erhielt Anton’s bester und ältester Freund Frank von Regensburg einen Anruf von einer kleineren Filiale der Bingen’s Bank. „Hallo. Hier Frank von Regensburg. Was kann ich denn für sie tun?“, fragte er den ihm unbekannten Anrufer.

„Gut dass sie persönlich dran sind, Herr von Regensburg. Ihr vor kurzem verstorbener Schulfreund, ein gewisser Anton Bar war einer unserer Kunden und hatte bei uns ein kleines Schließfach gemietet. Im Falle seines Todes sollen sie den Inhalt dieses Faches bekommen. Kommen sie bitte pünktlich um 16:00 Uhr zu unserer Bankfiliale gegenüber der Robert S. Klein Oberschule. Soweit ich informiert bin gehen sie auch auf diese Schule, so wie es unser verstorbener Kunde Anton Bar bis vor kurzem regelmäßig tat.“, entgegnete der Anrufer.

Frank sah auf seine nagelneue Armbanduhr. Es war zu diesem Zeitpunkt genau 15:23 Uhr. Mit dem Fahrrad würde er nicht mehr als zehn Minuten bis zu der Bank brauchen. Aber da er ja mehr als genug Zeit hatte, ging er zu Fuß. Es heißt ja, dass Laufen gesund ist. Während er durch die verschiedenen Straßen ging, dachte er an die besonderen Momente mit seinem alten Freund Anton. Er dachte daran, wie sie als Kinder auf dem Spielplatz gespielt hatten. Und er dachte an die vielen gemeinsamen Pausen, die sie gemeinsam an der guten alten Robert S. Klein Oberschule verbracht hatten. Das waren wirklich erstklassige Pausen gewesen. Sie hatten diese Zeit wirklich genossen. Und in sechs Monaten wären sie von dieser Schule abgegangen und hätten das Leben so weiter genossen, wie sie es für richtig hielten. Außerdem hätten sie sich irgendwie irgendwo irgendwelche Teilzeitjobs gesucht, um nicht dauerhaft einer einzigen Sache verpflichtet zu sein. Sie nannten das Freiheit und Unabhängigkeit vom ohnehin nicht richtig funktionieren System der Arbeitsämter und der Industrie- & Wirtschaftsbosse. Anschließend dachte Frank an die vielen wilden Parties auf denen sie mit ihren beiden blonden Freundinnen, die mit ihnen in dieselbe Klasse gingen, ihren Spaß gehabt hatten. Zwar war Frank’s Freundin eine Kleinkriminelle, aber niemand aus der Clique nahm ihr das auf irgendeine Weise übel. Schließlich muss sich jeder irgendwie durchs Leben schlagen. Und wie heißt es nochmal so schön? Was die Diebe nicht stehlen, das verderben die Deppen. Jedenfalls hatte Anton’s Freundin Sandra irgendwann aus einem ziemlich dummen Grund Schluß gemacht (obwohl man diesen Grund eigentlich nicht als dumm bezeichnen kann, sowie Frank es stets tat). Wahrscheinlich hatte sie mit Anton Schluß gemacht, weil sie Frank’s Gegenwart nicht mehr ertrug, denn die beiden waren zuvor mehrere Jahr lang zusammen gewesen. Aber irgendwann hatte Frank Sandra Weck für Melissa Klein (dass der Nachname von Melissa mit dem des Namengebers der Robert S. Klein Oberschule übereinstimmt, ist purer Zufall und hat nichts zu bedeuten) verlassen und die Verlassene war kurze Zeit später irgendwie mit Anton Bar zusammengekommen. Eine Weile kamen die vier Klassenkameraden tatsächlich miteinander aus. Aber von Anfang an war klar gewesen das sich Sandra nach absehbarer Zeit von der Truppe entfernen würde, da so etwas für gewöhnlich nie gut geht. Wenn Sandra jemals die Möglichkeit bekäme Frank v. R. oder Melissa K. einmal so richtig fertigzumachen, dann würde sie es bestimmt ohne zu zögern tun. Anton und Frank waren jedenfalls wirklich die besten Kumpels gewesen, aber von einem Schließfach in einer Filiale der Bingen’s Bank hatte sein bester Freund ihm nie irgendwas erzählt. Aber er hatte mit Sicherheit seine Gründe dafür gehabt (zumindest war das Frank’s persönliche Meinung). Am kommenden Freitag, also genau in einer Woche, würde man ihn jedenfalls pünktlich um 12:00 Uhr Mittags beerdigen. Die ganze Schule war zu dieser Beerdigung eingeladen. Und wahrscheinlich würde auch jeder kommen, um Anton Bar die letzte Ehre zu erweisen. Es gab niemanden der ihn gehaßt hatte (außer natürlich sein hinterhältiger Mörder, der ihn auf hinterhältige und brutale Weise ermordet hatte). Schließlich erreichte Frank von Regensburg sein Ziel. Er wollte gerade in das eindrucksvolle Bankgebäude reingehen, als sich ihm ein wie ein Obdachloser gekleideter Mann in den Weg stellte und zu ihm mit schauerlicher Stimme sagte:„Geh nicht in diese Bank! Wenn du sie betrittst werden Menschen sterben! Geh einfach wieder nach Hause! Das macht dann fünf Euro.“

„Fünf Euro? Wofür?“, fragte Frank von Regensburg den uralten Obdachlosen verwundert.

„Ich bin Wahrsager. Einer der besten. Ich irre mich nie. Und ich hatte eine Vision. Von deinem Tod. Und vom Tod vieler anderer Menschen!“, versuchte der alte Mann mit Hilfe seiner schaurigen und verstellten Stimme dem jungen Oberschüler verzweifelt klarzumachen.

„Wenn ihre Vorhersagen immer zutreffen und sie tatsächlich einer der Besten sind..., wieso sind sie dann obdachlos?“

Darauf antwortete der alte und zerlumpte Mann nicht. Frank drückte ihm eine zwei Euro Münze in die rauhe Hand, begann damit den alten Mann aus seinem Gedächtnis zu streichen und betrat anschließend die einzige Berliner Filiale der Bingen’s Bank. Die Empfangsdame telefonierte kurz mit jemandem und wenige Minuten später kam der Leiter der Filiale persönlich zu ihm und begrüßte ihn mit derselben Freundlichkeit, die er jedem Kunden entgegenbrachte. Frank war zwar kein Kunde, aber das spielte keine Rolle. Die Höflichkeit ist etwas was man anderen Menschen stets entgegenbringen sollte. So etwas gehört sich nun einmal so. Und nach den üblichen Begrüßungsfloskeln bat der gut gekleidete Filialleiter den Erben seines verstorbenen Kunden ihm seinen Ausweis zu zeigen, was eine von vielen verschiedenen Sicherheitsmaßnahmen dieser Bank war. Anschließend führte er ihn zu einem Fahrstuhl und fuhr mit ihm in das vierte Kellergeschoß. Dort gingen sie einen schwach beleuchteten langen Gang mit vielen Türen entlang, zu einem ziemlich weit entfernten Raum. Der Direktor schloß den Raum auf und schaltete das Licht ein. In ihm war es trotz einer leicht flackernden Lampe ziemlich dunkel und es gab etliche kleine Schließfächer. „Es ist Schließfach Nummer 109853.“, sagte er laut, so als wäre Frank schwerhörig.

„Sie müssen nur noch hier unterschreiben.“, erklärte er und gab dem Erben seines verstorbenen Kunden eine Quittung.

Dieser unterschrieb mal eben die Erklärung, die erklärte das er den Inhalt des Schließfaches entgegengenommen hatte und gab sie dem Bankdirektor zurück. Der öffnete anschließend Schließfach Nummer 109853 und übergab Anton’s bestem Freund den Inhalt des kleinen aber übermäßig teuren Schließfaches. „Die Jahresmiete für dieses Fach beträgt 480 Euro. Also genau 40 Euro pro Monat. Aber dafür ist der Inhalt hier wirklich sicher. Laut unserem Bankgesetz können die Erben unserer Mieter die Fächer behalten..., sofern sie sie behalten wollen. Fach Nummer 109853 ist übrigens für den Rest dieses Jahres bereits vom Vormieter Anton Bar im voraus in bar bezahlt worden. Wollen sie es vielleicht behalten?“, fragte der Bankdirektor den Erben seines Kunden.

„Nein danke. Für so etwas hatte ich noch nie Verwendung. Außerdem hab ich sowieso nichts wertvolles das ich darin aufbewahren könnte. Trotzdem danke für das Angebot.“, antwortete dieser höflich.

Frank legte den gesamten Inhalt auf den einzigen kleinen Metalltisch in diesem großen Raum und betrachtete sein Erbe kurz. Nachdem er den Inhalt einen Augenblick lang betrachtet hatte, war er zuerst ziemlich enttäuscht, da es nichts wertvolles zu sein schien. Doch soviel war schon einmal im voraus sicher: Diese Enttäuschung würde sich sehr bald legen, denn den Inhalt dieses Schließfaches entgegenzunehmen war eine der wichtigsten Entscheidungen, die Frank jemals in seinem Leben hatte treffen müssen. Andere, noch viel wichtigere Entscheidungen würden sehr bald folgen. Und zufällig war er wieder derjenige, der sie zu treffen hatte.

 

 

Bei dem Inhalt des gemieteten Schließfaches handelte es sich um zwei kleine, braune und ziemlich fest verschnürte Päckchen. Frank von Regensburg nahm sie mit zu sich nach Hause und öffnete sie dort in seinem Zimmer, nachdem er sie zuvor auf seinen viel zu kleinen Schreibtisch gelegt hatte. Zwar gab es ein paar kleinere Schwierigkeiten mit den vielen verknoteten Schnüren, aber der Erbe kriegte sie trotzdem irgendwann mit Hilfe seiner Schere auf. In dem ersten geheimnisvollen Päckchen befand sich ein schwarzes Tonbandgerät mit einem Band in seinem inneren. Neugierig wie Frank nun einmal von Natur aus war, schaltete er es ein. Nach einem kurzen Rauschen hörte er die Stimme seines alten Freundes Anton. Dieser sagte auf dem Tonband folgendes:

 

„Hallo Frank. Ich hoffe dass es dir gut geht, alter Freund und Kupferstecher. Tja, da du mich jetzt hörst geht es mir mit Sicherheit nicht allzu gut, denn wenn du diese Tonbandaufnahme abspielst, bin ich aller Wahrscheinlichkeit nach tot. So gesehen ist das eine ziemlich beschissene Lage für mich. Aber so ist es nun einmal und ich kann leider Gottes nichts daran ändern. Doch um die Wahrheit zu sagen..., ich hätte eigentlich nicht damit gerechnet das dieser hinterhältige Saftsack mich wirklich umbringen würde. Das er zu so einer Gemeinheit fähig ist, hätte ich nicht gedacht. Aber damit gerechnet habe ich trotzdem, denn schließlich habe ich dir ja dieses Tonband hinterlassen, weil ich auf Nummer Sicher gehen wollte. Er ist wirklich ein hinterhältiger Mistkerl, der das schlimmste verdient hat, was man einem Menschen antun kann.“

 

„Wer ist er?!“, schrie Frank von Regensburg.

 

„Du fragst dich jetzt sicher, wer er ist, nicht war? Tja, ich werde es dir auf diesem Band noch früh genug mitteilen. Doch zuvor werde ich dir noch eine kleine aber feine Geschichte erzählen: Alles begann vor ich weiß nicht mehr wie vielen Wochen. Ich beobachtete durch Zufall, wie unser werter Klassenlehrer Professor Thomas Liefers in einer dunklen Gasse bei einem schwarzgekleideten Dealer etwas Heroin kaufte. Natürlich brachte mich meine angeborene Neugierde dazu dieser überaus interessanten Angelegenheit intensiv nachzugehen und so fand ich noch ein paar andere belastende Dinge über den Lehrer mit der vermeintlich weißen Weste heraus. Ich sammelte richtig viele Beweise. Na ja, um der Wahrheit die Ehre zu geben: Ich habe mir eigentlich nur stichpunktartig aufgeschrieben wann unser Lehrer wo war und was er dort gemacht hat. Aber statt diese „belastenden“ Beweise dem Rektor unserer Schule oder der Polizei zu übergeben, erpreßte ich den Professor damit. Ich wollte eben etwas Geld „verdienen“, weshalb ich ein Erpresser wurde. Ich fand einfach das mir auch ein Stückchen vom Kuchen zustand. Außerdem hatte ich keine Fotos oder so was. Keine Beweise, die ein guter Rechtsanwalt nicht ohne Probleme vor Gericht zerreißen könnte. Ich hatte bloß den Namen seines Dealers und seines Alkoholhändlers, die wahrscheinlich gegen ihn ausgesagt hätten. Aber deren Aussagen waren natürlich nichts wert. Der eine ist ständig high und der andere ist ein Drogendealer. Ich weiß das ich als Schulzeitungsreporter wenigstens ein paar Fotos hätte machen müssen, aber... Na wie auch immer. Jedenfalls hat es ausgereicht, um unseren Physiklehrer zu erpressen. Aber da ich schon immer etwas paranoid war, beschloß ich zur Sicherheit dieses Tonband hier aufzunehmen, falls er mich tatsächlich umbringen sollte. Natürlich habe ich wie gesagt nicht wirklich damit gerechnet, dass er es wirklich tut. Aber sicher ist nun mal sicher. Immer nachdem ich mich am Mittwochnachmittag mit ihm in der Jungenumkleidekabine in der Sporthalle getroffen hatte, ging ich zu der Bingen’s Bank und tat die erpreßten 1.000 Euro in ein Päckchen in meinem Schließfach in der besagten Bank. Diese wunderbare Bank kann man wirklich weiter empfehlen, auch wenn die Miete für ein einziges Schließfach ziemlich hoch ist und sie seit dem letzten großen Weltkrieg weltweit nur noch etwa 120 Filialen hat. Und ich habe dich als meinen Erben eingesetzt, weil ich uneingeschränktes Vertrauen zu dir habe. Ich möchte, dass du etwas ganz bestimmtes für mich tust. Es ist wirklich sehr wichtig für mich. Und glaub mir, für dich wird es bestimmt auch sehr wichtig sein. Es wird dein langweiliges und eintöniges Leben bestimmt für immer verändern und zwar auf die eine oder auch auf die andere Art. Aber du musst daß einfach für mich tun, denn es ist wahrhaftig eine Sache von aller höchster Wichtigkeit.“

 

„Was soll ich für dich tun?“, fragte Frank.

 

„Ich will, dass du diesen gemeinen, sadistischen, gestörten, hinterhältigen, grausamen, fiesen, kranken, drogensüchtigen, geistesgestörten, Alkohol trinkenden Professor umbringst! Du sollst meinen viel zu frühen Tod rächen. Begehe einen perfekten Mord bei dem der alte Professor das Opfer ist. Sei schlauer als die schlausten Mörder aus den besten Alfred Hitchcock Filmen, wie zum Beispiel „Coktail für eine Leiche“. Und vor allem sei nicht so dumm wie der gemeingefährliche und geistesgestörte Serienkiller aus den berühmten Filmen „Psycho“, „Psycho 2“, oder „Psycho 3“. Aber laß dich auf keinen Fall erwischen, denn der Knast ist bestimmt nichts für jemanden wie dich. Die Zustände dort sind meineswissens außerordentlich furchtbar. Zwar war ich noch nie im Kittchen, aber man hört auf der Straße bekanntlich so einiges. Und erzähl bloß meiner Ex nichts von diesem noch nicht ausgeführten Mordplan, der von dir noch nichtmal geplant wurde, den du aber bald planen wirst..., wenn mein letzter und vielleicht sogar wichtigster Wunsch erfüllt werden soll. Ich will meine Ex auf jeden Fall aus dieser gefährlichen Sache raushalten, denn sie weiß ja nichtmal etwas von meinen kleinen Erpressungen, da sie das auf keinen Fall erlaubt hätte. Übrigens ist dem vielen Bargeld in dem anderen Päckchen ein haargenauer Grundriß der Wohnung deines zukünftigen Mordopfers beigelegt. Diesen ziemlich genauen Plan habe ich beim zeitweiligen ausspionieren seiner vielen verschiedenen Untaten ganz nebenbei erstellt. Das war nicht gerade einfach und um genau zu sein, bin ich nur deshalb mit Hilfe meiner Dietrichsammlung in seine schäbige Wohnung eingebrochen, um etwas mehr über diesen Mann herauszufinden. Wenn du willst, kannst du ihn von mir aus ruhig in seiner bescheuerten Wohnung umbringen. Das dürfte kein Problem sein, denn du hast ja auch ein paar Dietriche. Aber wo und wie du ihn über den Jordan beförderst sei ruhig dir überlassen, denn schließlich bringst du ihn ja um und nicht ich. Aber ich wünschte, ich wäre in der Lage dazu. Doch jetzt bist du für die ganze Sache verantwortlich und du darfst dir keine Fehler erlauben. Aber laß dir bloß nicht zuviel Zeit damit die ganze Sache zu planen und durchzuführen, sondern tue es bitte noch vor meiner vermutlich bald stattfindenen Beerdigung. Wir sehen uns mit ziemlicher Sicherheit irgendwann im Jenseits wieder, Frank von Regensburg. Also alles Gute und viel Glück mein alter Freund. Ich hoffe wirklich aus tiefster Seele, dass du mir diesen allerletzten Wunsch ohne Umschweife erfüllst und deinen Auftrag nicht vollkommen versaust. Nun leb wohl und viel Glück auf deiner glorreichen und glanzvollen Mission! Und wie ich schon sagte: Laß dich bloß nicht von irgendwem erwischen, denn das wäre für dich so richtig übel! Und denke immer daran: Rache ist ein Gericht das am besten kalt serviert wird. Eiskalt! Und wenn du ihn umbringst darfst du kein Mitleid mit ihm haben, denn er hat den Tod verdient. Oh und übrigens... dieses nette kleine Tonband zerstört sich in exakt zehn Sekunden selbst. Also pass auf daß du das Tonbandgerät dann nicht mehr berührst, sonst verletzt du dich möglicherweise. Die Zeit läuft ab jetzt.“

 

„Ich werde dir deinen letzten Wunsch erfüllen.“, sagte Frank von Regensburg mit einem beängstigend eiskaltem Tonfall, den er von nun an immer ruhig und gelassen in seine Worte fließen lassen würde.

 

Genau zehn Sekunden später qualmte das schwarze Tonbandgerät und Frank warf es etwas gereizt in den Mülleimer, der direkt neben seinem viel zu kleinen Schreibtisch stand. Nun wußte er genau, was er zu tun hatte. Er würde den Tod seines besten Freundes rächen, wobei es ihn nicht interessierte das Mord eines der schlimmsten Verbrechen war, das es seit Anbeginn der Zeit gab. Aber das war kein nennenswertes Problem für jemanden wie ihn. Es war seiner Meinung nach ziemlich leicht einen Menschen umzubringen. Aber zuerst einmal musste er sich einen wirklich guten Plan ausdenken, wie er Professor Liefers über den Jordan schicken konnte. Frank sah sich den Plan von der Wohnung dieses alten Mannes an, nachdem er das Geld aus dem Päckchen gezählt hatte. Es waren genau 5.000 Euro. Als er den Grundriß der Wohnung seines künftigen Opfers vollkommen studiert hatte, kam er langsam aber sicher auf die entscheidende Idee, wie er den Mord begehen würde. Aber für diese Tat brauchte er mehrere Komplizen. Und zwar Komplizen denen er jederzeit und ohne zu zögern sein kostbares Leben anvertrauen konnte. Denn schließlich wollte er ebensowenig wegen des Mordes an dem mörderischen Professor geschnappt werden, wie dieser wegen des grausamen und brutalen Mordes an Frank’s gutem Schulfreund Anton Bar geschnappt werden wollte. Also würde Frank von Regensburg sich wie gesagt ein paar zuverlässige und vertrauenswürdige Komplizen für die Durchführung dieser teuflischen Tat suchen müssen. Zuerst dachte er daran seine Freundin Melissa zu seiner Komplizin in dieser gefährlichen Sache zu machen. Doch dann hielt er es aus verschiedenen Sicherheitsgründen für besser, sie aus dieser gefährlichen Mission rauszuhalten. Einen kurzen Moment lang dachte er doch tatsächlich daran, seine und Anton’s Ex- Freundin Sandra Weck um Hilfe zu bitten. Doch ihm war vollkommen klar, dass diese Idee noch dümmer war als die erste. Etwas später fiel ihm dann plötzlich durch Zufall ein, wo und wie er ein paar wahrhaft mutige Mitstreiter für seinen genialen Plan finden würde. Und wenn alle Komplizen wie geplant mitmachen würden, dann wäre Frank fein raus. Und er war sich vollkommen sicher das sie mitmachen würden, denn er kannte besagte Komplizen ziemlich gut. Um die baldige Durchführung dieses hinterhältigen, aber dennoch auf irgendeine merkwürdige Weise genialen Planes und die Einweihung der wenigen Komplizen in denselben, würde er sich morgen kümmern. An diesem Freitag jedoch, an dem er zum Glück wenigstens nicht in der nervigen Schule sein musste, würde der werte Frank von Regensburg sich ersteinmal etwas ausruhen und den Tod seines besten Freundes vollständig verarbeiten. Er musste erstmal sehen wie er damit klarkommen würde. Diese Sache ging ihm so nahe, wie der Tod eines guten Freundes jemandem eben nahe gehen konnte. Und am folgenden Tag würde er damit beginnen seinen Tod zu rächen. 

 

 

Einen Tag später, genauer gesagt am Samstag, telefonierte Frank von Regensburg mit seinem guten Freund Jan Romes, zu dem er vollstes Vertrauen hatte. Er kannte Jan schon fast so lange, wie er Anton gekannt hatte. Und sie kannten sich immerhin schon eine halbe Ewigkeit. Also berichtete Frank ihm von seinem perfekt durchdachten Plan. Nachdem dieser die gesamten Fakten gehört hatte, war er sofort damit einverstanden mitzumachen. Dann telefonierte er mit seinem Kumpel Tony Coaster und erzählte auch ihm von seinem mörderischen Plan. Auch Tony kannte er schon seit einer halben Ewigkeit, weshalb er ihm völlig vertrauen konnte. Und ohne nach irgendwelchen unnötigen Gründen zu fragen, die er selbst für überflüssig hielt, sagte Tony zu. So etwas war ganz und gar nach seinem mörderischen Geschmack. Anschließend rief er einen weiteren guten alten Freund an. Sein Name war Franz Fenster. Zwar ging er genau wie Frank‘s andere Mitstreiter nicht auf dieselbe Schule wie er und Anton, aber er hatte Anton flüchtig gekannt und so wußte er natürlich ganz genau das dieser vor kurzem verstorbene Junge es verdient hatte, dass sein recht früher Tod entsprechend gerächt werden würde. Also war Franz Fenster sofort bereit bei dieser waghalsigen und gefährlichen Aktion mitzumachen und an dem Professor grausame Rache zu nehmen. Frank’s Plan war ziemlich kompliziert, weshalb er all seinen Freunden sagte sie sollen ersteinmal zu ihm in die Wohnung seiner Eltern kommen. Dort würden die Verschwörer dann alles bis ins kleinste Detail besprechen. Dieses Treffen sollte pünktlich um 20:00 Uhr stattfinden. Der gerissene Veranstalter dieser teuflischen Aktion bestand auf Pünktlichkeit, denn sein frisch erstellter Plan hing in gewisser Weise auch davon ab, dass alles zeitlich genau eingehalten wurde. Frank von Regensburg’s heißgeliebte Eltern waren für ein paar Tage nach England in den Urlaub gefahren und würden mit Sicherheit nicht vor dem nächsten Samstag wiederkommen, weshalb sie die teuflischen Pläne ihres Sohnes mit Sicherheit nicht stören würden. Also konnten der werte Herr von Regensburg und seine drei vertrauenswürdigen Freunde in aller Ruhe ihren mörderischen Plänen nachgehen. Der Planer traf für die Tat noch ein paar kleinere Vorbereitungen und war anschließend zu allen erdenklichen Untaten bereit. Die Rache würde bald sein sein. Oder vielleicht auch nicht, denn es bestand ja immer die Möglichkeit das etwas nicht so klappte wie geplant.  

 

 

Pünktlich um 20:00 Uhr kamen seine eingeweihten Freunde Jan Romes, Tony Coaster und Franz Fenster bei ihm vorbei und Frank von Regensburg erklärte ihnen seinen genial durchdachten Plan, ohne ein einziges wichtiges Detail auszulassen. Er würde den Mörder seines Freundes Anton ermorden und sie waren lediglich dazu da ihm ein wasserdichtes Alibi zu geben. Mit anderen Worten: Der gute Frank würde die ganze zu erledigende Drecksarbeit selbst machen müssen. Aber es war ja schließlich auch sein hinterhältiger und gemeiner Plan und er hatte seiner Meinung nach alles bis ins allerletzte Detail haargenau durchdacht. Und es gehörte ja auch zu seiner ausgefuchsten Planung die ganze Drecksarbeit selbst zu machen, während seine eingeweihten Komplizen die ganze Zeit über so taten als wäre er zur Zeit des bald stattfindenen Mordes bei ihnen gewesen. Sie würden sein falsches Alibi sein, falls irgend jemand irgendwelche dumme Fragen stellen sollte. Nachdem Frank von Regensburg seinen drei Komplizen alle Einzelheiten genau und unmißverständlich erklärt hatte, begann die kleine aber feine Gruppe von Verschwörern schließlich und endlich mit der Durchführung des vermeintlich brillianten Planes, der das Leben des teuflischen Professors für immer aushauchen sollte. Natürlich würde er sein Leben nur dann aushauchen können, wenn der Plan tatsächlich funktionieren würde.

 

 

Frank verließ genau um 21:30 Uhr seine Wohnung und achtete dabei natürlich darauf, dass ihn niemand von den wenigen Leuten, die noch unterwegs waren, bemerkte. Da es draußen bereits ziemlich dunkel war und er nur schwarze Kleidung (einschließlich schwarzer Handschuhe) trug, würde ihn wahrscheinlich niemand bemerken. Er trug eine schwarze Tasche mit sich herum, in der ein paar wirklich sehr wichtige Utensilien waren, die er für die Durchführung seines brillianten Planes brauchte. Während er sich auf den Weg machte seinen hinterhältigen Lehrer zu ermorden, blieben die anderen zu Hause und gaben ihm ein hieb- und stichfestes Alibi. Sollte jemand von der Polizei fragen, hätten sie bis spät in die Nacht Poker gespielt und Frank hätte fast immer gewonnen. Dieser aber würde in Wahrheit währen der ganzen Zeit mit vielen verschiedenen Bussen in die Nähe des Hauses fahren, in dem Professor Thomas Liefers wohnte. Aller Wahrscheinlichkeit nach war der bei sich zu Hause und wenn nicht würde er eben ein paar Minuten auf ihn warten. Das war für ihn kein allzu großes Problem. Frank von Regensburg schätzte, dass seine ungefähre Ankunftszeit (zusammengerechnet aus den Fahrtzeiten und Fahrplänen der verschiedenen Busse und deren mit eingeplanten [eventuellen] Verspätungen, die er mit Hilfe des Internets herausgefunden hatte) in der Wohnung seines zukünftigen Opfers etwa um 23:30 Uhr sein würde. Unser hochgeschätzter zukünftiger Mörder würde ein paar Umwege fahren, um seine möglichen Spuren zu verwischen. Außerdem ließen ihm die Fahrpläne keine andere Wahl. Zu seinem Glück gab es gleich vor seinem Haus eine Haltestelle. Dort wartete er nun auf den Bus, der ihn näher an sein Ziel bringen sollte. Es dauerte etwa zehn Minuten, bis der erste erwartete Bus kam und Frank endlich losfahren konnte. Er setzte sich ganz hinten hin, von wo aus er den gesamten Bus und jeden in ihm sitzenden Passagier, einschließlich den Fahrer, im Auge behalten konnte. Während der langen Fahrt sah er gelangweilt aus dem Fenster und genoß den Anblick der Stadt bei Nacht. Nach 11 Stationen stieg er aus und wartete an der selben Station auf den nächsten Nachtbus. Zu seinem großen Plan gehörte zum Glück auch das gewissenhafte Studium des Stadtplans der Berliner Verkehrs Gesellschaft, besser bekannt als BVG. Das hatte er erledigt, noch bevor seine drei Komplizen kamen. Es gehörte zu den vielen Vorbereitungen, die er getroffen hatte. Der Rest seiner sogenannten „Vorbereitungen“ befand sich in der schwarzen Tasche, die er fest umklammerte, während er auf den nächsten Bus in der Dunkelheit wartete. Plötzlich stand eine schwarzgekleidete und unheimliche Gestalt hinter ihm. Die seltsame Gestalt zog ein Messer und sagte:„Hey du!“

Frank drehte sich um und das Phantom packte ihn und hielt ihm sein langes Messer an die Kehle. Er schwebte nun in Lebensgefahr. „Geld oder Leben!“, sagte die schwarzgekleidete Person.

„Ich habe aber kein Geld dabei.“, jammerte Frank, während er sich bemühte nicht allzusehr beim Anblick des Messers zu zittern.

„Dann die schwarze Tasche!“, schrie der Räuber sein Opfer an.

Dieses hatte inzwischen erkannt das es sich bei dem Räuber um einen Mann handelte und sich überlegt, wie er es mit demselben am besten aufnehmen konnte. „Nein! Die Tasche kriegst du auf gar keinen Fall!“, schrie er laut (denn schließlich wollte, oder besser gesagt musste er in dieser dunklen Nacht noch seinen zeitlich genau berechneten Mordplan durchführen, um den Mord an seinem Freund und Mitschüler richtig rächen zu können).

Also stieß er den Räuber blitzschnell beiseite und sie begannen wild gegeneinander zu kämpfen. Der werte Herr Regensburg und sein Gegner rangen ein paar Minuten gnadenlos miteinander, bis Frank es endlich schaffte ihm sein Messer abzunehmen und ihn damit mal ebenso zu erstechen. Der Räuber sackte mit schmerzverzerrtem Gesicht zusammen und war nach wenigen Sekunden tot. Frank wußte das der lang erwartete Bus bald kommen würde, um ihn als Fahrgast aufzunehmen. Und da er heute Nacht noch einen weiteren, besser geplanten Mord begehen musste, war er gezwungen seinen vorbestimmten Zeitplan einzuhalten. Deshalb musste er die Leiche des ermordeten Räubers von der Haltestelle wegschaffen, damit der Fahrer und die anderen Insassen des Busses sie nicht bemerkten. Zum Glück hatte er seine schwarzen Handschuhe bereits an, weshalb er auch keine Fingerabdrücke an dem im Räuber steckenden Messer oder an der Leiche selbst hinterlassen hatte und auch keine bei der Beseitigung derselben hinterlassen würde. Er zog die besagte Leiche in eine dunkel Gasse und ließ sie einfach dort liegen. Anschließend untersuchte er seine schwarzen Klamotten auf Blut und stellte fest, dass sich an ihnen keine verräterischen Spuren befanden. Dann stellte er sich an die Haltestelle und wartete auf den Bus, der dann zehn Minuten später auch endlich kam. „Ein Glück, dass dieser brutale Typ kein größeres Messer bei sich hatte. Diese Stadt ist für eine Millionenmetropole einfach nicht mehr sicher genug. Das man bei Nacht einfach so an einer Bushaltestelle überfallen werden kann, ist wirklich furchtbar. Aber egal. Es wird Zeit den hinterhältigen und verschlagenen Professor Liefers zu ermorden. Ich sollte mich nicht von meinem Ziel abbringen lassen, schließlich muss ich Anton’s letzten Wunsch noch heute Nacht erfüllen. Je eher ich diese komplizierte Sache hinter mich gebracht habe, desto besser.“, dachte F. von R., während  ihn der Bus langsam aber sicher näher an sein Ziel brachte und er mit der unsicheren Gewißheit durch die Nacht fuhr, mit seiner eben begangenen Tat davonzukommen.

Genauso wie er mit dem bald folgenden Mord durchkommen würde. Aber vielleicht kommt er damit ja doch nicht davon. Außer mir weiß das schließlich keiner. Und ich werde niemandem etwas vor der dafür vorgesehenen Zeit verraten, denn sonst wäre die Geschichte ja bereits zu Ende und das wäre für mich als Autor dieses Kriminalromans natürlich nicht sonderlich akzeptabel. 

 

 

Zur selben Zeit spielten seine eingeweihten Komplizen Jan, Tony und Franz eine weitere Partie Poker. Dabei saßen sie an dem runden Pokertisch im Wohnzimmer, dass gleich neben Franks Zimmer lag. Jan Romes hatte ein As, einen König, eine Dame, einen Buben und eine Zehn. Tony Coaster hatte vier Asse und einen König. Und Franz Fenster hatte vier Könige und ein As. Jeder von ihnen schummelte, ohne zu merken, dass die anderen es auch taten. Nachdem die Karten auf den Tisch gelegt worden waren, wollten sie sofort aufeinander losgehen, doch ein Klingeln an der Tür hielt sie davon ab. „Hat der gute Frank etwa noch jemanden eingeweiht?“, fragte Franz.

„Nicht dass ich wüßte. Und wenn doch, hätte er es uns ja wohl gesagt.“, meinte Jan.

„Ich sehe mal nach.“, schlug Tony vor.

Er stand auf und ging zur Tür, wo der unangemeldete Gast wieder klingelte. Tony Coaster guckte durch den Türspion und sah Melissa Klein. Frank’s Freundin wollte ihn wohl einfach mal spontan besuchen und mit ihm tun, was Verliebte nun einmal für gewöhnlich miteinander tun. „Verfluchte Scheiße. Was soll ich jetzt nur machen? Wenn ich die Wohnungstür aufmache, wird sie sich über unsere Anwesenheit und die Abwesenheit ihres Freundes wundern. Wenn ich nicht aufmache, wird sie sich auch über die Abwesenheit ihres Freundes wundern. Ich muss mir schnell was einfallen lassen, bevor es zu spät ist. Sie darf nichts von dem Mordkomplott erfahren.“, dachte T. C.

Er war langsam aber sicher am Verzweifeln. Inzwischen waren die anderen beiden Komplizen auch zur Tür gekommen, um sich mit Tony über die plötzlich mißlich gewordene Lage zu beraten. Sie entschieden sich dafür die Eingangstür zur Wohnung ihres Komplizen nicht aufzumachen. Melissa würde sich dadurch ihre eignen Gedanken darüber machen können, wieso angeblich niemand da war. Aber die drei würden Frank später erzählen, dass seine Freundin dagewesen war. Und der gute Frank würde schon wissen was zu tun sei und entsprechende Anweisungen erteilen. Dann würde er sich bestimmt eine gute und glaubwürdige Ausrede einfallen lassen, mit der er die hübsche Blondine abspeisen konnte. Natürlich musste diese Ausrede auch wirklich glaubhaft sein. Aber Tony und die anderen waren einstimmig zu dem Schluß gekommen, dass ihr überaus cleverer Freund das ganze schon irgendwie hinkriegen und somit das kleine Problem ohne allzu große Probleme lösen würde. Wenig später hörte Melissa endlich auf zu warten und zu klingeln und verließ entnervt das Treppenhaus, während ihr jede Menge dunkle Vorahnungen durch den Kopf schossen. Jan Romes, Tony Coaster und Franz Fenster atmeten erleichtert auf. Niemand von ihnen wußte, was bei dieser komplizierten Sache noch herauskommen würde. Aber schließlich konnte auch keiner von ihnen in die bevorstehende Zukunft sehen. Und wenn sie es irgendwie gekonnt hätten, dann hätten sie die Zukunft wahrscheinlich sowieso zu ihren Bedingungen geändert, da sie mit ihr möglicherweise auf irgendeine Art unzufrieden gewesen wären, was bekanntlich den meisten Menschen verständlicherweise so geht.

 

 

Inzwischen hatte Frank von Regensburg den anderen Bus verlassen und wartete auf den nächsten Verbindungsbus, um sein Ziel pünktlich zu erreichen und mit dem Mord genau in dem errechneten Zeitplan bleiben zu können. Er stellte durch einen kurzen Blick auf seine Armbanduhr fest, dass es bereits 22:20 Uhr war, als dieser endlich kam. Der Bus hatte sich um zwei Minuten verspätet. Aber auch damit hatte Frank gerechnet, weshalb alle minimalen Verspätungen ein akzeptabler Teil seines Planes waren. Diesmal war es aus irgendeinem Frank unbekannten Grund ein Doppeldecker, was vorallem bei Nacht ziemlich selten vorkam. Nachdem er eingestiegen war, dachte er nochmal darüber nach wie er den Mord begehen würde. Tja und wegen des toten Räubers in der Gasse machte er sich keine allzu großen Sorgen. „Man wird die Leiche bestimmt nicht allzu schnell finden. Das wird bestimmt dauern.“, dachte er, während der Bus am Reichstag vorbeifuhr.

Und selbst wenn doch; seine Freunde waren sein Alibi. Darüber was passieren konnte wenn einer von ihnen auspackte dachte er nicht nach, denn auf diese von ihm zusammengestellte Truppe konnte er sich schließlich 100prozentig verlassen. Außerdem hatte er einfach keine Zeit um über so etwas genauer nachzudenken. Dieser junge Mann hatte schließlich einen zeitlich bedingten Plan durchzuführen, weshalb er keine Station zu früh oder zu spät aussteigen durfte. Später stieg er ein weiteres mal aus und wartete erneut auf einen Verbindungsbus. Auch mit diesem Bus fuhr er mehrere Stationen, bis er an einer anderen Station wieder umstieg. Nachdem er in den letzten Bus eingestiegenen war, stand er plötzlich wie versteinert da. Er sah jemanden, den er in diesem Bus nun wirklich nicht erwartet hatte: Professor Thomas Liefers. Was Frank nicht wußte war, dass der Professor gerade eine Nachtfahrt mit dem Bus unternahm. Daß tat er manchmal, wenn er nicht schlafen konnte und keine Lust hatte sich ins Koma zu trinken, oder sich mit Drogen vollzupumpen. Nachdem der alte Professor sich nämlich am Freitag mit Drogen zugepumpt hatte, war er irgendwann am Samstag zwischen 16:00 und 19:00 Uhr aufgewacht und hatte etwas gegessen. Dann hatte er beschlossen sich etwas die Stadt anzusehen und sich dabei vielleicht den Schauplatz für seinen nächsten vermeintlich „perfekten“ Mord auszusuchen. Der Mann war ein gefährlicher Verbrecher geworden, der auf den Geschmack des Tötens gekommen war, was die Theorie/Regel untermauerte, die besagt das ein Mörder der mit seiner Tat davonkommt irgendwann wieder jemanden ermorden wird (natürlich gibt es manchmal auch Ausnahmen bei denen die Mörder es aus irgendeinem Grund bei einem Mord belassen. Aber wenn jemand einen anderen Menschen umbringt, dann ist das wie wenn ein wildes Tier einen Menschen tötet: Man muss das wilde Tier aus dem Verkehr ziehen, denn es hat Blut geleckt, ist auf den Geschmack gekommen und wird bestimmt wieder jemanden töten). Der verrückte Professor hatte noch kein Mordopfer gefunden. Aber was den Schauplatz für sein nächstes Verbrechen betraf,  schwankte er zwischen dem Funk- und dem Fernsehturm. Anschließend fiel ihm auf, dass er nicht müde wurde. Und so beschloß er die finstere Nacht in verschiedenen Nachtbussen zu genießen. Damit hatte Frank nicht gerechnet. Aber zum Glück hatte sein gemeingefährlicher Lehrer ihn noch nicht gesehen, denn er war viel zu sehr damit beschäftigt im vorbeifahren die dunkle Umgebung zu mustern. Frank von Regensburg war von dieser seltsamen Wendung in der Geschichte irgendwie ziemlich genervt und dachte:„Verdammter Mist. Das ist doch wirklich zum..., ach egal. Ich kriege das schon irgendwie hin. Ich folge diesem hinterhältigen Mistkerl einfach so unauffällig wie möglich zu seiner Wohnung und warte zur Sicherheit vielleicht noch ein bißchen. Dann setze ich meine nette kleine Geheimwaffen ein und befördere den Professor ohne irgendwelche Umschweife ins Jenseits. Alles wird perfekt funktionieren.“

Er versuchte durch die Aufbietung all seiner Kräfte ruhig zu bleiben. Ein paar Stationen später stieg der Professor aus und Frank folgte ihm unauffällig. Da es zwei Ausgänge im Bus gab, stieg Frank durch den anderen aus und wurde deshalb nicht von Thomas Liefers bemerkt. Der war vielleicht immer noch etwas auf Droge. Etwa 15 Minuten später stand Frank vor dem Haus, in dem sein Opfer wohnte. Er hatte wirklich Glück gehabt, dass der Professor ihn nicht bemerkt hatte. Durch einen Blick auf seine Armbanduhr stellte er fest, dass es 23:31 Uhr war. Er checkte noch einmal schnell seine Utensilien und stellte fest, dass er alles dabei hatte: Handschuhe, Dietrich, starker Magnet und eine kleine Kühlbox . Alles was er brauchte war in seiner schwarzen Tasche. Er nahm den Dietrich und öffnete die Haustür. Im Hausflur brannte noch Licht (und es würde bestimmt noch eine ganze Weile brennen). Frank von Regensburg sah sich verstohlen um und stellte fest das ihn niemand beobachtete. Anschließend wollte er dasselbe mit der ersten hölzernen Tür im Erdgeschoß (der Tür zur Wohnung von Thomas Liefers, was Frank dank Antons Skizze wußte) machen. Doch dann fiel ihm ein das der Professor höchstens die beiden neu angebauten Riegel vorgeschoben hatte, da er schließlich selbst zu Hause war. Also holte Frank seinen starken Magneten aus seiner schwarzen Tasche und hielt ihn genau dahin, wo seineswissens auf der anderen Seite der Tür die beiden Riegel waren. „Wirklich klasse, dass der gute Anton während seiner kurzen Karriere als Einbrecher einen genauen Plan von der Wohnung des Professors gemacht hat. Nur durch ihn kann ich meinen eignen mörderischen Plan ohne Probleme in die Tat umsetzen. Und sobald ich das getan habe, würde er bestimmt zufrieden sein, weil sein viel zu früher Tod von seinem allerbesten Freund gerächt wurde. Dann wird alles so sein, wie es sein sollte. Denn der Professor wird für immer in der Hölle verrotten.“, dachte der Rächer.

Er zog den starken Magneten nach rechts zur Seite und hielt ihn dabei an die dünne Tür. Anschließend sah er sich nochmal kurz um und stellte fest das ihn niemand beobachtete. Dann sperrte er leise die Tür auf, steckte den Magneten weg und holte seine kleine Kühlbox hervor. Er schlich geräuschlos in die Wohnung seines künftigen Opfers und checkte zuerst die Küche ab, die der Eingangstür am nächsten gelegen war. Sie war leer. Dann warf er einen vorsichtigen Blick ins Wohnzimmer und stellte fest, dass der alte Professor vor seinem eingeschalteten Fernseher saß. Er sah sich die Spätnachrichten an, in denen es um den laufenden Wahlkampf in den U.S.A. ging. „Wer wohl neuer US Präsident wird.“, sagte der gemeingefährliche Thomas Liefers gelangweilt zu sich selbst, während er sich in seinem Sessel räkelte.

Sein baldiger Mörder erschrak bei diesen laut ausgesprochenen Worten, da er nun für einen kurzen Moment dachte, dass er angesprochen worden wäre. Natürlich merkte Frank eine Sekunde später, dass dieser Gedanke nur eine Fehlvermutung gewesen war. Er war sofort enorm erleichtert und öffnete seine Kühlbox. Er holte ein langes, scharfes und spitzes Stück Eis heraus, schlich auf den in seinem Sessel sitzenden Professor zu und bohrte ihm das Eismesser in den Rücken. „Das ist für Anton!“, schrie er und stach danach noch ein zweites Mal zu, wobei er wie zuvor darauf achtete, kein Blut abzubekommen.

Nach diesen beiden Stichen war der Professor bereits tot. Aber Frank stach noch ein weiteres mal zu (nur um auf Nummer Sicher zu gehen). Als nächstes suchte er das Badezimmer auf und wusch dort das Blut seines Opfers von seinen dreckigen Handschuhen ab. Um die Tatwaffe zu beseitigen musste er nichts weiter tun, als sie ins Waschbecken zu legen und das warme Wasser anzustellen. Er ließ es einfach laufen, während er durch die Wohnung ging und kontrollierte ob alle Fenster geschlossen waren. Als klar war das sie alle geschlossen waren, ging er ins Badezimmer zurück und stellte das Wasser ab. Die Tatwaffe war inzwischen geschmolzen. Nachdem er dies festgestellt hatte, ging er ins Wohnzimmer zurück und schaltete den Fernseher aus, wobei er aufpaßte daß er nicht in die Blutlache trat, die sich inzwischen unter dem Sessel auf dem Boden gebildet hatte. Anschließend zog er die Vorhänge im Wohnzimmer zu, damit niemand die Leiche durch die Fenster sehen konnte. Niemand würde den Professor vorerst vermissen. Man würde sich zwar wundern das er nicht in die Schule kam, aber es würde ein paar Tage dauern bis deswegen jemand seine Wohnung durchsuchte. Es war wahrscheinlicher das den Nachbarn irgendwann der Verwesungsgeruch auffiel und sie die Wohnung von der Polizei öffnen ließen. Aber Frank war völlig egal wie Thomas Liefers gefunden wurde, denn ihn interessierte nur noch die Tatsache das er noch unbemerkt aus dieser Gegend verschwinden musste. Denn selbst wenn der tote Professor erst nach einem Monat oder so gefunden würde, den genauen Todeszeitpunkt könnte man danach immer noch genau festlegen. Und dann konnte er sein falsches Alibi vorweisen. Aber wenn ihn zufällig jemand sah und richtig beschreiben konnte, war der ganze Plan selbstverständlich im Eimer. Deshalb verließ Frank, nachdem er die Vorhänge zugezogen hatte, die Wohnung so schnell wie er nur konnte. Doch bevor er auch das Haus verließ, zog er den Trick mit dem Magneten nochmal in umgekehrter Richtung durch. Somit war der Mord an Professor Thomas Liefers jetzt ein Mord in einem verschlossenen Raum, oder besser gesagt in einer verschlossenen Wohnung. „Das ist wie in den uralten Kriminalromanen von diesen vielen berühmten Schriftstellern, deren Namen ich leider vergessen habe. Nur ist der genial durchdachte Trick mit den verschlossenen Räumen dort immer viel komplizierter und umständlicher, damit keiner von den Lesern allzu schnell in der Lage ist den Fall vor dem dort ermittelnden Detektiv lösen zu können. Aber hier ist der Trick so simpel, dass vermutlich niemand darauf kommen wird. Die Leute von der Polizei werden vermutlich von irgendeinem komplizierten Trick ausgehen und deshalb nie darauf kommen, wie sich das ganze wirklich abgespielt hat. Und dann werden sie noch über die Identität der Tatwaffe rätseln. Auf ein Messer aus purem Eis kommen die bestimmt nie. Und durch diese Tat weiß ich wenigstens, wie ich im Notfall meine Probleme lösen kann. Natürlich nur, wenn es keine andere Lösung für besagte Probleme gibt. Und da mich niemand bei meinem Treiben beobachtet hat, wird mit Sicherheit keiner allzu schnell hinter meine kleinen Tricks kommen. Das nennt man wohl ein perfektes und unlösbares Verbrechen.“, dachte Frank von Regensburg (die seltsame Regel schien bei diesem jungen Mann fortzubestehen, denn er würde wahrscheinlich weiter töten, nachdem er in dieser Nacht bereits zwei Menschenleben ausgelöscht hatte und anscheinend von niemandem erwischt werden würde, da ihn vermutlich nichtmal jemand bei diesen Taten beobachtet hatte. Er sieht das Töten nun als die allerbeste Lösung für ein anstehendes Problem an und wird es bestimmt irgendwann wieder tun, um ein Problem zu lösen).

Nachdem der zweifache Mörder den kleinen Trick mit dem Magneten im Schein der Lampen des Treppenhauses erneut durchgeführt hatte, verließ er das Haus und ging unauffällig wie ein Spaziergänger zur nächsten Bushaltestelle, um in der entgegensetzten Reihenfolge seinen Hinweg abzufahren. So würde er wieder nach Hause zurückkommen. Als er sich an die andere Bushaltestelle stellte, sah er auf seine Uhr und bemerkte dass es bereits 00:01 Uhr war. Er würde, wenn alle Busse pünktlich kamen (die Fahrpläne der Nachtbusse sind oftmals ziemlich kompliziert und wirken leicht durcheinander, da besagte Busse leider nur ein paar Mal in jeder Nacht zu einer ganz bestimmten Zeit kommen), ungefähr um 02:00 Uhr in seiner Wohnung stehen und seinen Leuten berichten das alles genau nach Plan verlaufen war und ihn niemand gesehen hatte. Seine Komplizen würden überglücklich sein. Es war ihm gelungen den Tod seines alten Freundes Anton Bar zu rächen. Und zwar genauso wie dieser es auf dem Tonband verlangt hatte, dass irgendwie in der Lage war sich selbst zu zerstören (Wo der gute Anton Bar das wohl her hatte? Vielleicht kann man sich so etwas heutzutage schon in jedem x- beliebigen Laden kaufen. Wer weiß das schon? Heutzutage ist bekanntlich fast alles möglich). Frank von Regensburg jedenfalls hatte seinen heiklen und gefährlichen Auftrag mit Bravour ausgeführt. Und seine drei eingeweihten Komplizen hatten die ihnen zugeteilte Aufgabe sicher auch so erfüllt, wie sie sie erfüllen sollten. Zumindest hoffte Frank das es so wäre. Aber ob bei ihnen in der Zwischenzeit alles gutgegangen war, würde er erst dann erfahren, wenn er seine Wohnung wieder betreten und sie von Angesicht zu Angesicht fragen würde. Und das konnte er selbstverständlich bald tun, doch zuerst musste er an der Haltestelle eine Weile auf den nächsten Bus warten. Zum Glück war er der einzige Wartende an besagter Haltestelle.

 

 

Nachdem der Bus endlich gekommen war, setzte Frank sich gelassen auf einen der vielen freien Plätze und genoß den Anblick der Hauptstadt bei Nacht. Dasselbe hatte sein kürzlich verstorbenes Opfer kurz zuvor getan. Er würde vielleicht genauso werden, wie der hinterlistige Professor, den er ermordet hatte. Wie heißt es so schön? Wer einen Teufel tötet, der kann leicht selbst zum Teufel werden. Und da Frank von Regensburg sich absolut sicher war, dass ihn bei seiner teuflischen Tat niemand beobachtet hatte, wog er sich in einer teuflischen und trügerischen Sicherheit. Aber hatte ihn bei dieser hinterhältigen und verschlagenen Tat auch wirklich niemand beobachtet?

 

 

Um 02:04 Uhr stand Frank von Regensburg wieder in seiner Wohnung. Seine Leute fragten ihn neugierig darüber aus, wie es gelaufen war und ob alles gut gegangen war. Frank erzählte ihnen alles über die vergangenen Ereignisse; alles außer die Sache mit dem Räuber. Und dann erzählten die Komplizen ihm alles über das Erscheinen seiner Freundin Melissa. Frank war daraufhin ziemlich sauer:„Ich hab ihr doch schon etliche Male gesagt, dass sie mich anrufen soll, bevor sie hier spontan bei mir vorbeikommt! Warum hört sie denn nie auf mich?! Das ist mal wieder typisch für sie. Aber egal. Ich kümmere mich schon irgendwie darum. Egal was ihr jetzt gerade durch den Kopf gehen mag, ich werde schon irgendwie dafür sorgen das die Kleine uns niemals auf die Schliche kommt.“

Nun würde er etwas unternehmen müssen, weil sie ansonsten vielleicht auffliegen würden. Wenn Melissa zum Beispiel nur den geringsten Verdacht schöpfte, oder ihren Eltern erzählte das niemand in der Wohnung war, dann hatten sie ein ziemlich großes Problem. Oder wenn sie es jemand anderem erzählen würde, wie zum Beispiel der Polizei. Und wenn die dann rausfanden das der Professor tot war und seine Schüler befragten, müsste sie ihnen erzählen wo sie während der Tatzeit war. Wenn die gute Melissa und die Polizei sich dann die Mühe machen würden zwei und zwei zusammenzählen, würden sie die Wahrheit möglicherweise erkennen. Und wenn die Polizei die Buslinien überprüfte, würden sie ihn auch in dem anderen Mordfall verdächtigen. Nur durch Melissas scheinbar unwichtige Aussage könnte alles was in dieser Nacht vom Samstag zum Sonntag passiert ist zufällig ans Tageslicht gekehrt werden. Aber ihm würde in diesem Fall schon irgendeine glaubwürdige Ausrede einfallen, wenn seine Freundin Melissa an diesem Sonntag nochmal vorbeikommen sollte, um nachzusehen ob er beim zweiten Mal an dem Ort anwesend wäre, an dem sie ihn sonst fast immer auffand. Aber zuerst einmal würden der Mörder und seine drei Komplizen schlafen gehen, denn schließlich sollte das wasserdichte Alibi die gesamte Nacht abdecken. Und Frank von Regensburg würde sicher bald eine gute Ausrede einfallen, mit der er seine Freundin abspeisen konnte. Also krochen die gerissenen Verschwörer in ihre extra dafür bereitgelegten Schlafsäcke und schliefen die Nacht durch. Sie dachten dabei nicht an die möglichen Konsequenzen, die diese brutale Tat für sie früher oder später möglicherweise haben könnte. Dazu waren sie, nach dieser anstrengenden und nervenaufreibenden Sache, auch viel zu müde gewesen. Und wer hundemüde ist, der kann bekanntlich nicht sonderlich klar denken, sondern nur tief und fest schlafen.

 

 

Am Sonntag wachten die vier jungen Verschwörer so etwa gegen 13:00 Uhr auf und nahmen ein ausgiebiges, wenn auch reichlich spätes Frühstück zu sich. Dabei verloren sie kein einziges Wort über die Ereignisse der letzten Nacht. Ungefähr 25 Minuten später klingelte es an der Wohnungstür und Frank öffnete sie und war nicht allzu überrascht seine alte Freundin zu sehen. Melissa Klein kam herein und fragte ohne zu grüßen ihren Freund:„Wo warst du in der letzten Nacht?!“

Sie strich sich ihre blonden Haare aus dem Gesicht und sah ihn besorgt an. Aber eigentlich war ihr Gesichtsausdruck eine bunte Mischung aus Wut und Besorgnis. „Ich war mit Jan, Tony und Franz in der Disco.“, antwortete Frank von Regensburg auf die Frage seiner eifersüchtigen Freundin.

„Ihr seid also letzte Nacht in der neuen, hochmodernen Disco zwei Straßen weiter gewesen?“, fragte sie ihren Freund.

„Ja, genau dort waren wir. Es ist wirklich eine tolle Nacht gewesen.“, erwiderte er verlogen.

„Da habe ich dich auch gesucht. Aber du warst leider Gottes nicht da. Genausowenig wie deine mißratene Gang!“, schrie sie.

„Ich weiß, was du in der letzten Nacht wirklich getan hast!“, beschimpfte sie ihn nach einer kurzen Atempause weiter.

„Melissa... ich...“

Weiter kam Frank mit seiner Argumentation nicht, denn Melissa schrie weiter:„Wie konntest du nur etwas so gemeines tun?!“

„Es tut mir leid...“, versuchte er zu erklären, während er dachte:„Die gute Melissa denkt wahrscheinlich, dass ich sie letzte Nacht mit irgendeinem anderen Mädchen betrogen habe. Ich frag mich, wie ich aus dieser Sache wieder rauskommen soll, ohne ihre zarten Gefühle auf irgendeine Weise zu verletzen. Aber zum Glück weiß die gute Melissa nichts von dem Mord an ihrem und meinem Physiklehrer. Wie hätte sie von dieser Sache auch erfahren sollen? Es hat ihr ja keiner etwas davon erzählt. Und sie hätte es ja nur von mir, Jan, Tony oder von Franz erfahren können. Aber da wir ihr nichts von der ganzen Sache erzählt haben, wird sie dieses kleine Geheimnis niemals lüften können und wir vier werden es ohne Umschweife mit ins Grab nehmen. Hahaha. Wenn sie jemals erfährt das ich diesen Mord zu verantworten habe, dann will ich auf der Stelle zur Hölle fahren und dort ewige Höllenqualen erleiden. Aber sie wird es bestimmt nie erfahren. Dazu ist dieser Plan von mir viel zu gut ausgeführt worden. Die Hölle bleibt mir also vorerst erspart.“

„Wie konntest du nur unseren bestechlichen Physiklehrer umbringen?! Du kannst doch nicht einfach so einen eiskalten Mord begehen! Und dann muss es ausgerechnet Professor Liefers sein. Der Kerl, der als einziger Lehrer an unserer Schule bereit ist, sich bestechen zu lassen! Wieso?!“, schrie sie ihn urplötzlich und ohne Vorwarnung wütend an (offenbar hatte sie T. L. auch mal wegen der ein oder anderen Sache bestochen, denn sonst wüßte sie ja nicht das er ein bestechlicher Lehrer gewesen war).

„Und wie konntet ihr drei selten dämlichen Vollidioten ihm bloß dabei helfen, den alten Mann mal eben so mir nichts dir nichts zu beseitigen?!“, schrie sie Frank’s neugierige Komplizen an, von denen sie dank ihres sechsten Sinnes genau wußte, dass sie im Nebenzimmer standen und das streitende Pärchen neugierig belauschten.

Das die drei ihrem Freund geholfen hatten, war Melissa wohl spätestens in dem Moment klar geworden, als ihr Freund Frank sie dummerweise als Alibi in der Disco angegeben hatte. „Wo-... woher weißt d-... du das? Wie... wie hast du bloß davon erfahren...?“, fragte Frank von Regensburg seine Freundin verängstigt, nachdem er und seine drei Komplizen mehrere Minuten lang unter Schock gestanden hatten.

„Das war ziemlich einfach. Ich nehme mal an das du diesen Mord genau geplant hast, sowie es ja bei dir üblich ist. Du planst ja immer alles auf’s genaueste. Aber ich weiß aus sicherer Quelle, dass du ein ziemlich wichtiges Detail in deinem ach so genialen Plan vergessen hast. Ich wohne nämlich im selben Haus wie unser toter Professor. Doch das kannst du natürlich nicht wissen, da du mir ja nie zuhörst und wir uns aus irgendeinem dummen Grund immer in deiner Wohnung treffen müssen, wenn wir uns mal wieder auf ganz spezielle Weise beschäftigen wollen. Zum Glück hast du mich nicht gesehen als ich das Haus betreten habe, nachdem ich mit meinem eignen Auto wieder dorthin gefahren bin, weil in deiner Wohnung ja angeblich niemand gewesen ist. In der Dunkelheit habe ich mich leider ein paar mal verfahren, bevor ich bei meinem Haus ankam. Aber dir ist das bestimmt nicht passiert, da du vermutlich mit dem Bus dort hingefahren bist. Jedenfalls habe ich dich beobachtet, wie du an der Wohnungstür des Professors irgendwas mit einem großen Magneten gemacht hast, nachdem du diese wenige Sekunden zuvor verlassen hattest. Das kam mir sehr merkwürdig vor und so wartete ich, bis du mit deinen seltsamen Magnetspielen fertig warst und versteckte mich, bis du übereilt das Haus verlassen hattest. Zum Glück ist das Licht im Treppenhaus aus irgendeinem unsinnigen Grund 24 Stunden am Tag eingeschaltet. Man kann es nicht mal ausschalten, was ich ziemlich dumm finde. Aber das macht nichts, denn wenn die Sache mit dem Licht nicht so wäre wie sie ist, dann hätte ich dich mit Sicherheit nicht sofort gesehen. Aber wenn ich das Licht zufällig selbst angemacht hätte, was ich wie gesagt nicht tun konnte, hättest du mich bestimmt bemerkt und dich wahrscheinlich irgendwo vor mir versteckt. Auf jeden Fall klingelte ich später bei Professor Liefers und als nach wenigen Minuten immer noch niemand öffnete, rief ich sicherheitshalber die Polizei und die fanden dann den toten Professor. Natürlich fanden sie ihn erst, nachdem sie die Wohnung kurz zuvor aufgebrochen hatten. Zuerst haben sie sich gewundert das der alte Mann in einer verschlossenen Wohnung ermordet wurde, aber dann habe ich ihnen fast alles erzählt. Ich habe dich der Polizei als schwarze Gestalt beschrieben und ihnen nichts genaueres über deine Identität gesagt, weil ich zuerst deine Version der Geschichte hören wollte. Also los! Ich höre! Aber versuch bloß nicht mich anzuschwindeln! Du weißt ganz genau, dass ich daß sofort merken würde!“, befahl Melissa ihrem Freund gereizt, der daraufhin verängstigt zitterte und mehrmals innerlich zusammenzuckte.

Frank von Regensburg erzählte ihr die ganze Geschichte: Der Mord an ihrem gemeinsamen Freund Anton, das Tonband das dieser seinem Freund Frank (also ihm) hinterlassen hatte, der Auftrag seinen Mörder zu töten, der teuflische Plan mit dem Eismesser und der ausgeführte Mord an Professor Thomas Liefers. Aber den ermordeten Räuber aus der dunklen Gasse ließ er weg, da er davon ausging das seine Freundin bei einem weiteren Mord möglicherweise noch viel weniger Verständnis für ihn aufbringen würde, als sie es ohnehin schon tat. Jan Romes, Franz Fenster und Tony Coaster bestätigten kleinlaut Frank‘s getätigte Aussage, da sie auch nichts von dem zweiten Toten wußten. Genausowenig wie sie alle auch nur ansatzweise ahnen konnten, wie Frank’s geliebte Freundin reagieren würde. Melissa jedenfalls ließ all diese Dinge auf sich wirken und sagte, nachdem sie ein paar Minuten über alles nachgedacht hatte, folgendes:„Ich lasse euch laufen. Ich werde niemandem etwas von diesem Mord erzählen, auch wenn dieses hinterhältige Verbrechen unter anderen Umständen eine ziemlich üble Sache gewesen wäre. Aber da ich mir absolut sicher bin das ihr mich in dieser Angelegenheit nicht angelogen habt, finde ich daß ihr vollkommen richtig gehandelt habt. Außerdem habe ich Zeit meines Lebens auch ziemlich viele Verbrechen begangen. Und auch wenn keines von denen so schlimm war, wie das was ihr getan habt, habe ich trotzdem Verständnis für euer Handeln. Wenn die Polizei mein Privatleben etwas näher durchleuchten würde, würden sie mir wahrscheinlich all meine kriminellen Machenschaften nachweisen können und ich würde eine ganze Weile im Gefängnis landen. Aber ich schweife vom Thema ab. Ihr seid jedenfalls vor der Polizei völlig sicher, denn von mir werden sie bestimmt nichts erfahren. Das was in der letzten Nacht passiert ist, bleibt unser kleines und gut gehütetes Geheimnis. Versprochen.“

Das war eine seltsame Antwort, mit der die vier Verschwörer nun überhaupt nicht gerechnet hatten. Sie war anscheinend auch der ziemlich weit verbreiteten Meinung, dass ihr guter Schulfreund Anton Bar es auf jeden Fall verdient hatte, dass sein viel zu früher Tod entsprechend gerächt werden würde. Den vier verwunderten Verschwörern aber stand die Überraschung regelrecht ins Gesicht geschrieben und sie waren für kurze Zeit völlig erstarrt, da sie niemals auch nur ansatzweise damit gerechnet hätten, dass Melissa ihnen jemals so etwas versprechen würde.